Lokales

"Schlipsträger" auf dem Stahlross

KIRCHHEIM Die Lokale Agenda Kirchheim hat Anfang April dieImagekampagne "FahrRad" gestartet. Der werbewirksame Einsatz wird sich bis zu den Goldenen Oktobertagen hinziehen. Der Teckbote bringt passend zum Thema eine lockere Serie über Menschen, die im Alltag den Drahtesel und dessen Möglichkeiten für sich selbst entdeckt haben, wie zum Beispiel der Kirchheimer Tiefbauamtsleiter Martin Zimmert, 40.

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RICHARD UMSTADT
"Auch als Schlipsträger kann man mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren. Man muss es nur wollen." Der dies sagt, weiß aus eigener Erfahrung, wovon er spricht: Martin Zimmert bindet sich zu offiziellen Anlässen als Leiter des Tiefbauamts auch mal die Krawatte um, und er radelt täglich von Roßwälden nach Kirchheim zur Arbeit. Acht Kilometer her, acht Kilometer hin. Nur wenn es schneit und Eis die Straßen und Wege in Rutschpartien verwandelt, lässt er sein hochwertiges 27-Gang-Mountainbike mit dem "Maria-hilf-Ritzel" für Steigen in der Garage stehen und nimmt das Auto. Doch ansonsten schreckt ihn weder Wind noch Regen "Ich hab die entsprechende Ausrüstung".


"Mir geht's zum einen um die sportliche Betätigung und zum anderen ums Abschalten nach der Arbeit." Dazu benötigt er knapp eine halbe Stunde. In dieser Zeit radelt Martin Zimmert von der Teckstadt, die Auerbacher Steige hoch, über Wellingen nach Hause. Dabei trägt die Auerbacher Steige nicht unwesentlich dazu bei, dass der Radler des Tages Frust in die Pedale tretend hinter sich lassen kann, um abgekämpft, aber glücklich in Rosswälden anzukommen. "Umgekehrt ist die Strecke nach Kirchheim einfacher", und auch dieser Ausspruch des sportlichen Tiefbauamtsleiters hängt mit der Steige zusammen, die er morgens leichten Herzens hinabsaust.


Martin Zimmert sieht nicht nur mehr, wenn er auf seinem Bike durch die Stadt fährt, "im Stadtgebiet bin ich auch schneller unterwegs als mit dem Auto", weiß er. Außerdem freut er sich darüber, auf seinem Weg zur und von der Arbeit durch schönste Natur zu radeln und hautnah die Jahreszeiten erleben zu können.


Die Fahrten zwischen Roßwälden und Kirchheim verbucht der begeisterte Fahrradfahrer unter der Rubrik Trainingseinheiten. Im Sommer nächsten Jahres will er in Kirchzarten im Schwarzwald am Black Forest Ultra Bike Marathon teilnehmen. 2 000 Höhenmeter auf 79 Kilometern sind zwischen Kirchzarten, dem Feldberg und Oberried zu bewältigen, überwiegend auf Forst- und Waldwegen. Darauf bereitet sich Martin Zimmert gut vor. Die Albsteigen sind dazu ideal. Außerdem bringt der dynamische Amtsleiter auch von einer anderen Tour genügend Erfahrung mit: Im Urlaub überquerte er die Alpen per Mountainbike.


Auch die Familie radelt gerne. Im Urlaub schwangen sich die Zimmerts auf die Drahtesel und fuhren den Neckar hinab nach Villingen-Schwenningen. "Der Erlebniswert war hoch," auch für die 12- und 14-jährigen Sprösslinge.


Martin Zimmert sitzt seit 1. Januar 1998 im Kirchheimer Tiefbauamt. Davor arbeitete er im Allgäu. Bereits dort schwang er sich morgens aufs Radl und fuhr zur Arbeit.


Der Amtsleiter ist jedoch nicht der einzige in der Kirchheimer Stadtverwaltung, der mit dem Drahtesel fährt. "Viele meiner Kolleginnen und Kollegen kommen mit dem Rad" und widerlegen so ein altes Vorurteil: Schlipsträger hocken eben nicht nur hinterm Schreibtisch und bewegen Akten von links nach rechts . . .
Großes Foto: Martin Zimmert auf seinem Mountainbike unterwegs zur Arbeit.
Kleines Foto: Die unheimliche Metamorphose eines "Schlipsträgers": Der Kirchheimer Tiefbauamtsleiter verwandelt sich nach getanem Tageswerk in einen sportlichen Biker.