Lokales

Schulen nicht zur Festung machen

Maßnahmen zur Gewalt- und Amokprävention

Der Kultur- und Schulausschuss des Kreistags hat Maßnahmen zur Amok- und Gewaltprävention beschlossen. An Schulen werden Sprachalarmanlagen installiert. Außerdem stellt der Landkreis Schulsozialarbeiter und Jugendberufshelfer ein.

Antje Dörr

Kreis Esslingen. Nach dem Amoklauf in Winnenden im vergangenen Jahr hat sich ein Sonderausschuss des Landtags damit auseinandergesetzt, wie solche Taten in Zukunft verhindert werden können. Das Ergebnis ist ein circa 900 Seiten starker Abschlussbericht, der verschiedene Maßnahmen enthält. Finanziert werden diese mit 16 Millionen Euro, die der Landtag jüngst für die Amokprävention zur Verfügung gestellt hat. Nun ist es an den Kommunen und Landkreisen, konkrete Maßnahmen umzusetzen.

„Die Verwaltung hat sich mit den Empfehlungen des Expertenrats befasst, und zwar gemeinsam mit Schulen, Polizei und Sozialarbeitern“, sagte Landrat Heinz Eininger in der Sitzung des Kultur- und Schulausschusses. Herausgekommen ist ein Paket, das sowohl bauliche Maßnahmen an Schulen als auch die Einstellung weiterer Schulsozialarbeiter enthält. Bereits kurz nach dem Amoklauf wurden die Schulen des Landkreises mit Notfalltelefonen ausgestattet. Nun werden in weiteren Einrichtungen, darunter in der Jakob-Friedrich-Schöllkopf-Schule und der Max-Eyth-Schule in Kirchheim, sogenannte Elektroakustische Anlagen (ELA) installiert oder bestehende Anlagen auf den neuesten Stand gebracht. Damit können Schüler und Lehrer im Ernstfall über Lautsprecher gewarnt werden. Die Maßnahme kostet insgesamt circa 620 000 Euro. Die Verwaltung wird Zuschüsse aus dem 16-Millionen-Paket der Landesregierung beantragen.

Der Ausschuss billigte die Maßnahmen einstimmig. „Wir finden es gut, dass man aus den Schulen keine Festungen macht“, sagte Michael Neumann (SPD). Hundertprozentige Sicherheit gebe es nicht, gab Martin Klein (Freie Wähler) zu bedenken. Dennoch sei es sinnvoll, in Schulsozialarbeit und verbesserte Alarmsysteme zu investieren. Marianne Erd­rich-Sommer (Grüne) lobte die Zusammenarbeit zwischen Landkreis und Schulen. Eine Bemerkung von Egon Eigenthaler (Republikaner) löste allgemeines Kopfschütteln aus. „Muss denn erst etwas passieren, damit gehandelt wird?“, fragte der Kreisrat. Der Landrat bezeichnete diese Aussage als „ungeheuerliche Unterstellung.“

Mit der Einstellung zusätzlicher Jugendberufshelfer und Schulsozialarbeiter setzt der Landkreis eine weitere zentrale Empfehlung des Expertenkreises Amok um. Die beruflichen Schulen des Landkreises bekommen ab Januar 2011 zwei halbe Planstellen für Jugendberufshilfe. Die Rohräckerschule erhält zusätzlich ein halbe Stelle Schulsozialarbeit. Ziel ist es unter anderem, die Schüler bei der Berufsorientierung zu unterstützen, ihre Chancen auf dem Ausbildungsmarkt zu verbessern, Schüler mit Migrationshintergrund besser zu integrieren und Gewaltprävention zu betreiben. „Wir sichern damit die Grundversorgung“, sagte Landrat Heinz Eininger. Zusätzlich sei die Kooperation mit freien Trägern anzustreben. Der Kultur- und Schulausschuss stimmte der Einrichtung der Planstellen für Jugendberufshilfe einstimmig zu. Die halbe Stelle an der Rohräckerschule billigte er bei fünf Gegenstimmen und einer Enthaltung.

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