Lokales

Schultes Beck als Kehles Praktikant im Gespräch

WERNAU Nahezu bis zur Unkenntlichkeit getarnt in bunten orientalischen Gewändern und mit dunklen Sonnenbrillen zogen die Wernauer Ratsmitglieder gesenkten

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KLAUS HARTER

Hauptes vor das gestrenge Narrengericht. "Dia kommet drher wia se schaffet, se beweget sich kaum", spottete Rita Zink, die Zunftmeisterin der Wernauer Narren. "Ronder mit de Köpf", herrschte sie die Angeklagten an, als die sich nicht vor dem hohen Gericht verneigen wollten. Das närrische Volk harrte derweil dicht gedrängt auf dem Stadtplatz auf die Verhandlung.

Oh, welch eine Schmach. Mit ihrem "Stadtratspack" sind die Narren überhaupt nicht zufrieden. Doch das ist eigentlich keine Überraschung. Aber der Wernauer Gemeinderat musste vernehmen, dass der Till, Zunftmeisterin Rita Zink und ihr Stellvertreter Helmut Komorek vom "Wendlinger Modell" schwärmen. Das finden sie "attraktiv: Wendlinger Stadtrat äußerst aktiv, dia saget au amol noi ond net emmer bloß jo. Ond des Geilschte drbei isch, dr Wendlinger Schultes isch fascht nia do."

In Wernau dagegen, im Glaspalast, in der "roschtiga Sardinabichs" namens Quadrium "goht's zua wia em Aquarium", spottete Helmut Komorek. "Ganz oba schwemmt der mit dr gröschta Gosch. Superstar Kehle, der Oberfrosch. Und montags sitzt bei ihm zu Tische das Stadtratspack, die stummen Fische. Kein Stadtrat traut sich aufzumucka, vor Angscht, mr kennt z' viel Wasser schlucka."

Bereits beim Rathaussturm hatte der Till seinem Bürgermeister vorgeworfen, "du bisch ons oifach zu aktive, dr Wendlinger Schultes wär die Alternative. Denn: "Sein Verhältnis zom Schaffa total okay, wer net viel schafft, macht net viel he."

Wenn es aber etwas zu leisten gibt, sehen die Wernauer ihren Schultes durchaus als Vorbild für andere Bürgermeister den Plochinger zum Beispiel: "Dr Schultes Beck sich gern verzettelt, d' Nachbarstädt om Geld anbettelt", sagte Stadtrat Bernhard Adolf. Sein Kollege Kehle prahle dagegen, er habe sein Quadrium ohne Schulden bezahlt. "Baut dann wieder ohne Geld a Wellness-Centr-Sauna-Welt", lobte Bernhard Adolf. "Mir ladet ein heut' kurzerhand, dr Beck zu ons als Praktikant, bringt dr Wendlinger Schultes, net weit entfernt, gleich mit damit der auch was lernt."

Das Wellness-Center mag zwar stadtkassenschonend gebaut worden sein die Wernauer Frauen sind darin jedoch nicht rundum zufrieden. Sie wollen einen Frauentag in der Sauna, sagte Rita Zink. Doch Schultes Kehle winkte nur ab und berichtete, jede sage etwas anderes zu ihm. "Jeder von euch Männern kennt's: Das isch die geballte Frauenintelligenz. D' Fraua nervet rund um d' Uhr, von logischem Denka fehlt jede Spur." Mit dieser Bemerkung spaltete er das närrische Volk: Die einen quittierten sie mit Pfiffen, die anderen spendeten kräftig Beifall.

Die Behauptung der Narren, das Dach des Quadriums sei undicht, deshalb habe es bei der Gemeinderatswahl auf Zählcomputer und Stimmzettel "gepieselt", korrigierte Stadträtin Beate Zabukovec. Der Schultes habe in die leere Stadtkasse "neiguckt, schnell a Träne rausgedruckt". Und "ganz Wernau sieht dann jedenfalls, dem steht's Wasser bis zom Hals. En Wernau geht scho rom die G'schicht, d' Verwaltung sei nicht mehr ganz dicht."

"So bleibt's em Flecka wia's halt ischt, dr Bürger rechtschaffa, dr Amtsschimmel macht Mischt", klagte der Till. Wie immer hatten die Narren aber ein weiches Herz. Trotz schwerer Verfehlungen des Gemeinderats fiel das Urteil milde aus. Mit dem guten Rat "ond send en Zukunft statt Schlawiner am beschta echte Volkesdiener", wurden sie losgeschickt, Wehla, Laugengebäck in W-Form, an die Leute auf dem Stadtplatz zu verteilen.