Lokales

Schule und Partner auf dem Weg zum Bildungspakt

Was sich früher wie Feuer und Wasser verhielt, strebt nun vor dem Hintergrund der Ganztagesbetreuung eine "Ehe" an: Offene Jugendarbeit und Schule wollen kooperieren.

RICHARD UMSTADT

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ESSLINGEN Das Thema erhielt durch die neuen Bildungspläne für die Haupt- und Werkrealschulen im vergangenen Jahr und die Diskussion um die Ganztagesschulen eine neue Aktualität. "Bildung und Erziehung greifen ineinander", wusste Elisabeth Yupanqui Werner, stellvertretende Geschäftsführerin des Kreisjugendrings KJR Esslingen, und verwies im Jugendhilfeausschuss des Kreistags auf den 12. Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung mit dem Titel "Bildung, Betreuung und Erziehung vor und neben der Schule". Dort steht unter anderem, dass Familie und Schule zur Sicherung ihrer eigenen Erziehungs- und Bildungsziele zwingend auf die Unterstützung durch außerfamiliäre und außerschulische Instanzen angewiesen seien. Der Kreisjugendring erkannte dies, die Zahl der gemeinsamen Projekte zwischen Schulen und Jugendhäusern nahmen zu. Im Juli dieses Jahres kooperierten im Landkreis Esslingen 26 von 32 und damit über 80 Prozent der KJR-Einrichtungen im Rahmen von Tages-, Wochen- sowie Halb- und Ganzjahresangeboten mit allen Schulformen und Klassenstufen. Dabei überwiegt mit insgesamt 74 Kooperationsangeboten die Zusammenarbeit mit Hauptschulen. So gibt es vom Jugendhaus Linde in Kirchheim Schüler-Multiplikatoren-Seminare im Bereich der Suchtprävention, ein erlebnispädagogisches Projekt sowie Jugendtheaterwochen. Das Jugendhaus Weilheim bietet für alle Klassen der Haupt- und Realschule Weilheim einen Mittagstisch an und das Jugendhaus Lenningen startete ein Zirkusprojekt im Schulzentrum. Das Jugendhaus Kiwi Wernau stellt Räume für Klassenpartys, Faschingsdiscos und Projekttage der Schlossgartenschule zur Verfügung. Auch hier gibt es einen Mittagstisch und verschiedene, erlebnispädagogische Projekte, um nur einige Beispiele zu nennen.

Bleibt einerseits die Zusammenarbeit auf die jeweiligen Schulen und Jugendhäuser beschränkt, sind andererseits aber auch Eltern, Vereine, Verbände, lokale Agendagruppen und Stadtteiltreffs aktiv, wie etwa das KiZ in Kirchheim oder der Jugendtreff Rossdorf in Nürtingen oder der "Schmelztiegel" in Köngen.

Wie Elisabeth Yupanqui Werner sagte, sehen die Kooperationen vor Ort recht unterschiedlich aus und richten sich nach den Möglichkeiten und Erfordernissen. Insgesamt geht es dem Kreisjugendring darum, für alle beteiligten Akteure eine "win-win-Situation" zu schaffen, von der alle, besonders aber die Kinder und Jugendlichen im Kreis Esslingen, profitieren.

Kooperationen zwischen Offener Jugendarbeit und Schule sind so neu nicht. Jetzt gilt es jedoch Yupanqui Werner zufolge, die Zusammenarbeit aufgrund der Veränderungen in der Offenen Jugendarbeit und den Entwicklungen bei der Ganztagesschulbetreuung neu zu definieren. Dabei geht es darum, dass beide "Eheleute" voneinander profitieren und nicht in Konkurrenz zueinander treten. "Die Schule hat begriffen, dass sie Partner braucht," gestand der Vertreter des Schulamts, Maurer. Im Februar soll deshalb an der Fachhochschule für Sozialwesen Esslingen ein Seminar über die Bühne gehen mit dem Titel "Schule und Partner auf dem Weg zu einem Bildungspakt".

Die Kreisverwaltung schlug daher vor, eine Arbeitsgruppe zu bilden, bestehend aus Jugendhilfeplanung, Amt für soziale Dienste und psychologische Beratung, Jugendamt, Kreisjugendring und Schule, die bis Ende Juni 2006 ein Konzept erarbeitet, wie eine wirkungsvolle Kooperation im Landkreis aussehen könnte. Aus den Reihen des Jugendhilfeausschusses des Kreistags griff die Verwaltung noch den Wunsch auf, Erziehungshilfeträger, jugendhausähnliche Einrichtungen und Vertreter der kommunalen Schulträger in den Ausschuss mit aufzunehmen.

Der Jugendhilfeausschuss folgte dem Vorschlag der Kreisverwaltung und empfand es als richtig, "die Ressourcen zusammenzuführen".

Dr. Werner Baur warnte allerdings vor "singulären Angeboten, die alle zehn Jahre einmal stattfinden." Sein Appell ans Gremium: "Was wir brauchen, sind verlässliche, stetige Kooperationsangebote."