Lokales

Schul-Mediatoren

Der Kreisjugendring (KJR) geht neue Wege. Seit kurzem ist er Mitglied im Kreisseniorenrat und will mit diesem zusammen ein Projekt auf die Beine stellen: Ehrenamtliche Mediatoren für die Konfliktlösung im Schulalltag gewinnen.

BARBARA GOSSON

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KREIS ESSLINGEN Es ist ein einmaliges Projekt und eine hervorragende Möglichkeit der Zusammenarbeit zwischen Jung und Alt, betonte KJR-Geschäftsführer Kurt Spätling gestern beim Pressegespräch. In einem dreitägigen Intensivkurs sollen Freiwillige zu Mediatoren an Schulen ausgebildet werden.

Die Rolle des Kreisseniorenrates dabei ist, das Projekt unter den Senioren publik zu machen. Zwar ist der Mediatorenkurs für alle Interessierten offen, doch man denkt besonders an die Senioren, die vormittags Zeit haben und viel Wissen und Lebensweisheit mitbringen, wie Reiner Häußler, Vorsitzender des Kreisseniorenrates die Vorteile der Älteren kurz umriss.

Ein vergleichbares Projekt gibt es in Neuhausen. Dort werden Schüler, die den Unterricht stören, auf die so genannte Trainingsinsel geschickt. Auf der Insel nimmt sich der Mediator des Schülers an und hilft ihm, einen Ausweg aus dem Konflikt zu suchen. "Man muss den Blick frei machen für eine eigene Lösung," beschrieb Spätling das Vorgehen. Dabei müsse der Mediator vermeiden, dass es Sieger und Verlierer gibt. Eine Statistik belege eindeutig, dass es so gelungen sei, die Zahl der Konflikte dort zu verringern.

In Neuhausen arbeitet eine Sozialpädagogin. In den drei Modellschulen, die jetzt dazukommen sollen, setzt man auf die Ehrenamtlichen.

Von einem "Krieg der Generationen" will Reiner Häußler nicht sprechen. Alt und Jung müssten sich gemeinsam an die Lösung der gesellschaftlichen Probleme machen. "Das Potenzial der Älteren müssen wir heben," sieht er in der ehrenamtlichen Arbeit auch eine Sinnstiftung für ältere Menschen. Die Ehrenamtlichen sollen im Schulzentrum Reichenbach, im Schulzentrum Oberlenningen und an der Wendlinger Ludwig-Uhland-Schule zum Einsatz kommen.

Der gesunde Menschenverstand reicht aus, beschreibt Spätling das Anforderungsprofil für die Mediatoren. Sie sollen nicht alleine dastehen. Die Sozialpädagogen des KJR, Jugendhausmitarbeiter, sollen für Fallbesprechungen zur Verfügung stehen. Die Finanzierung ihrer zusätzlichen Arbeitsstunden ist allerdings noch nicht ganz geklärt.

Wenn beispielsweise massive häusliche Probleme oder Hyperaktivität hinter den Schwierigkeiten des Schülers steckten, komme der Mediator eben nicht weiter, und man müsse tiefergehende Hilfen, auch zusammen mit den hauptamtlichen Kräften, suchen.

Aber auch die Lehrer müssten ihr Verhalten in Frage stellen lassen. Das ist nicht ganz leicht für Lehrer, wenn Konflikte so außerhalb der Klasse verhandelt werden, aber die meisten tragen das mit, wusste Spätling über die Verankerung der Mediatoren im Schulbetrieb und zeigte sich "mehr als zuversichtlich", bei Konflikten vermitteln zu können.

Pro Schule denkt man an zirka 30 Freiwillige, die gemäß dem Volunteers-Prinzip zeitlich begrenzt die Verpflichtung übernehmen, an bestimmten Vormittagen als Mediatoren zur Verfügung zu stehen. Kreisseniorenrat und KJR haben eine Informationsbroschüre zu der konstruktiven Konfliktlösung im Schulalltag erstellt, die derzeit über das Netzwerk der örtlichen Seniorenarbeit verteilt wird.

In einem Seminar vom 17. bis zum 19. Juni im Schulungszentrum des KJR in Obersteinbach sollen die Ehrenamtlichen in Rollenspielen auf ihre Aufgabe, Wege aus Konflikten zu bahnen, vorbereitet werden. Das Seminar kann durch eine Spende der Stiftung Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen kostenlos angeboten werden. Ein Info-Abend findet am 2. Juni um 19 Uhr statt.

Interessenten sollten sich vorher telefonisch beim KJR unter Telefonnummer 0 70 24 / 64 60 18 anmelden. Dabei wird auch der Veranstaltungsort bekannt gegeben.