Lokales

Schlagkräftige Allrounder mit viel Fachwissen

Kirchheimer Feuerwehr verzeichnet starken Zuwachs bei Alarmierungen – Aktive mit leichtem Rückgang

Schlagkräftige Allrounder mit viel Fachwissen
Schlagkräftige Allrounder mit viel Fachwissen

Ein arbeitsreiches Jahr liegt hinter den fünf Abteilungen der Feuerwehr Kirchheim. 313 Mal rückten die Einsatzkräfte 2011 aus, um Leben zu retten, Brände zu löschen oder aber einen Rehbock aus einem Gartenzaun zu befreien.

Anzeige

Nicole Mohn

Kirchheim. Volles Haus am Freitagabend in der Kirchheimer Feuerwache. Im großen Saal haben sich nicht nur Abordnungen aller fünf Abteilungen zur Hauptversammlung der Gesamtwehr eingefunden. Auch Vertreter aus Gemeinderat und Stadtverwaltung mit Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker sowie Gäste von Polizei, DRK und THW sowie Kreisbrandmeister Bernhard Dittrich sind gekommen, um sich über die Arbeit der Wehr zu informieren.

Die Bilanz, die Stadtbrandmeister Roland Schultheiß vorlegte, war beeindruckend. Schlagkraft, Vielseitigkeit, Fachwissen und gute Ausbildung erforderten die Einsätze im zurückliegenden Jahr. Die Palette reichte dabei von der Dixi-Toilette, die aus dem Bürgersee gefischt werden musste, bis zum Brand in der Tiefgarage in der Osianderstraße, der der Kirch­heimer Feuerwehr alles abverlangte. Der Mut der Atemschutzträger, sich in die stark verqualmte Garage zu begeben, ohne zu wissen, was sie unten erwartete, war es, der Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker besonders imponierte. Auch beim Oldtimerfliegertreffen auf der Hahn­weide gab es im Gegensatz zu den anderen Jahren reichlich zu tun. Zwei Flugzeuge stürzten ab, bei einem anderen brannte der Motor.

Solchen Aufgaben ist nur gewachsen, wer sich gut aus- und stetig weiterbildet. Neben den Übungsabenden und internen Schulungsangeboten sowie Hauptübungen, wie bei den Sicherheitstagen des ADAC auf dem Kirchheimer Marktplatz, besuchten 70 Männer und Frauen der Kirch­heimer Wehren Lehrgänge, um sich für ihren ehrenamtlichen Dienst besser zu rüsten.

Nicht nur die eigenen Leute schult die Kirchheimer Wehr: In der Kreisbildungsstätte besuchten 227 Feuerwehrkräfte weiterführende Kurse. Gefragt war auch die Atemschutzübungsstrecke im Übungscontainer der EnBW, die 1 267 Aktive absolvierten. Ein Angebot, das sich bewährt habe, so Schultheiß. Der Container wird auch dieses Jahr wieder mehrere Tage Station in der Teckstadt machen.

Neues Prunkstück der Wehr ist die moderne Drehleiter, die im Rahmen des Tages der offenen Tür am 12. Mai in Dienst gestellt wird. Das alte Fahrzeug, das 28 Jahre auf dem Buckel hat, geht zur Wehr nach Esslingen, deren zweite Drehleiter keinen TÜV mehr erhalten hat. Neu im Fuhrpark ist auch das Katastrophenschutzfahrzeug, dass der Bund zur Verfügung gestellt hat. Außerdem steht die Beschaffung eines Löschgruppenfahrzeugs LF 20/16 an – die Ausschreibung läuft seit Februar. Gute Erfahrungen habe man mit einem externen Berater gemacht, der die Wehr beim Leistungsverzeichnis unterstütze, berichtete der Stadtbrandmeister. Ein neues Hilfeleistungslöschfahrzeug 20/16 soll 2013 folgen, außerdem brauche die Abteilung Jesingen einen neuen Mannschaftstransporter.

Erstmals seit Jahren ging die Zahl der Feuerwehrangehörigen leicht zurück: Mit 451 Mitgliedern (Vorjahr 455) ist die Kirchheimer Feuerwehr aber nach wie vor die größte Wehr im gesamten Landkreis. Auch das Minus bei den Aktiven von 285 auf nun 279 rüttelt nicht an dem Status, dass die Teckstadt auch bei den Einsatzkräften kreisweit Spitze ist.

Unter den Ausgeschiedenen ist auch Thomas Daginnus. 16 Jahre lang stand der Feuerwehrmann der Abteilung Lindorf vor, neun Jahre unterstützte er Stadtbrandmeister Schultheiß als Stellvertreter. Zum Jahresende legte er seine Posten aus gesundheitlichen Gründen nieder. Nicht nehmen ließen sich Schultheiß und die Kommandanten der Abteilungen sowie Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker, Thomas Daginnus in allen Ehren zu verabschieden. Er erhielt von allen Seiten Lob für sein ehrenamtliches Wirken für die Kirch­heimer Wehren.

Trotz großen Bedauerns über das Ausscheiden Daginnus‘ nutzte Stadtbrandmeister Schultheiß die anstehende Neuwahl als Gelegenheit, die Wehrführung stärker aufzustellen. „Ich habe angeregt, mit zwei Stellvertretern neu zu beginnen, denn die Aufgaben eines Kommandanten sind sehr vielfältig und können von mir allein ehrenamtlich nicht zu 100 Prozent erfüllt werden“, erklärte er. Künftig werden ihn Andreas Bezler (Jesingen) und Michael Briki (Kirchheim) bei der Arbeit und der Neuausrichtung unterstützen. Für Briki entschieden sich 104 der 148 Wahlberechtigten, Bezler bekam 133 Stimmen. Aufgaben wird es für das neue Führungstrio in den kommenden Monaten zur Genüge geben: Neben der Fortschreibung des Feuerwehrbedarfsplanes stehen unter anderem die Überarbeitung der Satzung sowie der Alarm- und Ausrückordnung an.

Nach den Formalien stand noch Erfreuliches auf der Tagesordnung: Schultheiß zeichnete etliche Wehrmitglieder für ihre Treue aus: 25 Jahre setzen Michael Adler (Kirchheim), Tobias Amos, Tobias Haussmann, Bernd Nething, Markus Schäfer, Uli Schäfer und Thomas Schöpf (alle Jesingen) ihr Wissen und ihre Kraft ehrenamtlich bei der Feuerwehr ein. Bei Fritz Gall aus Nabern sind es gar vier Jahrzehnte. Nicht mehr aktiv, aber seit 25 Jahren der Kirchheimer Wehr treu, ist Frank Eberle (Kirch­heim). Rudi Maier aus Lindorf ist seit 40 Jahren dabei. 50 Jahre unterstützen Wilhelm Raichle, Walter Retter (beide Ötlingen)und Konrad Geißler (Lin­dorf) die Wehr. Eine Ehrung gab es auch für den Stabführer des Spielmannzuges: Seit zehn Jahren ist Ulrich Schmid musikalischer Leiter. Dafür erhielt er von Kreisstabführer Hartmut Nies die bronzene Dirigentennadel.