Lokales

Schulen in Ecuador: Ohne Beharrlichkeit keine Chance

Im Gemeindehaus Sankt Ulrich fand auf Einladung des Vereins "Hilfe für Guasmo" ein Informationsnachmittag statt, mit Verkauf kunsthandwerklicher Erzeugnisse aus Ecuador und einfühlsamer Gitarrenmusik aus Lateinamerika. Im Mittelpunkt stand ein Bericht der Vorsitzenden Ursula Hauser, die kurz zuvor aus Ecuador zurückgekehrt war, wo sie sich ein Bild gemacht hatte vom Funktionieren der Hilfe aus Deutschland.

KIRCHHEIM Was Ursula Hauser berichtete, stand ganz im Zeichen der Menschen, denen sie in Ecuador begegnet war. Man hätte eine Stecknadel fallen hören können, im gut gefüllten Gemeindesaal, als sie in Wort und Bild einige der Menschen vorstellte, deren Fleiß und Unverdrossenheit immer wieder Motivation ist und Mut macht zum Weitermachen im Verein.

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Da sind Gonzalo und Jonny, zwei Lehrer in Guayaquil, beide aufgewachsen in den Elendsvierteln der Hafenstadt, jeder in zwei staatlichen Schulen tätig ein Gehalt reicht nicht aus für die Familie. Zusätzlich unterrichten sie Montag- bis Freitagabends drei Stunden im "Club ISE", einem Ausbildungszentrum von "Hilfe für Guasmo". Samstags und sonntags führen sie das Colegio a distancia "Hermann Hesse", vom Verein getragen und mit staatlich anerkanntem Abschluss. Während der Schulferien machen die beiden Männer vollen Dienst im "Club ISE" und entwickeln Programme für Kinder und Jugendliche, um sie von der Straße zu holen.

Da ist Sor Tomasina in Guayaquil, eine italienische Ordensschwester, vor Ort Motor und "Finanzminister" des Vereins. Seit 12 Jahren hat sie zusammen mit Gonzalo und Jonny sowie Ingrid dem Teufelskreis ohne Geld keine Ausbildung, ohne Ausbildung keine Arbeit, ohne Arbeit kein Geld und damit keine Chance, aus dem Elend herauszukommen den Kampf angesagt.

Da ist die Schülerin Olga. Sie hat gesundheitliche Probleme, hat mehrere Operationen hinter sich. Ihren Stiefvater kümmert das nicht, er zahlt nichts. Dennoch verfolgt sie mit eisernem Willen ihr Ziel, den Schulabschluss zu erreichen.

Da ist Jennifer. Ihre drei jüngeren Geschwister wachsen bei Verwandten auf dem Lande auf. Die Zwölfjährige ist trotz unzumutbarer Lebensumstände bei ihrer Mutter in Guayaquil geblieben, um mit Unterstützung durch "Hilfe für Guasmo" über eine Ausbildung zu einem erträglicheren Leben zu finden. Die beiden Frauen leben in einer Hütte, die neben Hunderten weiterer Elendsbehausungen auf Pfählen im Flussdelta zusammengezimmert ist. Unter den Holzbohlen ihres Fußbodens schwimmen im trägen Wasser die Fäkalien aus dem Slum. Wasser müssen sie weit entfernt an einem Wagen kaufen.

Da sind auch die Menschen im Oriente, der "vergessenen" Region jenseits der Sierra, im Gebiet des Rio Napo, Quellfluss des Amazonas. "Hilfe für Guasmo" unterhält dort Schulen, darunter ein Mädcheninternat in dem kleinen Ort Puerto Napo. Die Familien der Schülerinnen wohnen weit verstreut im Urwald. Viele Mädchen machen sich im Morgengrauen auf den bis zu zweistündigen Weg zur Schule.

Da ist Maria Grefa. Sie ist Lehrerin, eine der Absolventinnen, die von "Hilfe für Guasmo" gefördert wurden. Im Augenblick ist sie arbeitslos. Sie möchte noch ein Studium anhängen, aber sie hat kein Geld. Ursula Hauser hat die Familie in ihrer Hütte aufgesucht; über einen Geröllpfad ging es, über gefällte Bäume und einen Bach mit einem Brett als Brücke. Es ist gelungen, Maria Grefa wieder in einen Vertrag zu bringen. Da sie auch eine Schneiderinnenausbildung gemacht hat, möchte sie neben ihrer Lehrerinnentätigkeit und weiteren Ausbildungsstufen, die sie sich vorgenommen hat, Geld verdienen mit Näharbeiten. Ihr größter Wunsch: eine eigene Nähmaschine. Sie ist als zuverlässig bekannt, deshalb bekommt sie von "Hilfe für Guasmo" einen Kredit über 300 Euro für eine Nähmaschine, den sie abarbeiten wird.

Es gibt dort noch viele lernwillige Jugendliche, die sich mit zähem Eifer auf den mühsamen Weg gemacht haben, wegzukommen aus dem Elend, Ursula Hauser berichtete des Weiteren über die verschiedenen Standorte, an denen der Verein in Ecuador tätig ist, über die Aktivitäten des Vereins im vergangenen Jahr und über organisatorische Maßnahmen zur Verbesserung der Ausbildungssituation der vom Verein geförderten Kinder und Jugendlichen. Sie kündigte an, dass auch im Jahr 2006 wieder eine Stoffsammlung im Raum Kirchheim durchgeführt werden solle, damit das Material für die Schneiderinnenausbildung in den Projekten sichergestellt ist. Der Termin wird in der Tagespresse bekannt gegeben, ebenso Einzelheiten zu zwei Veranstaltungen am 6. und 7. Dezember 2005 in Kirchheim und Köngen mit lateinamerikanischen Märchen und Musikvorträgen.

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