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Schön, dass du da warst

Viel AnerkennungEines zeigte die Verabschiedung von Pfarrerin Dr. Juliane Baur in der Christuskirche deutlich: Gerne ziehen lässt sie niemand. Lange ist die Liste dessen, was Gemeindeglieder, Kollegen und viele andere an ihr schätzen. Doch die Kirchenleitung wünschte sich Baur, Jahrgang 1968, als Studieninspektorin am Tübinger Stift.PETER DIETRICH

Kirchheim. Messe man Baurs fünf Jahre am Segen, der in ihnen liege, seien sie eine gewaltige Zeit, meinte Dekan i. R. Klaus Scheffbuch. Und dachte dabei nicht nur an die Kirchengemeinde, sondern auch an Baur persönlich: Alleine sind Sie gekommen, zu dritt ziehen Sie weiter. Als Baur Anfang 2003 als Pfarrerin zur Anstellung nach Kirchheim kam, hieß sie noch Juliane Müller. Zwei Jahre später heiratete sie ihren Mann Markus, im Oktober 2006 kam Sohn Jonathan zur Welt. Nicht nur der Weggang der Pfarrerin bedeutet einen spürbaren Verlust. War Technikfreak Markus Baur doch gerne zur Stelle, wenn es beim Schuldekan oder im CVJM um Computer, die Telefonanlage oder den Einbau einer Küche ging.Ihr Theologiestudium führte Juliane Baur nach Erlangen, Münster, Heidelberg und Tübingen. Promoviert hat sie in Zürich, für ihr Vikariat ging sie nach Stuttgart-Möhringen. Durch ihre Tübinger Zeit ist ihr die neue Wirkungsstätte nicht fremd, als Studieninspektorin und damit Vizechefin im Stift wird sie dort Theologiestudenten begleiten. Eine Aufgabe, mit der sie als ehemalige Studienassistentin im Tübinger Studentenwohnheim Karl-Heim-Haus ebenfalls vertraut ist. Ein wenig darf der Umzug nach Tübingen aber noch warten, bis nach der Konfirmation in der Christuskirche am 9. März.Ansprechpartner und Begleiter für Ehrenamtliche zu sein, lag Baur besonders am Herzen. Sehr wichtig war ihr auch die Verkündung, ihre theologisch fundierten Predigten waren geschätzt. Sie blieb bescheiden. Ich bin als Predigerin hilfreich, aber nicht wichtig. Ob etwas weiterträgt, liegt an Gott, meinte sie in ihrer Abschiedspredigt über den Glaubensvater Abraham. Wir brauchen Vorbilder, die erinnern, wie rechter Glaube zum Leben hilft, betonte sie. Vorbilder, die sie in Kirchheim erlebt habe auch im jüngst verstorbenen Pfarrer Walter Gölz.Die Kirchheimer Dekanin Renate Kath erinnerte im Festgottesdienst daran, dass Baur nicht nur aktiv mit Herzblut in einer Gemeinde war, sondern durch ihren 25-Prozent-Auftrag als Stadtjugendpfarrerin auch in vielen städtischen Gremien präsent. Im Namen der Oberbürgermeisterin dankte ihr Sozialamtsleiter Roland Böhringer als einer kompetenten Partnerin im sozialen Netzwerk der Stadt, die Glaubwürdigkeit gelebt habe. Werner Dohrn, Vorsitzender der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde, beschrieb die scheidende Pfarrerin als brillante Vordenkerin und Analytikerin. Sie habe in größeren Zusammenhängen gedacht, präzise und punktgenau formuliert und sei eine gesuchte, kluge Ratgeberin gewesen. Es ist schön, dass du da warst, meinte Martinskirchenpfarrer Jochen Maier. Wäre Baur eine Pflanze, stelle er sich diese als Kirschbaum vor, von Natur aus bescheiden, aber leuchtend, wenn die Ideen blühen, und mit besonderen Früchten.Der katholische Pastoralreferent Wolfgang Müller hatte als Geschenke ein XXL-Brot und Rosen mitgebracht. Jugendmitarbeiter kommentierten Baurs Weggang mit einem launigen Sprechstück, der Kindergarten Traubsche Stiftung überbrachte einen Regenbogen, Seifenblasen und eine weiße Wolke. Der Kirchengemeinderat sang das Kinderlied Ich lieb den Frühling als Liebeslied auf Kirchheim.Zwar konnte sie für einen soliden finanziellen Grundstock sorgen, trotzdem muss Baur eine Aufgabe ihrem Nachfolger hinterlassen die Innensanierung der Christuskirche. Es könnte auch eine Nachfolgerin sein, bislang ist die Stelle noch nicht ausgeschrieben. Bis zur Besetzung übernimmt Christian Schwahn, Pfarrer zur Dienstaushilfe bei Dekanin Kath, die Vertretung.
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