Lokales

"Schönes Buch" ungern hergeben

Wenn das Kirchheimer Notariat in das Gebäude Schweinemarkt umgezogen ist, gibt es in Notzingen kein Grundbuchamt mehr. Dies stieß im Notzinger Gemeinderat nicht auf ungeteilte Zustimmung.

IRIS HÄFNER

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NOTZINGEN "Wenn alle Grundbücher weg sind, können wir im Rathaus keine Auskünfte mehr erteilen auch die Servituten sind dann weg", erklärte Bürgermeister Flogaus. Dass dieses "schöne Buch" aus den Händen gegeben werden muss, passte Günter Barz schon gar nicht. Er war nicht der einzige.

An der Praktikabilität hat auch der Schultes so seine Zweifel. "Eine Vielzahl der Notare in Kirchheim kann die alte Sütterlinschrift nicht mehr lesen. Auch früher gab es Notare, die anständig geschrieben haben und solche, die weniger Wert auf ihre Handschrift gelegt haben", sprach Jochen Flogaus aus Erfahrung. Ihm attestierte Eduard Bosch ein gutes Auge für die "unterschiedlichsten Doktorschriften". "Da hat es einige Haken drin", ist auch die Erfahrung des Gütlesbesitzers. Er befürchtet, dass es Probleme gibt, sollten die Grundbücher in Kirchheim sein. "Sieben oder acht Überfahrten sind auf unserer Markung keine Seltenheit. Da muss immer mal wieder eine strittige Lage geklärt werden", so Eduard Bosch.

Dies brachte Hans-Joachim Heberling auf die Idee, einen Bürgerservice anzubieten. "Wir erledigen das auf Wunsch beim Kirchheimer Notariat gegen eine Gebühr", schlug er vor. Völlig abgeneigt zeigte sich Jochen Flogaus davon nicht. Er will jedoch zunächst einmal abwarten, wie sich die ganze Angelegenheit entwickelt. "Die Praxis wird es zeigen, so einfach wie in der Vergangenheit wird es aber nicht mehr sein", erklärte er.

Der Schultes sieht immerhin einen Vorteil: "Mit der Lagerkapazität in der Registratur sind wir am Ende. Wenn die zwölf Grundbuchschränke weg sind, kommt uns das zugute."

Er hofft auf eine schnelle Übertragung ins EDV-System. "In Weilheim ist die Umstellung abgeschlossen. Dort läuft es schon sehr gut. Kirchheim hat da noch einen großen Nachholbedarf", informierte er das Gremium.

Ganz besänftigt war Günter Barz immer noch nicht. "Das sind grundlegende Dokumente unserer Gemeinde. Die Bücher sind weg und es kann Jahrzehnte dauern, bis sie elektronisch eingelesen sind. Und was passiert dann mit ihnen?", wollte er wissen. Jochen Flogaus geht davon aus, dass sie ins Archiv kommen. Dies bestätigte das Notariat auf Nachfrage des Teckboten. "Bei uns sind sogar noch die Güterbücher die Vorläufer der Grundbücher gelagert", verriet er.