Lokales

Schnelles Reagieren stoppt Ausbreitung

Kopfläuse treten an Kindergärten und Schulen wieder häufiger auf. Panik ist jedoch nicht angesagt, wird vonseiten des Gesundheitsamts im Esslinger Landratsamt betont. Kopfläuse lösen weder Erkrankungen aus, noch übertragen sie solche.

KREIS ESSLINGEN "Unsauberkeit und mangelnde Körperpflege sind nicht die Ursache für eine Verlausung", erklärt Dr. Karl-Heinz Schick vom Gesundheitsamt im Esslinger Landratsamt in einer Pressemitteilung. Ein Irrglaube, der dazu führe, dass Kopfläusen ein Makel anhafte, und deshalb leider noch viel zu oft der Befall vertuscht oder mit unwirksamen Mitteln bekämpft werde. "Das führt aber letztlich nur dazu, dass sich die Läuse auf andere Menschen ausbreiten können und so ganze Klassen oder Kindergartengruppen befallen werden", so Schick. Dabei sei längst nachgewiesen, dass auch intensivste Haut- und Körperpflege nicht vor Läusebefall schützten.

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Läuse kommen in der Natur von jeher vor. Sind sie anfangs zufällig in die Kopfhaare einer Person geraten, krabbeln die ungeliebten Zeitgenossen leicht von Kopf zu Kopf, manchmal über den Umweg von Kleidungsstücken wie Mützen oder auch über ein Kissen. Wegen der leichten Übertragungswege schreibt das Infektionsschutzgesetz vor, dass Sorgeberechtigte dem Kindergarten oder der Schule Läusebefall bei ihren Kindern melden müssen. Nur so können schnell wirksame Gegenmaßnahmen ergriffen werden, und viel Ärger lässt sich vermeiden. Von Läusen befallene Personen dürfen Kindergarten oder Schule nicht besuchen, solange sie die Läuse weiterverbreiten können. Dieser Zeitraum kann heute aber sehr kurz gehalten werden: Bei einer Behandlung mit einem wirksamen Mittel dürfen die Kinder schon am nächsten Tag wieder die Einrichtung besuchen. Sicherheitshalber sollte nach acht bis zehn Tagen noch ein zweites Mal behandelt werden.

Wirksame Substanzen zur Behandlung sind Permethrin, Allethrin oder Pyrethrum, die in vielen Präparaten enthalten sind. Sie lähmen das Nervensystem der Läuse. Für Schwangere, Stillende und Kinder unter drei Jahren ist bei diesen Mitteln aber besondere Vorsicht angebracht. Werden bei diesem Personenkreis Läuse festgestellt, sollte auf alle Fälle ein Arzt zur Behandlung gefragt werden. Damit die Läuse effektiv vernichtet werden können, müssen die Anwendungsvorschriften des jeweiligen Präparats genau befolgt werden. Schon durch die erste Behandlung werden die Läuse und Nissen abgetötet. Nur die Nissenhüllen mit den toten Larven bleiben an den Haaren kleben. Werden nur noch Nissen gefunden, die in mehr als einem Zentimeter Entfernung vom Haarboden an den Haaren kleben, handelt es sich um alte und leere Nissen, da die Laus ihre Eier immer nahe am Haarboden an die Haare klebt. Ein Großteil der Nissen kann mit einem Nissenkamm entfernt werden, der Rest muss meist mit etwas Zeitaufwand mit der Hand herausgezogen werden.

Neben den Haaren sollten auch bestimmte Gegenstände im Haushalt eine besondere Behandlung erhalten: Kämme und Bürsten sollten mindestens zehn Minuten in 60 Grad heißer Seifenlauge liegen und dann gründlich gesäubert werden. In den nächsten Wochen sollte jedes Familienmitglied einen eigenen Kamm am besten aus Kunststoff verwenden. Handtücher, Stofftiere, Kleidungsstücke und Bettwäsche sollten bei mindestens 60 Grad gewaschen werden oder eine halbe Stunde lang im Wäschetrockner auf der höchsten Stufe behandelt werden. Alternativ kann eine 24-stündige Lagerung in der Tiefkühltruhe bei mindestens minus 18 Grad die Parasiten abtöten. Auch eine vierwöchige Lagerung in einem fest verschlossenen Plastiksack lässt die Läuse verhungern. Um möglichst alle Haare und eventuell daran haftende Läuse zu beseitigen, sollten die Wohnung gesaugt oder feucht gewischt und die Polstermöbel mit einer Fusselbürste behandelt werden. In den folgenden Wochen sind die Haare der Betroffenen regelmäßig noch einmal abzusuchen und die Behandlung im Zweifelsfall zu wiederholen.

Nähere Informationen und Beratung gibt es beim Gesundheitsamt, Telefon 07 11/39 02-16 00, oder beim Hausarzt. Im Internet gibt es beim Robert-Koch-Institut unter www.rki.de ausführliche Infos (Link "Infektionskrankheiten A-Z"/"Kopflausbefall"). Viele praktische Hinweise finden sich auf der schweizerischen Internetseite www.Kopflaus.ch, wobei die gesetzlichen Vorschriften und empfohlenen Mittel nicht automatisch dieselben sind wie in Deutschland.

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