Lokales

Schnippischer Angeklagter

Mit Schlägen und Tritten gegen die eigene Mutter soll ein 24-jähriger berufsloser und drogensüchtige Mann im März dieses Jahres in der elterlichen Wohnung in Lenningen versucht haben, zu Geld und einer EC-Karte zu kommen. Wegen zweifacher versuchter schwerer räuberischer Erpressung und Körperverletzung muss sich der junge Mann jetzt vor dem Stuttgarter Landgericht verantworten.

BERND WINCKLER

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LENNINGEN/STUTTGART Er wolle jetzt sofort 150 Euro, soll der Angeklagte am Nachmittag des 1. Mai dieses Jahres seiner Mutter gesagt haben. Als die Frau ablehnte, weil sie seinen ständigen Drogenkonsum nicht weiter finanzieren wollte, und sicherheitshalber ihre EC-Karte im Schlafzimmer versteckte, sei der Sohn rabiat geworden: Schläge mit der Faust gegen die Frau und Tritte mit einem Schuh sollen zahlreiche Prellungen bei der Mutter verursacht haben. Sie konnte aus dem Haus flüchten der Angeklagte habe dann noch eine Türe eingetreten und bei der Suche nach der EC-Karte das Schlafzimmer verwüstet.

Nicht nur diesen einen räuberischen Erpressungsversuch soll der 24-jährige Mann begangen haben. Bereits 14 Tage vorher hat er laut Anklage an einem Nachmittag einen 15-jährigen Bekannten in dessen elterlicher Wohnung in Lenningen aufgesucht und von ihm 70 Euro zur Beschaffung von Rauschgift gefordert. Der 15-Jährige lehnte die Zahlung ab und soll dann vom Angeklagten mit einem Messer bedroht und mit einem kräftigen Fausthieb auf das Auge bedacht worden sein. Dem Messerstich habe das Opfer zwar noch geschickt ausweichen können, der Fausthieb verursachte jedoch eine Jochbein-Verletzung.

Vor der fünften Großen Strafkammer gibt sich der Angeklagte recht schnippisch und wird vom Vorsitzenden Richter mehrmals zurecht gewiesen. Zuerst sagt er aus, er habe an den Tattagen bis zu zehn Flaschen Bier getrunken, dann wieder gibt er zu Protokoll, er wisse nichts mehr. "Wollen Sie uns auf den Arm nehmen?", entgegnet der Richter. Schließlich gibt der Beschuldigte einen Faustschlag gegen den 15-Jährigen zu, der aber sei "versehentlich" geschehen. "Es war ein Unfall", sagt der Beschuldigte.

Seine Mutter selbst hatte damals die Polizei um Hilfe gebeten. Als die Beamten am Abend des 1. Mai dann erschienen, soll der 24-Jährige sie des Hauses verwiesen haben. Er wurde jedoch gleich festgenommen.

Während der Sohn die Angriffe und Verletzungen seiner Mutter vor Gericht einräumt, versucht sie im Zeugenstand, ihn zu entlasten: "Er hat mich nicht angegriffen", sagt sie. Der Richter "explodiert" und weist die Frau deutlich darauf hin, welche Strafen bei einer Falschaussage möglich sind. Daraufhin verweigert die Frau jede weitere Aussage.

Mit Hilfe eines Sachverständigen soll jetzt der Drogenkonsum des 24-Jährigen und dessen Alkoholsucht ermittelt werden. Bei einer Vollrauschtat werden Beschuldigte in der Regel vom Gericht in eine geschlossene Trinker-Heilbehandlung eingewiesen. Da hier aber noch Drogen im Spiel sein könnten, ist auch eine Unterbringung in einer Drogentherapie-Anstalt möglich. Der Prozess wird am nächsten Dienstag mit Zeugenvernehmungen fortgesetzt.