Lokales

Schlanke Schlangen und dicke Tausendfüßler

KIRCHHEIM Züngelnd gleitet die graue Erdnatter über den Humusboden, windet sich an einem trockenen Ast empor bis aufs Dach ihrer Schafhöhle und blickt aufmerksam zur Scheibe des Terrariums hinaus. Die

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BIANCA LÜTZ

grau-braune Schlange ist eines von rund 70 bis 80 Tieren, die gestern bei der Reptilienschau in der Kirchheimer Stadthalle zu sehen waren. Allerdings zeigten sich nicht alle Tiere so aktiv wie die Natter. Zwei Agakröten tarnten sich beispielsweise so gut, dass sie vom Erdboden in ihrem Terrarium kaum zu unterschieden waren, und wer die Rote Königsnatter bewundern wollte, musste schon ganz genau hinschauen: das Reptil hatte sich so geschickt unter einem Stück Holz versteckt, dass es kaum zu sehen war. In den knapp 50 Terrarien tummelten sich neben zahlreichen Schlangenarten darunter ein Albino-Python und eine Boa constrictor auch Schildkröten, Skorpione, Vogelspinnen und asiatische Tausendfüßler in Bratwurstgröße. Das Krokodil, das eigentlich auch zur Ausstellung gehört, war gestern jedoch ausgefallen: Es befand sich mitten in der Eiablage.

Die Bedingungen für die Ausstellung von Reptilien haben sich in den vergangenen Jahren verändert, wie Schausteller Andi Degen informierte: "Das Artenschutzgesetz ist viel schärfer geworden." Aus diesem Grund zeigt der Reptilienexperte, der die Schau nun schon in zweiter Generation betreibt, seinem Publikum zurzeit auch nur noch Jungtiere. "Für die großen Schlangen brauchen wir viel größere Schaukästen. Das muss alles erst genehmigt werden." Während sich unter den Skorpionen und Spinnen durchaus einige giftige Exemplare befinden, sind Degens Schlangen allesamt ungiftig. "Wenn man Giftschlangen ausstellt, muss man auch immer genügend Serum mitfrühren." Da das Gegengift, etwa für Kobras oder Mambas, mittlerweile äußerst teuer geworden sei, rentiere sich das aber nicht mehr.

Mit sieben luftgefederten und geheizten Sattelzügen voller Reptilien touren Degen und sein Team derzeit durch Deutschland. Jeder der Lastwagen hat ganz eigenes Klima: "Der eine ist für Wüstentiere, im anderen herrscht tropisches Klima", so Degen. Exotisch sind auch die Essensgewohnheiten der Passagiere: "Wir verfüttern pro Woche so etwa 300 bis 400 Mäuse." Auch Grillen und Hasen für die größeren Schlangen stehen auf dem Speiseplan.

Neben den Lebendtieren gab es in der Stadthalle auch einige Schaukästen mit präparierten Schmetterlingen, Käfern und Heuschrecken zu sehen. Wenngleich nicht alle Exponate mit Namen versehen waren, so zeigten sich zahlreiche Kinder und Erwachsene dennoch begeistert von der Pracht bunter Schmetterlingsflügel oder schillernden Käferpanzer.