Lokales

Schulden ohne Ende

Beratungsstellen im Landkreis setzen Freiwillige ein – Zahl der Neuanfragen steigt weiter an

In den Schuldnerberatungsstellen des Landkreises arbeiten immer mehr Freiwillige. Sie übernehmen Aufgaben, für die die Hauptamtlichen keine Zeit haben. Dennoch müssen Verschuldete im Schnitt zwölf Monate auf einen Termin warten. Und wer im kommenden Jahr die Schulungen der Volunteers bezahlen soll, ist völlig offen.

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Antje Dörr

Kreis Esslingen. Wenn Menschen sich verschulden, ist das in aller Regel nicht ihr einziges Problem. Arbeitslosigkeit oder eine gescheiterte Ehe rauben den Verschuldeten die Energie, die sie eigentlich bräuchten, um ihr Leben wieder in geordnete Bahnen zu lenken. Hinzu kommen häufig Krankheiten oder psychische Probleme. „Wir kümmern uns nicht nur um Schulden, sondern auch um persönliche Probleme“, erklärte der Filderstädter Schuldnerberater Dr. Hubert Bauknecht im Sozialausschuss des Kreistags. So weit das Selbstverständnis der Beratungsstellen. Gäbe es jedoch die Volunteers nicht, würde dieser Anspruch wohl häufig an der Wirklichkeit scheitern. Hausbesuche, Begleitung bei Behördenterminen, Unterstützung bei der Eröffnung eines neuen Girokontos – die Freiwilligen übernehmen Aufgaben, die die Hauptamtlichen aus Zeitgründen nicht erfüllen können.

Seit acht Jahren setzen die Schuldnerberatungen im Landkreis Freiwillige ein. Mittlerweile sind es 29 Ehrenamtliche, die sich in ihrer Freizeit um Verschuldete kümmern. Je nach Zeit und Erfahrung erstellen sie mit den Klienten Haushaltspläne, verhandeln mit Gläubigern oder unterstützen sie bei der Suche nach einem Arbeitsplatz. Ihr Engagement beschränkt sich jedoch auf den außergerichtlichen Bereich. Viele Volunteers sind Ruheständler, die früher in Banken tätig waren. Sie erhalten einführende Schulungen und werden ständig fortgebildet. Koordiniert wird der Einsatz der Volunteers von den elf hauptamtlichen Schuldnerberatern im Landkreis. „Das bindet natürlich sehr viel Zeit“, sagte Hubert Bauknecht.

Auf die langen Wartezeiten in den Schuldnerberatungsstellen wirkt sich der Einsatz der Freiwilligen jedoch nicht aus. „Sie übernehmen ja ausschließlich ergänzende Arbeiten“, machte Hubert Bauknecht deutlich. Verschuldete im Landkreis Esslingen müssen im Schnitt elf bis zwölf Monate auf den Beginn ihrer Beratung warten. Wer allerdings ein akutes Problem hat, bekommt unter Umständen spontan einen Termin oder kann sich telefonisch beraten lassen. Die Neuanfragen nehmen trotz eines leichten Rückgangs der Verschuldeten ständig zu. Die höhere Zahl der Arbeitslosen in Folge der Wirtschaftskrise hat sich bisher noch nicht auf die Zahl der Überschuldeten ausgewirkt. Erfahrungsgemäß dauere das etwa ein bis anderthalb Jahre, so Hubert Bauknecht.

„Der Einsatz der Volunteers bringt ganz klar eine Verbesserung der Qualität“, sagte Landrat Heinz Eininger, wies allerdings im nächsten Atemzug darauf hin, dass die Arbeit der Freiwilligen im kommenden Jahr auf eine neue finanzielle Basis gestellt werden muss. Denn die in Form einer Spende geleistete Anschubfinanzierung, mit der die Schulung der Ehrenamtlichen bezahlt worden war, endet in diesem Jahr. Der Landkreis hat in den Jahren 2008 bis 2010 für die Schuldnerberatungen jährlich 60 000 Euro mehr zu Verfügung gestellt. Ob das angesichts der prekären finanziellen Lage des Kreises auch 2011 möglich sein wird, ließ der Landrat offen. Hubert Bauknecht machte als Sprecher der fünf Beratungsstellen im Landkreis klar, dass die Zusammenarbeit mit den Freiwilligen nur dann weiter funktionieren kann, wenn den Hauptamtlichen genügend Zeit bleibe, sich um die notwendige Anleitung und Fortbildung zu kümmern. Das sei zumindest bis Ende 2010 über die Aufstockung der Arbeitszeit der Hauptamtlichen gewährleistet. Würde diese Aufstockung jedoch zurückgefahren, müsste auch die Zahl der Freiwilligen reduziert werden.

Die Schuldnerberatung der Diakonischen Bezirksstelle in Kirchheim ist telefonisch unter der Rufnummer 0 70 21/9 20 92-0 erreichbar. Weitere Informationen gibt es online unter www.kreisdiakonie-esslingen.de.