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Schnelles Handeln kann lebensrettend sein

Wie entstehen Herzrhythmusstörungen? Wie können sie behandelt werden? Wann sind sie harmlos und wann gefährlich? Diese und andere Fragen standen im Mittelpunkt eines Fachvortrags der beiden Herzspezialisten Klaus Kleinbach und Martin Beyer in der Kirchheimer Stadthalle.

TANJA LIEBMANN

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KIRCHHEIM Immer mehr Menschen sind von Herzrhythmusstörungen betroffen, und viele von ihnen haben enorme Beschwerden.

Der Kardiologe Klaus Kleinbach verdeutlichte bei seinem Vortrag zunächst anhand von Bildern, dass elektrische Impulse notwendig sind, damit sich der Herzmuskel zusammenzieht. "Das Herz ist der Motor unseres Blutkreislaufes", sagte der 48-Jährige, der seine Diagnosen meist mithilfe von Elektrokardiographien (EKG) trifft. Laut Kleinbach sind diese Aufzeichnungen der elektrischen Ströme im Herz eine wichtige Basis, um die Herzrhythmusstörung zu beurteilen: Nehme die Störung etwa bei einem Belastungs-EKG unter der Belastung ab, so sei dies ein gutes Zeichen.

Der niedergelassene Arzt ging vor allem auf zwei Arten der Herzrhythmusstörungen ein: das Stolperherz und das Vorhofflimmern. Beim Stolperherz, so sagte er, habe der Herzrhythmus gewisse Aussetzer. Die häufigste Form sei dabei ein vorzeitiger Stolperschlag, eine sogenannte Extrasystole, ein Extraschlag. Hervorgerufen werden kann er nach den Worten von Kleinbach durch seelische Einflüsse, durch Herzkrankheiten, durch eine Schilddrüsenüberfunktion, aber auch durch Kalium- oder Magnesiummangel. Auch Genussgifte wie Alkohol, Kaffee oder Nikotin seien als mögliche Ursachen zu nennen. Der Arzt machte den Gästen in der Kirchheimer Stadthalle klar, dass dieser Extraschlag nicht bedrohlich sei, zumindest so lange nicht, wie der Betroffene sonst als gesund gelte. "In vielen Fällen ist es besser, mit einem leichten Herzstolpern unbehandelt zu leben, als Rhythmusmedikamente einzunehmen", so Kleinbach, der das leichte Herzstolpern mit den "Fehlzündungen eines Motors" verglich. In hartnäckigen Fällen oder bei schweren Störungen jedoch könne im Einzelfall auf Rhythmusmedikamente nicht verzichtet werden.

Zum Thema Vorhofflimmern "die häufigste Herzrhythmusstörung" sagte der Mediziner, dass davon in Deutschland etwa 800 000 Menschen betroffen seien. Mit steigendem Lebensalter nehme das Risiko zu, daran zu erkranken. Gekennzeichnet sei das Vorhofflimmern durch einen völlig unregelmäßigen Herzrhythmus. Viele Erkrankungen begünstigten das Auftreten dieses unregelmäßigen Herzrhythmuses. Als Beispiele dafür nannte er hohen Blutdruck, koronare Herzkrankheiten, die Überfunktion der Schilddrüse, Lungenerkrankungen oder schwere Allgemeininfektionen. Oft seien die Leute auch nach operativen Eingriffen davon betroffen. Mit zu den Auslösern von Vorhofflimmern gehörten außerdem Alkohol, Schlafmangel, emotionaler Stress, Koffein und opulente Mahlzeiten.

In seinem Referat ging Kleinbach auch auf die möglichen Therapieformen ein. Dazu gehört die Katheterablation, eine gezielte Verödung von Herzzellen mit Hochfrequenzstrom oder Kälte, unterstützt durch die Kathetertechnik. Laut Kleinbach kann in der Hälfte der Fälle damit das Vorhofflimmern beseitigt werden. Die Hauptgefahren bei Vorhofflimmern seien die Bildung von Blutgerinnseln und der Schlaganfall.

Der Kardiologe Martin Beyer, Chefarzt am Kirchheimer Krankenhaus, beleuchtete im anschließenden Teil des Vortrags das Thema Herzschrittmacher. Seinen Worten zufolge ist der Herzinfarkt die häufigste Todesursache in Deutschland. Laut Statistik gebe es 300 000 Infarkte und 170 000 Todesfälle pro Jahr. "Mehr als 60 Prozent dieser Todesfälle treten innerhalb der ersten 60 Minuten nach dem Infarktbeginn auf", so der 42-Jährige. Schnelles Handeln sei das oberste Gebot unter anderem deswegen, weil es bereits vier Minuten nach dem Herz-Kreislauf-Stillstand zu einer Schädigung des Gehirns komme.

Als besonders wichtig sieht er neben der Herz-Lungen-Wiederbelegung auch den Einsatz von Defibrillatoren an. Diese Geräte überwachten den Herzrhythmus und könnten eine schnelle Herzrhythmusstörung beenden. Was in Akutsituationen zu tun ist, sei unter anderem in Herz-Lungen-Wiederbelebungs-Kursen zu lernen. Auch die frühzeitige Anwendung des Elektroschocks mit einem Automatischen Externen Defibrillator (AED) könne helfen. Im Krankenhaus komme es dann auf die möglichst frühe Wiedereröffnung des Infarktgefäßes an. Beyer: "Je früher das Infarktgefäß eröffnet wird, umso mehr Herzmuskelgewebe kann gerettet werden und je weniger Herzmuskelgewebe verloren geht, umso besser ist die Langzeitprognose des Patienten."

Der Kardiologe betonte, dass Rhythmusmedikamente häufig nicht wirksam seien oder zur Zunahme der Rhythmusstörung oder zum Herzstillstand führen könnten. Sehr sinnvoll sei allerdings das Einsetzen eines vollautomatischen Defibrillators (AICD). Eine gefährliche Rhythmusstörung werde durch ihn sofort erkannt und zuverlässig beseitigt.

Den Vortrag organisiert hatten die Allgemeine Ortskrankenkasse (AOK) Nürtingen-Kirchheim, die Innungskrankenkasse (IKK) Esslingen-Nürtingen, die Deutsche Herzstiftung und die der Selbsthilfegruppe Herzkranker Menschen (SOHM) im Rahmen der Herzwoche. Weitere Informationen zum Thema gibt es im Internet unter www.sohmev.de oder www.herzstiftung.de.