Lokales

Schlechtes Wetter sorgt für Tiefs

Biergärten, Freibäder und Landwirtschaft leiden unter Kälte und Nässe – Deutscher Wetterdienst prognostiziert Besserung

„Wann wird‘s mal wieder richtig Sommer?“ Rudi Carrells uralter Hit erlangt dieses Jahr wieder traurige Aktualität: Seit Wochen ist es allzu oft kühl, nass und teilweise auch windig, und der Sommer scheint einfach nicht kommen zu wollen. Allerdings macht die trübe Witterung nicht nur schlechte Laune – sie sorgt in einigen Branchen auch für handfeste Einbußen.

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Bianca Lütz-Holoch

Kirchheim. Es gibt noch Hoffnung. Mona Vetter prophezeit zumindest ein vorläufiges Ende der Schlechtwetterphase. „Der Ausblick für diese Woche ist gut“, sagt die Meteorologin des Deutschen Wetterdienstes in Stuttgart. Heute sollen die Temperaturen auf immerhin 20 Grad ansteigen, gegen Ende der Woche sind 24 bis 25 Grad zu erwarten. Insgesamt pendeln sich die Temperaturen ihrer Prognose zufolge zum Ende des Monates auf Normalniveau ein. Dagegen waren Mai und Juni bisher keineswegs „normal“, sondern besonders kalt, nass und windig. So lag der Temperaturmittelwert im Mai um 1,2 Grad niedriger als üblich, und die Niederschlagszahlen wichen nach oben von der Norm ab. Auch der Juni ist laut Wetterdienst bislang zu kalt und zu nass. Darunter leiden unter anderem Landwirte, Biergartenbesitzer und Freibäder: Sie erleben regelrechte Tiefs.

Reinhard Segatz, Inhaber des Kirchheimer Biergartens Hirschgarten, hat das Wetter dieses Jahr schon reichlich oft einen Strich durch die Rechnung gemacht: „Wir haben teilweise ganz geschlossen“, sagt er. „Bei unter 20 Grad setzt sich ja keiner raus.“ Solch lange Schlechtwetterphasen am Stück wie dieses Jahr hat der Gastronom selten erlebt: „Sonst ist es mal eine Woche oder 14 Tage am Stück schlecht“, erinnert er sich an vergangene Jahre. Lamentieren und klagen möchte er aber nicht: „Am Wetter können wir sowieso nichts ändern“, sieht er die Situation pragmatisch und fügt hinzu: „Bei mir wird der Strich am Ende des Jahres gemacht.“ Vorher wolle er auch nicht von Einbußen sprechen. Zunächst jedoch hofft Reinhard Segatz auf Besserung: „Sobald das Wetter schöner ist, sind wir im Biergarten wieder voll da“, sagt er.

Auch das Kirchheimer Freibad bekommt das trübe Wetter zu spüren. „Für uns ist das richtig blöd“, klagt Schwimmmeister Alfred Krause. Im Vergleich zu vergangenen Jahren hätten bislang nur wenige Besucher ihren Weg ins Bad gefunden. „Bis jetzt waren es rund 27 000 Badegäste. Sonst zählen wir um diese Zeit oft schon 40 000“, so Krause. Wer dennoch den Sprung ins Becken wagt, kann immerhin mit weitgehend stabilen Wassertemperaturen rechnen: Laut Alfred Krause sind es im Schwimmerbecken 19 bis 20 Grad und im Nichtschwimmerbereich 25 Grad. Das Planschbecken wird erst wieder bei besserem Wetter beheizt: „Bei der Kälte kommen gar keine Eltern mit kleinen Kindern“, so Krause.

Auf die Landwirtschaft wirkt sich das Wetter unterschiedlich aus. „Dem Getreide macht es eigentlich nichts aus, wenn es so kühl und feucht ist“, sagt Hansjörg Güthle, Pflanzenproduktionsberater beim Landwirtschaftsamt des Landkreises Esslingen. Auch der Raps verkrafte die Witterung gut. Ganz anders sieht es da bei Mais, Erdbeeren und Kirschen aus. „Der Mais ist gelb und in der Entwicklung weit zurück“, sagt Güthle. Auch der Erdbeerernte schade das Wetter. Etliche Früchte seien aufgrund des vielen Regens matschig, mangels Sonne fehle den roten Beeren oft die Süße. „Ganz schlecht“ sieht es zudem bei der Kirschenernte aus, die jetzt begonnen hat. „Aufgrund des Regens platzen die Kirschen auf“, sagt der Fachmann.

Ob die aktuelle Witterung wohl auch die Apfelernte im Herbst beeinträchtigt, bleibt Hansjörg Güthle zufolge noch abzuwarten. „Zum Problem können allerdings Pilzkrankheiten werden“, weist der Berater auf eine typische Komplikation hin, die der viele Regen mit sich bringen kann: „Da müssen die Landwirte jetzt reagieren und gegebenenfalls Fungizide anwenden.“ Für Verzögerungen hat die Nässe außerdem bei der Heuernte gesorgt: „Das Gras wächst gut, aber irgendwann muss es eben auch geerntet werden“, sagt Güthle. Dazu seien jedoch drei trockene Tage notwendig – ein Umstand, der in den vergangenen Wochen eher Seltenheitswert hatte.

All diejenigen, die sich schönes Wetter herbeiwünschen und alten Bauernregeln Glauben schenken, sollten übrigens kräftig die Daumen drücken, dass es am kommenden Sonntag schön ist. Am 27. Juni ist nämlich Siebenschläfertag, der für das Wetter der kommenden Wochen ausschlaggebend sein soll. So lautet eine bekannte Bauernregel: „Ist der Siebenschläfer nass, regnet’s ohne Unterlass.“ Ganz so genau sollte man die Regel aber nicht nehmen, zumal der Siebenschläfertag nach der Kalenderreform mittlerweile eigentlich auf den 7. Juli fallen würde.