Lokales

„Schön, etwas bewegen zu können“

Kirchheimer Jugendrat zieht selbstkritische Bilanz – Es fehlt der Kontakt zu den Jugendlichen draußen

Seit einem Jahr haben die Kirchheimer Kinder und Jugendlichen wieder eine Interessenvertretung – den Jugendrat. Der stellte jetzt in der Alleenschule interessierten Kirchheimer Bürgern, Eltern und Gemeinderäten seine Arbeit vor.

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Antje dörr

Kirchheim. Die Interessen der Kirchheimer Jugend vertreten – das ist die Aufgabe des Jugendrates, der seit Januar 2007 im Amt ist. Lange Jahre hatte es keinen Jugendgemeinderat mehr gegeben. Der letzte war gescheitert, weil zu wenige Jugendliche an die Urnen gegangen waren. Im Mai 2007 traten die frischgebackenen Jugendräte ihr Amt an. Im „Haus auf der Alb“ besuchten sie ein Seminar der Landeszentrale für politische Bildung, in dem sie auf ihre neuen Aufgaben vorbereitet wurden und sich Gedanken über erste Projekte machen konnten. Von da an gab es immer viel zu tun, aber auch „viel Spaß“, wie die jungen Räte einmütig betonten. Wie es sich für echte Politiker gehört, reisten 16 Räte in die Bundeshauptstadt und konnten auf Einladung der Bundestagsabgeordneten Uschi Eid Berliner Luft schnuppern. Zum 40. Jahrestag der Städtepartnerschaft fuhren die Jugendlichen nach Rambouillet. Dort trafen sie französische Jugendräte und holten sich Anregungen für die eigene Arbeit.

Die meiste Zeit verbrachten die Jugendlichen aber natürlich in ihrem Wahlkreis. Dort führten sie eine Reihe von Projekten durch. Eine der ersten Aktionen war eine Info-Karte für das Anrufsammeltaxi, aus der Jugendliche leicht erfahren können, wie das Taxi funktioniert, wann es fährt und wie viel des kostet. Außerdem beteiligte sich der Jugendrat an der Sportentwicklungsplanung. Da bei der offiziellen Umfrage nur Kirchheimer Bürger über 14 Jahren befragt wurden, machte der Jugendrat eine zusätzliche Umfrage, in der auch Kinder und Jugendliche berücksichtigt wurden. Beachtliche 2807 ausgefüllte Fragebogen gingen zurück. Ein weiteres Sportprojekt war die Erweiterung des Skaterplatzes durch eine sogenannte Funbox, die von Skatern und Jugendrat gemeinsam konzipiert wurde – mit Erfolg. Im Sommer soll es in Kooperation mit dem Mehrgenerationenhaus Linde eine Einweihungsparty geben. Auch „in eigener Sache“ gab es für die Jugendlichen viel zu tun. Das Jugendratsbüro, das als Kontaktstelle zwischen Rat und Jugend dienen soll, war in keinem guten Zustand. Seit den Osterferien erstrahlt es in leuchtendem Gelb und kann demnächst möbliert und bezogen werden. Damit soll es auch Sprechstunden für die Jugendlichen geben.

Für die nächste Zeit hat man sich vorgenommen, die Kirchheimer Bahnhofsunterführung zu verschönern. Nach den Sommerferien sollen dort sechs Platten aufgehängt werden, die von Jugendlichen und lokalen Künstlern gemeinsam gestaltet werden. Allerdings muss das Projekt noch vom Gemeinderat genehmigt werden. Außerdem wollen die Räte gemeinsam mit der Linde einen Jugendstadtplan entwerfen und eine Postkartenaktion gegen rechte Gewalt starten. Ein drittes Projekt steht noch in den Sternen: Der Jugendrat möchte gerne für die Jugendlichen einen Volleyballplatz im Freibad durchsetzen.

Mit seinem ersten Amtsjahr ist der Jugendrat zufrieden. Allerdings wissen alle, dass noch viel Arbeit vor ihnen liegt. Ein Problem sahen alle Räte darin, die Jugendlichen, die ja ihre Klientel sind, zu erreichen. „Wir haben leider wenig Kontakt nach außen“, erklärte Pia Köber. Viele Jugendliche hätten für politische Arbeit keine Zeit, seien in andere Aktivitäten eingebunden oder hätten schlicht kein Interesse daran. Die Schuld für die geringe Jugendbeteiligung geben die Räte aber auch sich selbst. In Zukunft müsse man die Projektarbeit so planen, dass gezielt Aufgaben an interessierte Jugendliche verteilt werden könnten, sagte Björn Ebert. „Wir wollen auch in die Schulen gehen und gezielt Schüler ansprechen“, sagt Frieder Schumann. Außerdem bastelt man gerade an einer eigenen Homepage.

Ein weiteres Defizit sieht der Rat bei der Zusammenarbeit mit der Verwaltung, obwohl Lena Weithofer betonte, dass solche Anlaufschwierigkeiten nach so langer Zeit ohne Jugendgemeinderat wohl normal seien. „Es ist schade, dass wir oft so spät über jugendrelevante Themen informiert werden“, fand Björn Ebert. Oft sei auch unklar, wer wo was entscheide, sagte Teresa Oberhauser. Da fehlten einfach die richtigen Kontakte und Ansprechpartner. Aber trotz solcher Schwierigkeiten und der Freizeit, die sie das Amt oft kostet, waren sich alle einig, dass es schön ist, etwas bewegen zu können.