Lokales

Schultes statt „Herr Bürgermeister“

Klauis Däschler als Bürgermeister von Neidlingen eingesetzt – 200 Gäste in Reußensteinhalle

Im Rahmen einer Sondersitzung des Neidlinger Gemeinderats in der Reußensteinhalle wurde Klaus Däschler als neuer Bürgermeister von Neidlingen eingesetzt. Auf eine Verabschiedung des bisherigen Bürgermeisters, Rolf Kammerlander, wurde auf dessen Wunsch verzichtet.

Amtseinsetzung des neuen Bürgermeisters Däschler in Neidlingen
Amtseinsetzung des neuen Bürgermeisters Däschler in Neidlingen

PETER DIETRICH

Anzeige

Neidlingen. Durch die Sitzung führte der stellvertretende Bürgermeister Uli Hepperle. „Neidlingen tickt schon immer etwas anders“, sagte er. Die Wahl sei anders ausgegangen als von vielen erwartet. Der Großteil der Bevölkerung habe das freudig aufgenommen. Hepperle fasste den Wechsel mit „weg vom Herrn Bürgermeister zum Schultes“ zusammen. „Die Ära Kammerlander ist rum.“ Seine Würdigung des bisherigen Amtsinhabers fiel denkbar knapp aus. Für die Infrastruktur der Gemeinde, befand er, sei relativ viel gemacht worden. Nun gehe es weniger um neue Projekte als um den Erhalt, zum Beispiel der Straßen. Der neue Bürgermeister müsse wissen, dass die Aufgabe nicht einfach sei. „Der Ort ist nicht zerstritten, auch wenn es in der Presse so aussah“, sagte Hepperle. „Die Gemeinde steht zusammen, sie steht auch hinter dem neuen Bürgermeister.“

Landrat Heinz Eininger dankte ihm ausdrücklich dafür. Mit einer Wahlbeteiligung von gut 71 Prozent, blickte Eininger zurück, hätten die Neidlinger der Demokratie einen guten Dienst erwiesen. Er sprach Rolf Kammerlander für seine 16 Jahre Dank und Anerkennung aus. „Das, was geleistet worden ist, war eine ganze Menge.“ Einingers lange Liste reichte vom Anschluss an die Landeswasserversorgung über die Verlegung von Feuerwehr und Bauhof bis zur Kinderkrippe.

Die schwankende Steuerkraft, so Eininger weiter, mache es schwierig, Finanzen und Planung zusammenzubringen. Er ermutigte Däschler, „gut zuzuhören, Ideen zu geben und Impulse zu setzen“. Die Gemeindeordnung kenne keine Pflicht, dass ein Bürgermeister eine gehobene Verwaltungslaufbahn absolviert haben müsse. „Demokratie baut drauf, dass gewöhnliche Menschen ungewöhnliche Fähigkeiten haben“, zitierte Eininger den amerikanischen Theologen Harry Emerson Fosdick. Mit über 58 Prozent der Stimmen hätten die Neidlinger Däschler einen Vertrauensvorschuss gegeben. „Alle sind gespannt, wie Sie die anstehenden Aufgaben angehen.“ Bei der dünnen Besetzung eines kleinen Rathauses müsse ein Bürgermeister viele Dinge selbst erledigen. Däschler müsse sich in viele Bereiche schnell einarbeiten. „Ich denke, dass Ihnen das gelingen kann.“ Eininger forderte die Neidlinger auf, mit dem neuen Bürgermeister gemeinsam an der Zukunft Neidlingens zu arbeiten – „auch diejenigen, die ihm ihre Stimme nicht gegeben haben“.

Weilheims Bürgermeister Johannes Züfle gliederte seine guten Wünsche in mehrere Bereiche. Beruflich wünschte er Klaus Däschler die Unterstützung der Rathausmitarbeiter – und der Bürger, die nicht nur vor der Wahl zu ihm stehen, sondern ihn auch nach ersten Fehlern nicht fallen lassen sollten. „Alle, denen das Wohl Neidlingens am Herzen liegt, sind aufgerufen, sich konstruktiv einzubringen.“ Persönlich möge dem Neidlinger Bürgermeister noch genügend Zeit für die Familie bleiben. Für die Gemeinde hoffe er, dass nun nach einem „aus meiner Sicht doch polarisierenden Wahlkampf“ der Zusammenhalt im Vordergrund stehe, so Züfle. Dem bisherigen Bürgermeister Rolf Kammerlander wünschte Züfle, dass er mit seiner Familie „so gut an diesem Ort leben kann wie jeder Bürger, der viel für die Gemeinde geleistet hat“.

Pfarrerin Ute Stolz legte Klaus Däschler ans Herz, viel Humor zu beweisen. Er sorge für die Distanz zu sich selbst. Für die Neidlinger Vereine buchstabierte Landfrau Ulrike Braun das Wort „Wünsche“ gleich mehrfach durch, von „Weitsicht“ bis „Erfolg“. Spontan meldete sich noch Oberstaatsanwalt Kurt Schrimm zu Wort. Er dankte Klaus Däschler für seine „ausgezeichnete Arbeit“, die er in den vergangenen viereinhalb Jahren in Ludwigsburg geleistet habe. Er erinnerte an den Fall Geißstraße mit sieben Toten, die der Polizeihauptkommissar hervorragend gelöst habe – als andere schon aufgegeben hatten. Nun gingen die beruflichen Wege auseinander. Aber: „Ich gehe im Oktober nächsten Jahres in Ruhestand, vielleicht braucht der Neidlinger Bürgermeister ja einen Hannes.“ Er wünschte Klaus Däschler jetzt schon die Wiederwahl in acht Jahren.

Es falle ihm schwer, seine Dienstmarke abzugeben, sagte Däschler in seinem Schlusswort. 24 Jahre bei der Polizei seien für ihn eine lange Zeit gewesen. Er werde seine Aufgabe ernst nehmen und zurückgeben, was er bekommen habe. Dass der Gemeinderat ihm auf die Finger schaue, sei in Ordnung. Die Gemeindeverwaltung werde die Bürger frühzeitig und umfassend informieren, versprach Däschler. Er wolle so Vertrauen und Transparenz schaffen.

Zur Amtseinführung gab es nicht nur Worte, sondern auch gute Musik von der Jugendgruppe des Musikvereins Neidlingen und vom jungen Frauenchor anima musica. Und am Schluss sogar eine Wildsau: Sie hatte die Jägervereinigung, in kleinen Portionen schmackhaft zubereitet, zum Büffet der Neidlinger Vereine beigesteuert.