Lokales

Schulkinder erhalten täglich eine Mahlzeit

Der Kirchheimer Verein Ny Hary zur Förderung der Jugendbildung auf Madagaskar leistet auf der Tropeninsel segensreiche Arbeit. Schulkinder erhalten täglich eine Mahlzeit. Nun will der junge Verein ein Schülerwohnheim bauen.

KLAUS HEIMER

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ANTANANARIVO Mit großen glänzenden Augen sitzen die Kinder an festlich gedeckten Tischen. Der 28-jährige Kirchheimer Stefan Büschelberger, Ehefrau Yvette sowie Frank Bauer und Brigitte Schilling vom Mitte 2004 gegründeten Verein zur Förderung der Jugendbildung auf Madagaskar Ny Hary Deutschland, flitzen zwischen Küche und Speisesaal hin und her. Heute ist der für alle Beteiligten lang ersehnte große Tag in dem Städtchen Miarinarivo, 90 Kilometer westlich der madagassischen Hauptstadt Antananarivo.

Rund 50 Mädchen und Jungen, die umliegende Schulen besuchen und wegen des langen Weges in der Mittagspause nicht nach Hause gehen können, erhalten nun dank der Spenden aus Kirchheim und Umgebung regelmäßig eine abwechslungsreiche gesunde Mahlzeit.

"Wir haben von vielen Lehrern gehört, dass etliche Schüler dem Nachmittagsunterricht infolge Erschöpfung und nicht ausreichender Ernährung nicht mehr folgen können und einfach einschlafen", schildert Stefan Büschelberger die Situation. Viele kommen von weither in die Stadt, um dort die Schule zu besuchen. Sie leben in einfachsten Unterkünften, sind oft auf sich alleine gestellt, müssen selbst kochen, waschen und sich manchmal auch noch um jüngere Geschwister kümmern. Andere stammen aus ärmlichen Verhältnissen, ein Mittagessen ist aus finanziellen Gründen einfach nicht drin. Ananassaft, Karottensalat, Reis, Fleisch und Bohnen ein wahres Festessen für die Schüler am ersten Essensausgabetag.

Stefan Büschelberger, den es 1999 erstmals auf die vor der Südostküste Afrikas gelegene Tropeninsel Madagaskar verschlug, ist seit jeher sozial stark engagiert. Angefangen hat alles mit der Übernahme einer Patenschaft für ein Kind in einem SOS-Kinderdorf. Dort war seine heutige Ehefrau Yvette als Lehrerin tätig. Sie berichtete ihm über die Situation in der Stadt Miarinarivo, in der der jüngere Bruder zur Schule ging. "Wir wollten uns mit dieser Misere nicht einfach abfinden und haben in beiden Ländern einen Verein gegründet, um schnellstmöglich Abhilfe zu schaffen."

Die Arbeit von Ny Hary (bedeutet auf Malagasy "Ernte" oder "Ertrag") ist inzwischen im weiten Umkreis bekannt. Ortsfremde, die gerade die Einrichtung besuchen wollten, fragten einige Kilometer entfernt einen freundlichen Polizisten, der sofort Bescheid wusste und eine genaue Wegbeschreibung geben konnte. Zum ersten Tag im neuen Schuljahr konnten auch Pfarrer Günter Hekler, Vorsitzender des deutsch-madagassischen Vereins Esslingen, und seine Frau Inge sowie Vertreter der Kommunalverwaltung und der örtlichen lutherischen Kirchengemeinde willkommen geheißen werden. Alle würdigten die Arbeit der Eheleute Büschelberger und der beiden Trägervereine.

Der befreundete Esslinger Verein, der in der Hauptstadt Antananarivo seit Jahren ein Ausbildungszentrum für junge Leute unterhält, das 2006 um den Bereich Kfz-Mechanik erweitert wird, stiftete spontan vier Solarkocher und zwei Solaröfen, auf denen mit der kostenlosen Kraft der Sonne Reis für die Kinder gekocht werden kann. Eine umweltfreundliche Alternative zu der sonst üblichen Holzkohle. Sonne ist in diesem Teil der Insel im Überfluss vorhanden.

Günter Hekler will nun mit einer örtlichen Darlehensbank Kontakt aufnehmen und Möglichkeiten der Ratenzahlung beim Kauf eines solchen Kochers für die Bürger ausloten.

Brigitte Schilling und Frank Bauer haben ihren privaten Urlaub geopfert, um Stefan und Yvette Büschelberger, die in den vergangenen Monaten auf einem Privatgrundstück ein Wirtschaftsgebäude und einen Speisesaal errichtet haben, in der Anfangszeit der Ausgabe von Mittagsmahlzeiten zu unterstützen.

Bundespräsident Horst Köhler, der vom 14. bis 17. November in der Heimat von Pfeffer und Vanille erwartet wird, will, so ist zu hören, möglicherweise das nachahmenswerte und von viel Idealismus getragene Projekt in Augenschein nehmen, das auch von der deutschen Botschaft gefördert wird. Es ist kaum vorstellbar, dass man mit nur einem einzigen Euro vier Kindern täglich eine ausgewogene Mahlzeit finanzieren kann, zeigt sich Frank Bauer von der ausgezeichneten Verwendung deutscher Spendengelder beeindruckt.

Wer die Arbeit des jungen Vereins, der nun den Aufbau eines Schülerwohnheimes vorantreiben wird, unterstützen möchte, kann dies gerne tun: Spenden-Kontonummer: 3674323, BLZ: 600 501 01, Landesbank Baden-Württemberg. Jeder Euro ist bestens angelegt und trägt dazu bei, dass Kinder in einem der ärmsten Länder der Erde eine Zukunftschance erhalten.