Lokales

Schon wieder diese verflixte Prozedur mit der Mähne!


BRIGITTE EYB

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WEILHEIM Hallo, zuerst will ich mich mal vorstellen: mein Name ist Schnick-Schnack. Ich bin ein zwölfjähriges Springpferd, ein brauner Wallach leider. Heute muss ich früh aufstehen, ich habe nicht mal richtig Zeit, in Ruhe zu frühstücken. Wir müssen früh losfahren, damit wir rechtzeitig in Weilheim starten können.

Also rauf auf den Lkw und ab auf die Autobahn. Die Versorgungslage unterwegs ist gut Heu in Hülle und Fülle. Aber diese elende Schaukelei, die kann einem schon manchmal auf die Nerven gehen. Ich bin froh, als wir in Weilheim ankommen und sie mich ins Stallzelt führen, zehnte Box links im dritten Zelt mit herrlichem Ausblick auf das Bürrle. Erst mal begrüße ich meine Boxennachbarin, eine elegante Schimmelstute, Dressurpferd, ein wenig zickig, aber das bekommen wir sicher noch in den Griff.

Lange Zeit zum Flirten habe ich leider nicht, denn meine Pflegerin kommt schon, um mich für die erste Springprüfung vorzubereiten. Jetzt beginnt wieder diese üble Prozedur mit der Mähne: Einflechten, das zieht immer so und außerdem muss man ewig lange stillstehen und das trotz der Fliegen. Dann putzen, Hufe kratzen, Sattel und Trense drauf und dann ab Richtung Turnierplatz. Mein Reiter ist bereits unterwegs, zu Fuß, denn er schaut schon mal, wo's nachher im Parcours langgeht.

Dann sitzt er auf, oder besser gesagt, meine Pflegerin hebt ihn hoch. In der Abreitehalle machen wir zuerst ein paar Probesprünge zum Aufwärmen und dann wird es ernst, auf geht's in Richtung Turnierplatz! Das sind mal richtig schöne Sprünge hier in Weilheim, so bunt und viele dekorative Pflanzen, die ich leider nicht fressen darf. Jetzt klingelt die Glocke und ich galoppiere los. Am roten Steilsprung wird es ein bisschen eng, da fällt leider eine Stange, obwohl ich nur ganz leicht mit dem Vorderbein touchiert habe.

Aber das macht hoffentlich nichts, schließlich gehe ich an diesem Wochenende ja noch dreimal an den Start und habe noch ein paar Chancen. Jetzt kommt der gemütliche Teil: Zuerst ausgiebig duschen und dann werde ich noch mal ausführlich gebürstet und bekomme einen halben Eimer Karotten. Dann habe ich endlich wieder Zeit, mich um meine neue Nachbarin zu kümmern. Gegen acht kehrt im Stallzelt Ruhe ein. Eigentlich haben wir morgen früh um neun Uhr unseren nächsten Start.

Aber mein Reiter hat etwas von einer Party mit Pilsbar im Festzelt erzählt. Mal sehen, ob er dann so früh am Morgen wieder fit ist . . . Vielleicht sehen wir uns ja nächstes Jahr auf dem Weilheimer Turnier, dann erzähle ich Ihnen, ob aus mir und der Schimmelstute was geworden ist.