Lokales

Schüler üben sich in nüchternem Argumentieren

Da könnten sich Teilnehmer von mancher Talkshow eine Scheibe abschneiden: Sachlich tauschten die Debattanten des Schulverbundwettbewerbs "Jugend debattiert" an der Kirchheimer Teck-Realschule Argumente aus und versuchten auch, Kompromisse einzugehen.

ANKE KIRSAMMER

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KIRCHHEIM 28 Schüler der Klassenstufe neun von Kirchheimer Freihof-Realschule, Teck-Realschule, Friedrich-Schiller-Schule Neuhausen und Nürtinger Hölderlin-Gymnasium hatten sich bereits in den Qualifikationsrunden am Morgen die Köpfe heißgeredet, um ins Finale am Nachmittag einzuziehen. "Soll Religionsunterricht nur außerhalb der Schule erteilt werden?" Das Für und Wider dieser Frage galt es abzuwägen. Marina Bauer vom Hölderlin-Gymnasium und Adnan Fetic von der Teck-Realschule votierten klar dafür und führten Argumente wie die Religionsfreiheit und den ohnehin schon überfrachteten Stundenplan ins Feld. Tamara Meyer, Schülerin an der Freihof-Realschule und Michael Elst aus Neuhausen verwiesen dagegen auf die Landesverfassung und Aspekte wie Chancengleichheit und Allgemeinbildung.

Die Jury war sich einig: "Das war ein verdammt schwieriges Thema." Trotzdem hätten die Schüler eine Menge Argumente gebracht. "Gefragt sind Sachkenntnis, Ausdrucksvermögen, Gesprächsfähigkeit und Überzeugungskraft", erklärte Bärbel Kehl-Maurer, Konrektorin an der Teck-Realschule und treibende Kraft in Sachen "Jugend debattiert" in Kirchheim. Mit ihrem Wechsel von der Freihof- an die Teck-Realschule hat Letztere in diesem Jahr die Funktion der koordinierenden Netzwerkschule für den Wettbewerb im Schulverbund Kirchheim übernommen. Der Bundeswettbewerb, an dem insgesamt rund 40 000 Schüler teilnehmen, ist ein Projekt verschiedener Stiftungen, der Kultusministerkonferenz sowie der Kultusministerien der Länder.

Der 15-jährige Adnan Fetic aus Dettingen konnte das Schiedsgericht unter anderem mit seiner Fähigkeit zuzuhören und auf andere einzugehen, überzeugen, und erklomm deshalb das Siegerpodest. Auf dem zweiten Platz landete Marina Bauer, die eine gute Beteiligung an der Diskussion bescheinigt bekam.

In der Altersstufe II, Schüler aus den Jahrgangsstufen 11 bis 13, waren mangels Konkurrenz Pennäler des Nürtinger Hölderlin-Gymnasiums unter sich. Das Högy hatte die vier Schüler Robin Tech, Clemens Willeke, Xenia Bauer sowie Thomas Walter ins Rennen geschickt. Sie setzten sich auf dem Podium mit der Frage "Soll in Deutschland eine Autobahngebühr auch für Pkw eingeführt werden?" auseinander. Weil die Pro-Seite mit Clemens Willeke und Robin Tech die Diskussion mit einem Plädoyer für eine Vignetten-Lösung von Beginn an stark einschränkte, hatte es die Gegenseite nicht leicht, ihre Argumente zu entwickeln, die sich auch gegen eine kilometerabhängige Variante richteten. Das sah zwar auch die Jury so. Dennoch hievte sie die beiden Verfechter einer Maut aufs Siegertreppchen. Robin Tech aus der 13. Klassenstufe und der Elftklässler Clemens Willeke belegten die Plätze eins und zwei, insbesondere weil sie Sachkenntnis bewiesen und gute Argumente angeführt hatten.

Kirchheims Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker, Schirmherrin der Veranstaltung in der Teckstadt, übernahm die Siegerehrung. Sie lobte den Wettbewerb. "Hier kann man demokratisches Verhalten einüben und sehen welche Rolle die Sprache spielt."

Die beiden Erst- und Zweitplatzierten dürfen sich nun auf Einladung der Bundestagsabgeordneten Rainer Arnold (SPD) und Michael Hennrich (CDU) auf eine Berlin-Reise freuen. Vom 20. bis zum 22. Februar werden sie im Rahmen eines Seminars in Donaueschingen auf den Landeswettbewerb vorbereitet.