Lokales

Schulpatron Max Eyth als Vorbild für moderne Zeiten

Nur ein einziger von rund 120 Landmaschinenmechanikern scheiterte: Alle anderen Prüflinge aus ganz Württemberg bekamen in der Kirchheimer Stadthalle ihren Gesellenbrief. Gesellenstücke gibt es jedoch keine mehr, denn die Prüfungsordnung wurde komplett umgestellt. Mehr Kundenorientierung heißt das neue Ziel. Dafür war erhebliche Vorarbeit nötig.

PETER DIETRICH

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KIRCHHEIM Ihre Kenntnisprüfungen an der Kirchheimer Max-Eyth-Schule absolvierten die Junghandwerker bereits im November, vor wenigen Tagen folgte der zweite Prüfungsteil. Innerhalb von acht Stunden waren fünf verschiedene Aufgaben zu bearbeiten und zu dokumentieren, alle orientierten sich an echten Kundenaufträgen. Über zwei Aufgaben wurde mit jedem Prüfling ein Fachgespräch geführt, das ebenfalls stark in die Bewertung einfloss. Immerhin 20 Prüfer waren dazu an jedem Prüfungstag nötig, weit mehr als früher. Elektrik, Dieselmotor, Hydraulik und Getriebe waren die Arbeitsgebiete, hinzu kam je nach Spezialisierung die Druckluftbremsanlage beim Schlepper oder die Arbeit an Motorgeräten.

Keine Frau hatte diesmal die Ausbildung gewagt. Die Absloventen sind in einer Branche tätig, deren Stimmung sich verbessert hat, wie Landesinnungsmeister Kurt Neuscheler erklärte: "Da sind sich dieses Mal alle einig Landwirte, Lohnunternehmer, Landmaschinenhandel, mittelständische und globale Hersteller." Der Wettbewerb um Nutzflächen für Nahrungsmittel und zur Erzeugung nachwachsender Rohstoffe und das Ringen um die ertragreichsten und günstigsten Anbaumethoden gebe ringsum neue Perspektiven. Es gehe darum, die betrieblichen Stärken auf unterschiedliche Kundengruppen auszurichten, mit mehr vorbeugendem Service wie Nachernte-Checks oder Winterinspektionen. Nötig sei ein anständiger Umgang auch unter Wettbewerbern: "Moralische Grundsätze sind für mich unabdingbares Stammkapital für wirtschaftliches und unternehmerisches Handeln."

"Sie können stolz sein, zu der Gruppe Menschen zu gehören, die in einer langen Tradition für die Ernährung der Menschen sorgen", ermutigte die Kirchheimer Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker die Gesellen, ihr Leben "engagiert anzupacken". Als Triebfeder wünschte sie ihnen viel Neugier.

Oberstudiendirektor Erich Zeh von der Max-Eyth-Schule nannte die Theorieprüfung mit einem Gesamtdurchschnitt von 2,5, mit sieben Preisen und 18 Belobigungen "ein sehr stolzes Ergebnis". Eine gute Ausbildung sei eine besonders wirksame Form der sozialen Absicherung. Wer weiterkommen möchte, brauche Vorbilder.

Ein solches malte Dr. Klaus Herrmann vom Deutschen Landwirtschaftsmuseum der Universität Hohenheim vor Augen: Max Eyth, ein Wegbereiter der Moderne. Ein Mann, der offen für Visionen und Träume war, der sich vom Schlosser über den Technischen Zeichner bis zur rechten Hand des Chefs emporarbeitete. Der auf seine Bewerbungen 40 Absagen erlebte, was eine harte Schule für ihn war. Doch dann brauchte man ihn in ganz verschiedenen Ländern, er arbeitete in Belgien, England und Ägypten, reiste mit dem Segelschiff nach Nordamerika, um dort die neue Dampftechnik vorzustellen. "Ein schöpferischer Geist kennt keine nationalen Grenzen", davon sei Eyth überzeugt gewesen.

Sortiert nach Innungen nahmen die Junghandwerker aus den Regionen Ulm, Ravensburg, Reutlingen, Stuttgart und Heilbronn ihre Zeugnisse und Urkunden entgegen. Die vier besten Absolventen wurden besonders geehrt: Martin Welte (Tettnang) und Max Kern (Eberdingen) erreichten die Note 1,4, nur ein Zehntel schlechter lagen Steffen Mehl (Schwaigern) und Sascha Schmid (Plüderhausen). Für sein soziales Engagement an der Schule erhielt Lukas Fink den Sozialpreis. Er dankte anschließend den "qualifizierten Lehrern" und den "Ausbildungsbetrieben, die viel Geduld mit uns hatten". Zum Abschluss seiner Kurzansprache rief er den anderen Gesellen ein "wir sehen uns, spätestens auf der Meisterschule" zu. Viele Gäste im Saal hörten dies gern, zog sich doch die Aufforderung zum lebenslangen Lernen wie ein roter Faden durch die verschiedenen Ansprachen und Grußworte. Wobei sich Lorenz Riegger als stellvertretender Landesinnungsmeister an die Arbeitgeber wandte: "Wir werden in Zukunft verstärkt hoch qualifizierte Fachkräfte benötigen. Fremdkräfte werden sie kaum finden." Handwerker, die ausbilden, seien auch als Arbeitgeber attraktiv.