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Schnupperkurs im Löschen und Retten macht Lust auf mehr

Erstmals präsentierten die ortsansässigen Abteilungen vom Deutschen Roten Kreuz (DRK), dem Malteser Hilfsdienst, der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG), der Feuerwehr und dem Technischen Hilfswerk (THW) am Donnerstag an der Teck-Realschule Kirchheim gemeinsam ihre Arbeit. Der Pilotveranstaltung zur Nachwuchsgewinnung sollen weitere, an unterschiedlichste Zielgruppen gerichtete Aktionen folgen.

ANNEGRET KAPP

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KIRCHHEIM Mit schallendem Gelächter reagieren die Mädchen aus der Klasse 8a als die Hausattrappe, an der sie sich in der Kunst des gezielten Wasserspritzens versuchen dürfen, hintenüberkippt, und als der schnell hinzu geeilte Helfer von der Freiwilligen Feuerwehr auch noch eine unfreiwillige Dusche nimmt. Dann konzentrieren sie sich aber doch darauf, mit dem Strahl aus dem Löschschlauch die Messvorrichtung zu treffen. "Oberbrandmeister" zeigt die Apparatur schließlich an. Kim und Katja lassen sich überzeugen von ihrem frisch entdeckten Talent: Die Feuerwehr könnte für sie der richtige Freizeitspaß sein.

Genau auf solche Reaktionen hatten die fünf Kirchheimer Hilfsorganisationen gehofft, als sie beschlossen, mit einem gemeinsamen Kennenlern-Programm an Schüler und andere Mitbürger heranzutreten. Die Aktion an der Teck-Realschule bildet, wenn alles wunschgemäß verläuft, nur den Anfang für eine Reihe von Begegnungen, die Bürger von der Schulbank bis zum Altenheim ansprechen sollen. So könnten sich die Ehrenamtlichen auch Präsentationen bei Firmen oder im öffentlichen Raum vorstellen. Nicht nur um Nachwuchs wollen sie damit werben, sondern auch um Anerkennung und Verständnis, etwa auf Seiten der Arbeitgeber. Auf dieses sind die Helfer, die schließlich rund um die Uhr einsatzbereit sein müssen, oft angewiesen. Andererseits, so betonen Andreas Schwarz von der Feuerwehr und Lars Mosdorf vom THW, bringen die Rettungsdienstler im Betrieb ihre Erfahrung unter anderem im organisatorischen Bereich ein. Auch den ehrgeizigen Plänen für weitere Schulbesuche sind Grenzen vor allem durch die Möglichkeiten der Mitglieder gesetzt, an solchen vormittäglichen Sondereinsätzen teilzunehmen.

Bei den Kirchheimer Rektoren stießen die kreativen Vorschläge, wie eine entsprechende Vorführung in den normalen Unterricht eingebunden werden kann, auf offene Ohren. So könnten beispielsweise Feuerwehr und THW anhand ihrer Gerätschaften und ihrer Erfahrung etwa mit chemischen Unfällen Verständnis für naturwissenschaftliche Fragestellungen wecken. Für die Premiere bot sich die Teck-Realschule in doppelter Weise an. Zum einen hat das Rote Kreuz mit Lehrer Nikolai Schreiber und weiteren Mitgliedern unter den Schülern dort schon einen Fuß in der Tür. Zweitens fügte sich die Veranstaltung geschickt in die Projektwoche ein, in deren Rahmen für die achten Klassen das neue Lehrplanelement "Themenorientiertes Projekt Soziales Lernen" (TOP-SE) auf dem Programm stand. Auch diese einwöchige Einarbeitung und das anschließende schulbegleitende Praktikum im gemeinnützigen Bereich dienen dazu, die Jugendlichen an soziales Engagement heranzuführen.

Die Blaulichtfraktion unter den sozial Engagierten punktete bei den Achtklässlern mit dem Spaßfaktor eines Parcours, in dem sie verschiedene Rettungstechniken selbst ausprobieren konnten. Nachdem die fünf Vereine kurz ihre Geschichte im Falle der Malteser reicht sie immerhin schon neun Jahrhunderte zurück vorgestellt und mit spektakulären Bildern ihrer bisherigen Einsätze Respekt geheischt hatten, durften die Schüler das Einsatzgerät der Rettungsdienste in Augenschein und in die Hand nehmen. Bei der Feuerwehr galt es, Plastikbecher mit einer Rettungsschere zu greifen und zu leeren, ohne sie zu zerquetschen: Mit derselben Übung trainieren auch die aktiven Brandschützer ihre Geschicklichkeit. Die Sanitäter vom DRK und den Maltesern führten ihre Einsatzwägen vor und ließen den Nachwuchs mal eine Halskrause anlegen.

Das THW erklärte das richtige Verhalten nach einem Unfall und führte seine neuen Hebekissen vor. Mit deren Hilfe konnten die Schüler den tonnenschweren Laster des Hilfswerks anheben; normalerweise kommen sie zum Beispiel nach einem Erdbeben zum Einsatz, um Verschüttete aus schweren Trümmern zu bergen. Besonders kurios fanden einige der Zuhörer, dass das THW auch Autofahrern, die ihren Schlüssel im Wagen eingeschlossen haben, zu Hilfe eilt. Wie das Autoknacken funktioniert, wollte der freundliche Helfer allerdings nicht ausplaudern. Der DLRG verriet dafür, mit welchen Griffen sich ein Rettungsschwimmer aus der panischen Umklammerung eines Ertrinkenden befreien kann. Mit dem richtigen Kniff rettet der Profi nicht nur die eigene Haut, sondern bringt auch seinen Schützling in eine transportfähige Position. "Es ist nicht so einfach, wie es aussieht," gab Maximilian aus der 8c freimütig zu. Das Wasser mussten sich die Schüler bei der Einweisung in die Techniken von Rettungstauchen und -schwimmen allerdings vorstellen.

Von der unangenehmen Witterung ließen sich nur wenige die Laune verderben. Elena und ihre Freundinnen aus der 8b fanden einfach alles gut: Bleibt nur noch die Qual der Wahl des richtigen Vereins und die Zeit, die für das Bürgerengagement gefunden werden muss. Ein positives Fazit zogen denn auch die Veranstalter in den blauen, roten und orangefarbenen Uniformen. Nach vielen gemeinsamen Einsätzen und Übungen haben die Lebensretter nun auch abseits der Gefahrenstellen bewiesen, dass Konkurrenzdenken, so weit es früher einmal gegeben war, längst überwunden ist.