Lokales

Schnäppchenfieber bereitet Sorgen

Die geplante Ausdehnung der Fabrikverkaufs-Fläche in Metzingen um weitere 10 000 Quadratmeter bereitet den Einzelhändlern in der Region große Bauchschmerzen. Am heutigen Donnerstag beschäftigt sich auch eine Fernsehdiskussion mit dem Schnäppchenfieber in Metzingen.

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NÜRTINGEN Der frühere Nürtinger Oberbürgermeister Alfred Bachofer hat in seiner Funktion als Regionalrat größte Bedenken gegen das Metzinger Vorhaben geäußert. Jetzt ist auch das Regionalfernsehen auf das Thema aufmerksam geworden: Am heutigen Donnerstag wird auf dem Metzinger Marktplatz von 18 bis 18.30 Uhr eine Diskussion aufgezeichnet, die um 20.15 Uhr im Südwest-Fernsehen in der Sendung Ländersache ausgestrahlt wird.

"Fabrikverkauf! Schnäppchenfieber in Metzingen Was wird aus der Region" lautet die Fragestellung der Fernsehsendung. Diskussionsteilnehmer neben Alfred Bachofer, Fraktionsvorsitzender der Freien Wähler im Regionalparlament Stuttgart, sind der Metzinger Oberbürgermeister Dieter Hauswirth, Heinz Waldmüller, Herausgeber des Schnäppchenführers, und Gerhard Berger vom Handelsverband Baden-Württemberg. Die Diskussion ist öffentlich. Regionalrat Bachofer würde sich freuen, wenn ihn möglichst viele in die Nachbarstadt begleiten, damit wir nicht gegen die Lokalmatadore auf verlorenem Posten stehen.

Die Fabrikverkaufsentwicklung in Metzingen verfolgt man im wenige Kilometer entfernten Nürtingen schon seit einigen Jahren mit großer Sorge. Jetzt gelte es mit aller Macht zu verhindern, dass da noch was draufgesattelt wird, betonte Bachofer Anfang April vor dem Regionalparlament und wurde dabei auch von der Kirchheimer SPD-Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker unterstützt. In Nürtingen wurde in den zurückliegenden Jahren versucht, die Innenstadt zu stärken. Mit entsprechenden Planungen haben Stadtverwaltung und Gemeinderat dazu beigetragen, dass sich kein zentrumsrelevanter Handel an der Peripherie ansiedeln kann.

Nicht genehmigungsfähigDas ist zu viel des Guten sagt auch der Nürtinger Werbering-Vorsitzende Frieder Henzler zur Entwicklung in Metzingen und stützt sich dabei auf eine Stellungnahme des Landesverbandes der Mittel- und Großbetriebe des Einzelhandels Baden-Württemberg. Gerhard Berger, Geschäftsführer des Verbandes, erteilt der geplanten Ausweitung der Fabrikverkaufsfläche eine klare Abfuhr. Unter raumordnerischen Gesichtspunkten sind die geplanten Vorhaben schlichtweg nicht genehmigungsfähig. Befürchtet werden negative Auswirkungen auf den etablierten Einzelhandel in den benachbarten Kommunen.

In einem GMA-Gutachten heißt es dazu: Das Beeinträchtigungsverbot im Einzelhandel wird deutlich überschritten, negative Auswirkungen wie etwa Betriebsschließungen sind wahrscheinlich. Der Einzelhandelsverband will sich auch mit der für Metzingen vorgeschlagenen Flächenreduzierung nicht zufrieden geben, um das Vorhaben noch genehmigungsfähig zu machen. "In Metzingen gibt es bereits so viel Einzelhandel in den Sortimentsbereichen Textil und Schuhe, dass es überhaupt keiner Ergänzung bedarf", argumentiert Gerhard Berger. Das vorhandene Angebot in Metzingen reiche sowohl zur Versorgung der eigenen Bevölkerung als auch für das innere und weitere Einzugsgebiet.

Selbst touristische Potenziale könnten mit dem bestehenden Einzelhandelsangebot in Metzingen vollends abgedeckt werden, so der Verband. Auch der Absicht, das Vorhaben über ein so genanntes Zielabweichungsverfahren zu genehmigen, wird vom Handelsverband ganz energisch widersprochen. Gemäß den gesetzlichen Vorschriften könne im Einzelfall von einem Ziel der Raumordnung in einem besonderen Verfahren abgewichen werden, wenn die Abweichung unter raumordnerischen Gesichtspunkten vertretbar sei und die Grundzüge der Planung nicht berühre, erläutert Gerhard Berger in einer Pressemitteilung. Eine solche Abweichung hält der Handelsverband im konkreten Fall jedoch "weder für vertretbar, noch für erforderlich". Da die negativen städtebaulichen Beeinträchtigungen für die Nachbargemeinden bereits im Betreibergutachten der GMA nachgewiesen worden seien, sieht Berger die Rechtsgrundlage für ein Zielabweichungsverfahren nicht gegeben.

Innenstädte bluten ausDer Nürtinger Werbering-Vorsitzender Frieder Henzler hofft, dass die Argumente des Handelsverbandes greifen und die Fabrikverkaufsfläche nicht ausgedehnt werden darf. "Das tut der Region nicht gut, damit wird nur der Verdrängungswettbewerb verstärkt." Frieder Henzler und Alfred Bachofer befürchten langfristig ein Ausbluten der Nürtinger Innenstadt, wenn die Metzinger Planungen nicht gestoppt werden.