Lokales

Schützen durch Nützen: Schafe als Landschaftspfleger

Die Schwäbische Alb verdankt ihr heutiges Gesicht zu großen Teilen den Schafen. Wacholderheiden mit Silberdisteln oder Küchenschellen wären ohne die hungrigen Tiere nicht entstanden. Doch der Ertrag für landwirtschaftliche Produkte ist gering. Immer mehr rücken die Landwirte daher als Landschaftspfleger in den Vorgergrund.

RÖMERSTEIN Auf drei Einwohner kommen vier Schafe. Mit 5324 Tieren ist Römerstein angeblich die Schaf reichste Gemeinde in Deutschland und, so vermutet Bürgermeister Michael Donth, landesweit vermutlich der höchstgelegene Schäferei-Standort. Immerhin, von 28 landwirtschaftlichen Vollerwerbsbetrieben halten zehn Schafe. Reich werden sie damit nicht, die Schäfer, doch inzwischen können sie wieder von ihren Produkten leben. "Ohne öffentliche Unterstützung gebe es uns heute aber nicht mehr", sagte gestern im Beisein von Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch der Vorsitzende der 1985 gegründeten baden-württembergischen Lammfleisch-Erzeugergemeinschaft, der Römersteiner Gerhard Armbruster.

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Treffpunkt ist der Schafstall von Fritz Dangel in Donnstetten. 1999 ausgesiedelt, hält Dangel heute 959 Mutterschafe der Rasse Merinoland. Die Staatssekretärin Gurr-Hirsch und der CDU-Landtagsabgeordnete Karl Wilhelm Röhm sind im Gespräch mit Schafhaltern, mit dabei auch der Dehoga-Vorsitzende Peter Schmid aus Bad Urach, als "Schmeck den Süden"-Wirt regionalen Produkten verpflichtet und bekennender Lamm-Freund, dem anschließend im Donnstetter Sportheim die Aufgabe oblag, die Staatssekretärin von der Qualität des Württemberger Lamms zu überzeugen. Das ist nun offenbar gelungen.

Schafe liefern nicht nur Fleisch und Wolle, Schafe sind auch Landschaftspfleger wie die meisten landwirtschaftlichen Betriebe im Land. Das, so die Staatssekretärin, müsse immer wieder deutlich gemacht werden. Die Landschaft als Erholungsraum, so wie die Städter sie mögen, sei nicht zum Nulltarif zu haben.

Das Land Baden-Württemberg zahle deshalb im Rahmen des Agrar-Umweltprogrammes die höchsten Sätze in Deutschland pro gepflegten Hektar Lands. Auch Programme wie "Plenum" oder "Regionen aktiv" machten dies unter dem Motto "Schützen durch Nützen" deutlich. Doch das reiche nicht aus. Die Menschen müssten bereit sein, für regionale Produkte etwas mehr zu zahlen. "Leider ist das meist nicht der Fall", sagte Gurr-Hirsch.

Unter dem Slogan "Tradition, Qualität, Vielfalt Die Herkunft macht den Unterschied" vermarktet die 120 Mitglieder zählende Erzeugergemeinschaft ihre Produkte. "Doch von alleine verkauft sich Lammfleisch nicht", sagte deren Vorsitzender Gerhard Armbruster. Das meiste gehe über den Tresen einer Supermarktkette, die auch in ihrer Kundenzeitschrift für Lammfleisch aus heimischer Produktion werbe. Das zeige durchaus Wirkung.

Laut Armbruster sollte aber noch eine Steigerung drin sein. In den vergangenen Jahren zumindest sei der Verzehr von württembergischen Lammfleisch zwar gering aber immerhin kontinuierlich gestiegen.

tof