Lokales

Schultes mit Leib und Seele

KIRCHHEIM Als Schultes mit Leib und Seele werden die Naberner "ihren" Erwin Kreher in Erinnerung behalten. Der ehemalige Naberner Bürgermeister und spätere Ortsvorsteher hat sich engagiert um die

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IRENE STRIFLER

Gemeinde verdient gemacht, vieles dort trägt seine Handschrift. 1948 trat er als 25-Jähriger sein Amt als damals jüngster Bürgermeister Baden-Württembergs an.

Geboren wurde Erwin Kreher im Jahr 1923 in Dettingen. Nach einer Kaufmannslehre in der damaligen Möbelfabrik Rohrer in Kirchheim wurde er im Jahr 1940 zum Kriegsdienst eingezogen. Erst sechs Jahre später kehrte er, körperlich sehr angeschlagen, nach Hause zurück und packte sogleich in der Verwaltung der Rathäuser von Dettingen und Nabern mit an.

Das Wohl seiner Gemeinde war dem 1948 gewählten jungen Schultes eine Lebensaufgabe. "Er hat in Nabern sehr viel bewegt", erinnert sich sein Nachbar Helmut Kapp, der zurzeit die Aufgaben des Ortsvorstehers in Nabern wahrnimmt. So gelang es Erwin Kreher beispielsweise, schnell und unbürokratisch, preisgünstigen Baugrund für Heimatvertriebene zu schaffen. In kürzester Zeit hat sich Nabern, das bei Kriegsende gerade mal 450 Einwohner zählte, mehr als verdoppelt. Die Bürgerschaft dankte Erwin Kreher seinen Einsatz mit imposantem Zuspruch: In seine dritte Amtsperiode ging er mit 99 Prozent der Stimmen.

Nach der Gemeindereform, als Nabern nicht mehr selbstständig war, setzte sich der Bürgermeister a. D. von 1974 an als Ortsvorsteher für den neuen Kirchheimer Stadtteil ein. Aus gesundheitlichen Gründen bat er nach fast 30-jähriger Dienstzeit auf dem Naberner Rathaus im Jahr 1976 darum, von seinem Amt entbunden zu werden. Mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande und weiteren Auszeichnungen wurde ihm für seinen aufopfernden Einsatz gedankt.

Auch außerhalb des Rathauses engagierte sich Erwin Kreher in herausragender Weise, beispielsweise im Rahmen des Verbandes der Kriegsbeschädigten und Hinterbliebenen. Dort gründete er eine Ortsgruppe und leitete diese auch lange Zeit. Auch um die Lebenshilfe machte er sich verdient. Im Naberner Sportverein, beim Gesangverein Liederkranz und bei der Entstehung der Kleingartenanlage hinterließ er bleibende Spuren. Die hiesige Osteoporose-Selbsthilfegruppe verdankt ihre Existenz unter anderen Erwin Kreher.

Der Ruhestand gab dem historisch Interessierten bei allen Aktivitäten Zeit, sich seinen Hobbys zu widmen. So hat er verschiedene Gemeindearchive aufgearbeitet. Eine Aufgabe, der er sich in der ihm eigenen sympathischen Hartnäckigkeit stellte.

An Silvester verstarb Erwin Kreher im Alter von knapp 83 Jahren.