Lokales

Schulbauten als stetige Wirtschaftsförderung

Wenn am Montag das neue Schuljahr beginnt, füllen sich die Schulen im Land wieder mit Leben. An den meisten Kirchheimer Schulen dagegen ging es auch während der Sommerferien mehr als lebhaft zu: Fast überall standen Sanierungs- und Umbaumaßnahmen an.

ANDREAS VOLZKIRCHHEIM Von einem ganzen "Stau" an Hochbaumaßnahmen, den es abzuarbeiten gelte, sprach Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker während einer Presseinformation zum Thema "Ausbau der Kirchheimer Schulen". Für einen Teil dieser Maßnahmen seien jetzt die Sommerferien genutzt worden. Aber auch in den kommenden Jahren werde die Arbeit an den Schulgebäuden nicht ausgehen. Es gehe darum, den Schulstandort Kirchheim weiter auszubauen, was für Angelika Matt-Heidecker eine "zukunftsgerichtete Aufgabe" darstellt.

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Die umfangreichsten Um- und Ausbauten dieses Sommers haben die Konrad-Widerholt- und die Alleenschule betroffen, wo mit Schuljahresbeginn jeweils der Einstieg in die Ganztagsbetreuung an den Grundschulen ansteht. "Kleinere" Baumaßnahmen gab es auch am Schlossgymnasium, an der Freihof-Grundschule sowie an der Raunerschule. Die Gesamtsumme, die Kirchheim in der Sommerpause in die Schulen investiert hat, bezifferte Bürgermeister Günter Riemer auf 1,7 Millionen Euro. Die Bundeszuschüsse aus IZBB-Mitteln für die beiden Ganztagsschulmaßnahmen belaufen sich dabei auf etwas mehr als eine Million Euro.

Bis auf wenige Ausnahmen seien die Aufträge an örtliche und regionale Unternehmen vergeben worden, betont Günter Riemer, der darin auch einen wichtigen "Faktor der regionalen Wirtschaftsförderung" sieht. Der Bürgermeister war beim Pressegespräch sehr zufrieden mit dem Stand der Arbeiten und zeigte sich zuversichtlich, dass die einzelnen Um- und Anbauten den jeweiligen Schulen mit Schuljahresbeginn auch zur Nutzung übergeben werden können.

Wolfgang Zimmer, Architekt und Leiter des Amts für Hochbau und Gebäudemanagement, erläuterte Details zu den jeweiligen Baumaßnahmen. An der Konrad-Widerholt-Schule hätten die Rohbauarbeiten begonnen. Weil die Ganztagsbetreuung dort erst mit einer Erprobungsphase bei einer neuen ersten Klasse beginnt, bleibt noch ein ganzes Schuljahr Zeit, um die Mensa zum Aufwärmen von angeliefertem Essen fertigzustellen. 80 Sitzplätze soll diese Mensa bieten. Der Um- und Anbau an der KW-Schule stellt die umfangreichste Baumaßnahme in diesem Sommer dar. So entstehen auch zusätzliche Betreuungs-, Arbeits-, Bewegungs- und Aufenthaltsräume.

An der Alleenschule dagegen waren die Räume für die Ganztagsbetreuung an der Grundschule aus dem Bestand des Altbaus heraus zu schaffen. Hinzu kam die Sanierung der Elektroinstallationen, was außerdem Maler- und Gipserarbeiten nach sich zog. Wolfgang Zimmer zufolge kann die Alleenschule jetzt im Inneren mit einem "runderneuerten Charakter" aufwarten. Im übernächsten Schuljahr stehe dann eine umfassende Außensanierung an der Alleenschule an, sodass sich der Altbau 2009 zur Feier des hundertjährigen Bestehens in vollem Glanz präsentieren kann. Dazu sollen auch die früheren Jugendstil-Sgraffitos unterhalb der Dachtraufe beitragen, die bis jetzt noch eingemauert sind. Die Stadt und der ehemalige Rektor Horst Müller sind derzeit noch auf der Suche nach Sponsoren, um diese Kunstwerke wieder ans Tageslicht holen zu können. Die Gelegenheit dazu wäre einmalig, betont Wolfgang Zimmer, weil das Gebäude zur Fassadensanierung ohnehin komplett eingerüstet werden m

uss.

In der Sporthalle Stadtmitte wurden und werden die letzten Reste des Wasserschadens vom Jahresanfang beseitigt. "Die meisten Kosten übernimmt die Versicherung, ein Teil davon wird bei uns hängen bleiben", sagte Hochbauamtsleiter Zimmer beim Pressegespräch. In den Herbstferien soll die Sporthalle Stadtmitte außerdem eine "automatisch regelnde tageslichtabhängige Steuerung" für die Beleuchtung erhalten. Ziel dieser Maßnahme ist die Energieeinsparung.

Letzteres ist auch die Absicht, die hinter den Sanierungsmaßnahmen an der Freihof-Grundschule und an der Raunerschule stecken. Im Freihof wurde die Elektroinstallation saniert, hinzu kamen energiesparende Vorschaltgeräte und neue Leuchtmittel. An der Raunerschule wurde zunächst das Blechdach an Hausmeisterwohnung und Rektorat ersetzt und mit einer verbesserten Wärmedämmung versehen. Auch an der Raunerschule ist in absehbarer Zeit die Außenfassade zu sanieren. Wolfgang Zimmer bezeichnete diese Schule als ein "Sorgenkind". Sie habe den höchsten Energieverbrauch von allen Kirchheimer Schulen, denn "in den 50er-Jahren hat das Thema Energie noch keine Berücksichtigung gefunden".

Am Schlossgymnasium ist in den Sommerferien das Rektorat umgebaut, saniert und neu möbliert worden. Außerdem darf sich ein Teil der Schülerinnen und Schüler auf den täglichen Schulweg freuen: Bürgermeister Riemer verwies darauf, dass der Radweg zwischen Ziegelwasen und Schlossgymnasium einen neuen Belag und "eine kleine Verbesserung der Linienführung" aufweist.

An den übrigen Kirchheimer Schulen sind in nächster Zeit ebenfalls Energiesparmaßnahmen vorgesehen, um den steigenden Energiepreisen möglichst kostenneutral entgegenwirken zu können. Für das Ludwig-Uhland-Gymnasium sprach Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker zudem die Notwendigkeit an, das Lehrerzimmer zu erweitern.

Die umfangreichste Schulbaumaßnahme der kommenden Jahre ist allerdings der Neubau der Freihof-Realschule. Der Architektenwettbewerb ist im ersten Schritt bereits ausgeschrieben. Zum Schuljahresende 2006/2007 sollen dann 16 Klassenzimmer in Container ausgelagert werden. "Die Erfahrung mit den Containern am Ludwig-Uhland-Gymnasium ist positiv", stellte Angelika Matt-Heidecker fest und fügte hinzu: "Vielleicht sind sie an der Freihof-Realschule sogar ein Vorteil gegenüber den jetzigen Klassenzimmern."