Lokales

Schon im Kindergarten Versäumnisse auffangen

"Ein Riesenmanko unserer Gesellschaft besteht darin, dass man sich nicht mehr umeinander kümmert", sagt Birgit Homburger. Standards im Bereich der frühkindlichen Bildung sollen helfen, dieses Defizit auszugleichen. Die FDP-Bundestagsabgeordnete und Landesvorsitzende besuchte gestern im Rahmen einer Tour durchs Ländle den Carl-Weber-Kindergarten.

IRENE STRIFLER

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KIRCHHEIM Der Carl-Weber-Kindergarten in Trägerschaft der Lebenshilfe stellt kreisweit eine Besonderheit dar: Seit zwei Jahrzehnten wachsen dort Kinder mit und ohne Behinderungen gemeinsam auf. Die Leiterin, Verena Blaschke, erläuterte gemeinsam mit der Ersten Vorsitzenden der Lebenshilfe, Bärbel Kehl-Maurer, und Geschäftsführer Gerhard Thrun das Konzept. Gespannt mischten sich Birgit Homburger und FDP-Landtagskandidat Frank Schweizer unter die Gruppe "Rasselbande" und machten sich selbst ein Bild vom bunten Miteinander der Drei- bis Sechsjährigen.

Ziel der Politiker war vor allem, Erkenntnisse zu notwendigen Standards für die frühkindliche Bildung zu erlangen. "Hier liegen bereits die ersten Probleme im Bereich der Bildungspolitik in Deutschland", erklärte Homburger das Interesse speziell an den Einrichtungen für Kinder vor der Einschulung. Klarer Fall: Versäumnisse in dieser Altersklasse rächen sich im Grundschulalter. Die Liberale setzt beispielsweise auf Sprachtests für Drei- bis Vierjährige, die dann gegebenenfalls Fördermaßnahmen nach sich ziehen sollten.

Sprachförderung ist auch nach den Erkenntnissen von Verena Blaschka und ihrem Team ganz wesentlich. Anregungen zum Gespräch lassen sich dann leichter geben, wenn die Gruppen klein sind. "Mehr Fachkräfte" lautete daher die spontane Antwort auf Homburgers Frage, womit man in traditionellen Kindergärten mehr erreichen könne.

Im Carl-Weber-Kindergarten sind nur 34 Kinder in drei Gruppen, davon zwei gemischte Gruppen, untergebracht. "Bei uns wird sehr viel erzählt und diskutiert", sagt Blaschka. Großen Wert legt das Team zudem auf Motorik und musikalische Erziehung. Kein Tag vergeht ohne Toben und Bewegung, zweimal pro Woche kommt eine Krankengymnastin. Musik- und Rhythmusspiele fördern das Gemeinschaftsgefühl und sprechen auch speziell behinderte Kinder an.

Bei den Standards, die die Politiker für den Kindergartenbereich festschreiben wollen, geht es auch um Sozialkompetenz. "Hier muss vieles aufgefangen werden, was in den Familien versäumt wird", bilanziert Birgit Homburger und denkt nicht zuletzt an Selbstverständlichkeiten wie gemeinsames Essen, das heute längst nicht mehr in allen Haushalten üblich ist. Dass der Kindergarten der richtige Ort ist, um auf ein soziales Miteinander hinzuwirken, darüber waren sich beim Gespräch gestern alle einig. Wichtig ist Homburger daher auch, dass alle Kinder einen Kindergarten besuchen. Die Weichen sind im Ländle zumindest für das Jahr vor der Einschulung gestellt: "Im letzten Kindergartenjahr gehen über 90 Prozent aller Kinder in einen Kindergarten."