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Schulterschluss der Zweifler und "Phantasten"

Jetzt erst recht! Die Zweifler an der S-Bahn mehren sich, und nun hat auch noch ausgerechnet die Deutsche Bahn die Planungen zur Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes in Kirchheim durchkreuzt. Eine Umplanung soll das Vorhaben aber doch noch ermöglichen. Kirchheim will damit ein weiteres Zeichen setzen für die S-Bahn.

IRENE STRIFLER

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KIRCHHEIM "Aurelis" ist derzeit ein rotes Tuch für die Verantwortlichen in Stadtverwaltung und Gemeinderat. Die gleichnamige Tochterfirma der Deutschen Bahn, die ehemalige Bahnflächen vermarktet, kommt der Stadt beim Verkauf eines für die Erschließung des Bahnhofsvorplatzes nötigen Geländes nicht entgegen. "Wir lagen hier um 700 000 Euro auseinander", machte Bürgermeister Günter Riemer klar, dass jede Hoffnung auf eine Annäherung vergebens sein dürfte.

Planungsamtsleiter Dr. Oediger unterbreitete daher im Technischen Ausschuss eine Alternativplanung, die die Grundzüge des bisherigen Modells aufnimmt, und bat das Gremium "um Schulterschluss, damit wir Zeichen setzen können".

Taxistände und so genannte Kiss & Ride-Plätze soll es nach wie vor direkt am Bahnhof geben, der Parkplatz vor der AOK soll weiterhin als Park & Ride-Platz dienen. Dorthin gelangt man allerdings nach neuer Planung über eine Zufahrt vor dem Eingang des AOK-Gebäudes statt über eine Straße, die hinter der AOK vorbei führen sollte. Eine Lösung, die vielen im Rund sauer aufstieß. "Unübersichtlich und umständlich", schimpfte Hagen Zweifel von den Freien Wählern und rechnete mit der "kropfunnötigen Baumaßnahme" ab, die zudem "schlecht vorbereitet" sei. Dem stimmte auch Albert Kahle (Kibü) zu, der die Interimslösung als "neben der Kapp'" bezeichnete. "Der Karren ist verfahren", urteilte CDU-Mann Siegfried Pöschl und bezeichnete jene, "die noch an die S-Bahn glauben", als "Phantasten". Mit der Frage "Wie kommen wir aus der Planung raus?" brachte er das Problem auf den Punkt. Der Auftrag für den ersten entscheidenden Schritt der Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes wurde nämlich bereits im September vergeben, als mit der S-Bahn fest für das Jahr 2007 gerechnet wurde. Jetzt steht der Verwaltung eine Forderung über 75 000 Euro ins Haus, wenn's am Bahnhof nicht bald losgeht. "Wir sollten das Geld nicht ohne Gegenleistung ausgeben", lenkte daher CDU-Fraktionsvorsitzender Helmut Kapp ein und ergänzte: "Das fuchst den Schwaben!"

"Wir gehen von der S-Bahn aus, dann ist der Bahnhofsvorplatz notwendig", machte sich Sabine Bur am Orde-Käß von den Grünen Alternativen für das bisher verfolgte Ziel stark und rückte ebenso wie Birgit Müller von der Frauenliste den angestrebten überirdischen Fußgängerweg statt der abschreckenden Unterführung in den Mittelpunkt des Interesses. SPD-Fraktionsvorsitzender Walter Aeugle warnte vor einem "Negativ-Signal" an Stuttgart und die Region, und Andreas Schwarz von den Grünen Alternativen appellierte mit Vehemenz an den Gemeinderat, trotz verschlechterter Rahmenbedingungen zum Bahnhof zu stehen.

Für die Seite der Kritiker stellte Hagen Zweifel grundsätzlich klar: "Wir sind auch für die S-Bahn." Er stieß sich vor allem am Zeitpunkt der Baumaßnahme und kritisierte wiederholt die Vorarbeit durch das Planungsamt.

"An der Zusage war nicht zu zweifeln", verteidigte Bürgermeister Riemer die Mitarbeiter, die mit der DB Service Immobilien verhandelt hatten, und warb für den hauseigenen Lösungsvorschlag. Schon aus verhandlungstaktischen Gründen seien die Maßnahmen sinnvoll, sende man doch das Signal an Aurelis, dass das Vorhaben auch im Alleingang zu realisieren ist. Darüber hinaus stellte sich Riemer auch inhaltlich hinter die Gesamtkonzeption: "Die Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes ist aus städtebaulicher Sicht unabdingbar, nicht nur im Zusammenhang mit der S-Bahn", führte er aus. Angesichts der Tatsache, dass zweimal stündlich ein Zug aus Stuttgart ankomme, handle es sich um ein "wichtiges Eingangstor zur Stadt". Um die Fußgänger überirdisch über die Schöllkopfstraße zu führen, sei eine Entzerrung des Verkehrs notwendig, warb er für die geplante Zufahrt ins Bahnhofsgelände.

Mit zehn Befürwortern, drei Gegenstimmen und drei Enthaltungen erhielt die neue Umbauvariante schließlich eine Mehrheit. Jetzt sollen Gespräche mit der AOK folgen, ehe die Bagger anrollen können.