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Schiedsstelle gibt Klinik Recht

Im Streit um die Bezahlung von Herzkatheter-Behandlungen stationärer Patienten hat das Paracelsus-Krankenhaus Ruit vor der Schiedsstelle der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft gewonnen. Esslingens AOK-Chef Dieter Kress kündigte an, vor das Verwaltungsgericht zu gehen, um Überversorgung und "Wettrüsten" zwischen den Kliniken zu stoppen.

ROLAND KURZ

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OSTFILDERN/STUTTGART "Das ist für mich ausgeschlossen, dass die das nicht übernehmen", hatte sich Krankenhausdirektor Bernt Rommel vor dem Termin bei der Schiedsstelle gesträubt, überhaupt über die möglichen finanziellen Folgen für das Kreiskrankenhaus Ruit nachzudenken. Die Behandlung von koronaren Herzerkrankungen gehöre zum Versorgungsauftrag des Hauses. Seit Herbst 2005 bietet Ruit die Diagnose und Behandlung mit dem Linksherzkatheter an. Das Kreiskrankenhaus hat sich dazu als Subunternehmer den Esslinger Kardiologen Ulrich Borst und den Ulmer Professor Hartmut Hanke ins Haus geholt. Sie behandeln unter dem Titel Herzzentrum Filder nicht nur ambulant, sondern übernehmen stationäre Patienten des Krankenhauses.

Die Kosten für die Katheterbehandlung stationärer Patienten wollen die Krankenkassen jedoch nicht übernehmen. Dies gehöre nicht zum Auftrag eines Krankenhauses der Regelversorgung. Ruit hätte beim Sozialministerium eine Ausnahme beantragen müssen, argumentierten die Kassenvertreter vor der Stuttgarter Schiedsstelle. Diese sah das anders: Das Kreiskrankenhaus habe den Auftrag, Herzpatienten zu versorgen, und das schließe den Herzkatheter mit ein. Die Kassen müssen also für das Auftaktjahr 2005 rund 380 000 Euro an Ruit überweisen. In diesem Jahr dürfte es erheblich mehr werden.

Inzwischen kämen mehr akute Infarkte ins Herzzentrum, weil man auch von den Notärzten akzeptiert werde, sagt Chefarzt Ulrich Borst und ist mit der Entwicklung sehr zufrieden. Anfangs hatte er vor allem Untersuchungen. Selbstverständlich habe er die Sache beim Sozialministerium geklärt, bevor er von Esslingen nach Ruit umgezogen sei, sagte Borst. Er ist deshalb auch zuversichtlich, dass das Stuttgarter Regierungspräsidium den Beschluss der Schiedsstelle bestätigt. Das vermutet auch AOK-Geschäftsführer Kress. Er ist sich aber mit Vertretern anderer Kassen einig, anschließend das Verwaltungsgericht anzurufen. Ruit gefährde die Wirtschaftlichkeit der hervorragenden Esslinger Kardiologie, betont Kress immer wieder. Für die Krankenkassen geht es aber nicht nur um Ruit. Kirchheim baut gerade für einen neuen Kathetermessplatz um, der im Frühjahr einsatzbereit sein wird. Ein weiterer Fall droht in Böblingen: Das Land hat zwar den Förderantrag abgelehnt, aber vielleicht kauft die Klinik das Gerät auf eigene Kosten so wie Ruit. Kress hofft, dass die Landesregierung die Großgeräteplanung wieder in die Hand nimmt. Das Land sei ausreichend mit Herzkathetermessplätzen versorgt. Dieter Kress: "Wir können uns das Wettrüsten im Gesundheitsbereich auf Dauer nicht leisten."