Lokales

Schuhputzmittel und Traumfänger

KIRCHHEIM Montag morgen, 7.45 Uhr: Marktmeister Jürgen Kölle trifft sich mit allen vorerst abgewiesenen Händlern vor dem Rathaus.

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KATHRIN WALDOW

27 Händler wird er heute noch in der Kirchheimer Innenstadt auf den letzten Drücker unterbringen müssen. Wer von der Stadt Kirchheim im Vorfeld eine Absage für den Gallusmarkt bekommen hat, dem winken vor Ort dennoch gute Chancen auf ein nettes Verkaufsplätzchen. Um 8. 30 Uhr hat Jürgen Kölle dann tatsächlich alle Händler untergebracht. "Jetzt ist alles voll, ich habe alle Plätze vergeben."

200 Marktleute an der Zahl sind es, die ihre Waren an den Mann beziehungsweise die (Haus-)Frau bringen wollen. Um 9 Uhr ist dann auch der erste Ansturm auf die Verkaufsbuden zu verzeichnen. Langsam wird es eng in der Fußgängerzone zwischen den vielen Ständen. Da wird gebummelt, getratscht, gegrüßt und, wenn dann das passendes Stück im Angebot ist, natürlich auch gekauft.

"Aber allein ums Kaufen geht es vielen gar nicht," meint eine Passantin. Sie kommt jedesmal auf den Markt, egal ob ganztägiger Markt oder Monatsmarkt ist. Nach einer Stunde sei sie durch und habe dann das ein oder andere Stück im Korb, erzählt sie gutgelaunt.

Neben den nun in rauhen Mengen erhältlichen Winterwaren wie Mützen, Handschuhen, langer Unterwäsche und Wollsocken sind auch wieder die üblichen Haushaltswaren erhältlich. Da gibt es Besen, Bürsten, Pfannen, Küchenhobel, Körbe, Schuhputzmittel, Tischdecken, und nicht zu vergessen, das große Textilangebot für Jung und Alt. Ob Babystrampler, Anorak oder Pullover Kleidung ist nach wie vor ein gutes Zugpferd für den Krämermarkt. Auch nicht ganz so alltägliche Artikel wie Kalkmuscheln und Traumfänger finden ihre Abnehmer.

Dabei lockt wieder der Duft von gebrannten Mandeln und anderen kulinarischen Leckerbissen Kunden von nah und fern. Von Raclettebrötchen, Flammkuchen, über die Rote vom Grill, zu den typischen Marktsüßigkeiten wie schokoladenüberzogene Früchte, Crêpes, Magenbrot und verschiedene Bonbons ist alles zu haben.

Für Kunden und Händler ist der Gallusmarkt etwas besonderes. Da er ganztägig stattfindet, erhoffen sie sich einen deutlich höheren Umsatz, als an einem normalen Monatsmarkttag. "Wenn der Markt den ganzen Tag geht, kommen auch viele Leute von weit her, wie zum Beispiel von der Alb oder aus Nürtingen", erzählt Socken-Händler Christ. "So ein Markt gehört ja auch zur Kultur, aber die Tradition ist halt schon veraltet und die Leute kaufen nicht mehr so viel wie früher", weiß er zu beklagen. Pfannenhändler Angeletti aus Balingen dagegen freut sich über das Vertrauen, das ihm die Kirchheimer entgegenbringen. Seit 35 Jahren kommt er nun schon regelmäßig in die Stadt unter der Teck.

Rückgang ist vor allem beim Landwirtschaftlichen Zubehörmarkt auf dem Ziegelwasen zu verzeichnen. Von Andrang kann hier keine Rede sein. Zwei Händler bieten unter anderem Kuhglocken und Viehgeschirr feil. "Wir bleiben nicht den ganzen Tag, um 12 Uhr bauen wir hier wieder ab." Doch Stammkunden kommen nach wie vor auch auf den Viehmarkt.