Lokales

Schmackhaftes Essen und viele Gespräche


RUDOLF STÄBLER

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KIRCHHEIM Um Diakon Wolfgang Burlein fanden sich im Januar 1996 eine Anzahl Ehrenamtlicher

O:3006F401.EP_ein, deren Ziel es war einfach anderen Menschen zu helfen. Der Leitgedanke war die Bündelung der Bedürnisse aller Menschen im Kirchenbezirk, ob sie nun Hilfe und Engagement anbieten können oder Hilfe und Unterstützung brauchen. Man war sich klar darüber, dass man oft nur wenig von den Anliegen der Mitmenschen wissen kann.


So entstand das Kaleidoskop, benannt nach dem einfachen Kinderspielzeug dessen Faszination man auch als Erwachsener noch erleben kann. Die einzigartige Bündelung von Licht, durch die immer wieder neue Formen entstehen und den Betrachter in Erstaunen versetzen. Dieses bunte Spielzeug gab der Gruppe in der Auferstehungskirche dann auch den Namen: "Kaleidoskop".


Ziel war es, sich zu begegnen und sich Hilfe zu leisten, die eigenen Neigungen und Fähigkeiten für andere einzusetzen und auch in kleinen Dingen des Alltags für einen Anderen durch freiwilliges Engagement Verantwortung zu übernehmen. Die Aktion wurde auch genügend öffentlich gemacht doch einer Überzahl von Helfern standen nur wenige gegenüber, die sich überhaupt helfen lassen wollten. Sei es aus falscher Scham oder anderen Gründen, das Kaleidoskop hat die Gründe nicht ursächlich erforscht.


Aber schließlich wollte die Mannschaft ja etwas tun, nur was? So suchte die Gruppe Rat beim Diakonischen Werk. Und die lapidare Antwort war: "versucht's doch mal mit Essen kochen." Das war dann im Oktober 1999 und diese Aktion schlug sofort ein. Die drei damaligen Köchinnen sahen sich gleich 25 "Hungrigen" gegenüber, der Einstand war mithin gelungen. Seither wird in den Räumen bei der Auferstehungskirche jeden zweiten Mittwoch gekocht gebrutzelt wird nur in den Ferien nicht wobei die Zahl der Köchinnen inzwischen zwangsläufig auf fünf Ehrenamtliche gestiegen ist. Mit zum Team gehört auch die inzwischen bereits 70-jährige Maria Graw. Sie ist zusammen mit ihren Enkeln für die Tischdekoration zuständig. Dies ergibt zum Gaumenschmaus dann auch jedesmal einen richtigen Augenschmaus.


Die Gäste rekrutieren sich aus allen Altersgruppen. Es kommen Schüler, Familien mit Kleinkindern, Auszubildende, Schulkinder und vor allem auch viele alte "Singles", ja sogar Bewohner von Altenheimen. Und manch einer hat zu Hause einen kranken Partner zu versorgen. Auch in diesem Fall kann geholfen werden, die Küche ist auch mit Transportgeschirr gut ausgestattet.


Und jetzt schließt sich der Kreis wieder. Mit dem Essen wurde erreicht, was ursprünglich auch erreicht werden sollte. Ab 12 Uhr füllt sich der Gemeindesaal und, so haben die Aktiven beobachtet, es bilden sich Gruppen. "Da wird Freud und Leid geteilt, über alles gesprochen, die Leute leben richtig auf", wissen die Köchinnen zu berichten. Schnell wird erkannt, dass das Reden miteinander an diesem Mittwoch oft viel wichtiger ist als das servierte Essen. So ergeben sich oft spontane Hilfsaktionen. Da helfen sich Kinder schon eimal gegenseitig bei den Hausaufgaben oder bei "Mathe" muss ein Älterer einspringen. Fahrgemeinschaften für den Heimweg werden gebildet, ein handwerklich geschickter Essensgast montiert am Nachmittag bei seinem Tischnachbarn die Deckenlampe im Wohnzimmer, weil der nun mal einfach zwei linke Hände hat ein buntes Gemisch menschlichen Miteinanders, gegenseitiger Rücksichtnahme und Hilfe ein Kaleidoskop eben. Und das macht alle ehrenamtlichen Helfer einfach nur glücklich. Eins aber darf nie fehlen, ein Gebet am Mittagstisch oder auch mal in der Küche: "Ich liebe meine kleine Küche, Gott, und jeden Winkel, jeden Topf. Darum segne mich und all mein Tun, wenn ich Schüsseln wasche, wenn ich koche".

Ein letzter kritischer Blick und dann kann die Kocherei für rund 100 hungrige Mägen beginnen.