Lokales

Schule ist nicht mehr „out of area“

Offene Jugendarbeit kooperiert mit Schule – KJR-Bericht am Beispiel des Jugendhauses Lenningen

Ein „weiter so“ in der Kooperation Jugendarbeit – Schule hat der Jugendhilfeausschuss des Kreistags in seiner jüngsten Sitzung Kurt Spätling, dem Geschäftsführer des Kreisjugendrings (KJR) Esslingen, mit auf den Weg gegeben. Spätling hat zuvor am Beispiel des Lenninger Jugendhauses die Veränderungen in der offenen Jugendarbeit aufgezeigt.

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richard umstadt

Esslingen. „Panta rhei – Alles fließt“ wusste bereits Heraklit. Doch hatte der griechische Philosoph ganz sicher nicht den Wandel in der offenen Jugendarbeit im Blick. Denn die gab es damals, zur vorchristlichen Zeit, ebenso wenig wie Brucken oder Unterlenningen. Anhand der Geschichte des Lenninger Jugendhauses zeigte KJR-Geschäftsführer Kurt Spätling nicht nur die sich verändernde Konzeption der Jugendarbeit auf, sondern auch deren Problematik. Anfang der 80er-Jahre stellte die Gemeinde Lenningen den rund 50 Jugendlichen der Interessengemeinschaft Jugendhaus die renovierte alte Molke an der Hauptstraße zur Verfügung unter der Vorgabe, sich am Umbau tatkräftig zu beteiligen. Im Laufe ihrer fast 20-jährigen Geschichte stand die „Alte Molke“ zweimal vor dem „Aus“, weil sich Anwohner über Nachruhestörungen beklagten. Im Sommer 1996 machte die Gemeinde das Jugendhaus dicht, weil die Kripo wegen Drogenkonsums ermittelte. Wie sollte es mit der Jugendarbeit im Tal weitergehen? Ein Konzept und geeignete Räume fehlten.

Im Februar 1997 rückte eine Lösung in greifbare Nähe. Im Alten Rathaus zu Brucken erhielt die offene Jugendarbeit nicht nur ein neues Domizil, sondern mit Peter Fischer erstmals auch einen Jugendtreffleiter. Sein erstes Ziel, Jugendliche zur Mitarbeit zu bewegen, glückte. Rund 20 Jugendliche griffen zu Kelle und Mörtel und brachten ihren Jugendraum auf Vordermann. „Der Kollege ging bilderbuchmäßig vor“, bescheinigte der KJR-Geschäftsführer Peter Fischer, gute Arbeit geleistet zu haben. Im Jugendtreff stand ein Billardtisch, zwei Tischfußballspiele und eine Electonic-Darts-Scheibe. Im Keller gab es eine kleine Holzwerkstatt und ein Fotolabor. Jeden Dienstag kochte der Chef persönlich das Mittagessen. Doch sowohl Jugendtreffleitung als auch die hauptsächlich türkischstämmigen Jugendlichen hatten die Rechnung ohne die Anlieger gemacht. Deren Klagen über nächtliche Ruhestörung mündeten schließlich in einer Sammelklage. Im Spätsommer 2005 wurde der Betrieb geschlossen.

„Das Jugendhaus in Brucken ist kein Erfolgsmodell“, bedauerte damals Lenningens Bürgermeister Michael Schlecht. Das stellte auch der Kreisjugendring fest. Andere Formen und Konzepte, soziale Kompetenzen, gesellschaftliche Kontakte und Bildung zu vermitteln waren gefragt. Vor allem solche, die das Problem der Zielgruppenverengung lösten. „Da bot die Ganztagsschule am Bildungszentrum Lenningen eine völlig neue Perspektive für die offene Jugendarbeit“, erinnerte sich Kurt Spätling. „Hier können wir fast alle Jugendlichen erreichen“, wies der Geschäftsführer auf den Vorteil des Schulzentrums in der Gemeinde mit den sieben Ortsteilen hin.

Inzwischen betreut der Kreisjugendring Förder-, Haupt- und Realschüler während der Mittagszeit im Ganztagsbereich und macht Angebote wie eine Schauspiel-Sketch-AG, eine Selbstverteidigungs-AG, eine Hip-Hop-AG, eine digitale Foto-AG und andere. Am Montag wird im Ausschuss Bildung, Betreuung und Jugend des Lenninger Gemeinderats das Konzept der offenen Jugendarbeit vorgestellt und die ehemalige Hausmeisterwohnung auf dem Schulgelände als Jugendtreff nachgefragt. Darüber werden die Lenninger Bürgervertreter in einer ihrer nächsten Sitzungen beraten.

Trotz des Gegensatzes sollten sich Schule und Jugendarbeit auf einen fruchtbaren Dialog einlassen, meinte Kurt Spätling und berichtete von einer vertrauensvollen Zusammenarbeit. Eine solche Kooperation wurde auch in der Vereinbarung zwischen Landkreis und Kreisjugendring für die Jahre 2010 bis 2012 festgeschrieben. Allerdings sieht die Vereinbarung vor, dass die Jugendarbeit innerhalb des Schulkontextes nicht höher als 50 Prozent sein darf.

Georg Zwingmann, Kreisrat der Grünen aus Lenningen, relativierte Spätlings düstere Jugendhausstory: „Es gab auch positive Stimmen in der Gemeinde.“ Dennoch freute er sich über die aktuelle Entwicklung. „Von mir bekommen Sie alle Unterstützung.“ Freilich seien Kooperationen nicht per se gut. Sie müssten sich auch lohnen. „Zielvereinbarungen sind deshalb sinnvoll.“ Auch Ursula Merkle, CDU, und Frank Buß, Freie Wähler, sahen den KJR auf dem richtigen Weg. „Wir können mit einem vernünftigen Mitteleinsatz viel erreichen. Schule ist jetzt für offene Jugendarbeit nicht mehr out of area.“ Peter Lohse vom Paritätischen Wohlfahrtsverband wollte wissen, was denn im Freizeitbereich nach acht Stunden Schule geschehe und regte dazu einen Bericht des KJR an.