Lokales

Schutz für Menschen, aber auch für Pflanzen

Die Ruhe und Idylle von der Erwin-Wittmann-Hütte bei Ochsenwang wurde gestern abgelöst von Stimmengewirr und Festlaune: Anlass war der Tag der offenen Tür der DRK-Bergwacht Esslingen.

MARIA GLOTZBACH

Anzeige

BISSINGEN Das kalte Wetter hielt die Freunde der Bergwacht nicht davon ab, auf die Alb zu fahren: "Die Stammkundschaft kommt immer, egal bei welchem Wetter", erklärte Fahrzeugwart Henning Schultheiß stolz. Jedoch stellt sich die Frage: Wie passen Bergwacht und Schwäbische Alb zusammen? Dies zu klären war unter anderem Ziel der Hocketse, aber auch die Bevölkerung über die Aufgaben der Bergwacht zu informieren und neue Mitglieder zu werben.

Die Bergwacht-Bereitschaft Esslingen wurde 1948 gegründet. Als Naturschutz- und Rettungsdienstorganisation bestehen ihre Aufgaben vorwiegend in der Erstversorgung von Verletzten, bevor der Rettungsdienst kommt. Sie bergen Verunglückte aus unwegsamen Gelände sowie verletzte Wanderer, Bergsteiger und Skifahrer und holen Drachenflieger aus den Bäumen. Dazu benötigt man nicht nur eine spezielle technische Ausbildung, sondern auch eine fundierte Sanitätsausbildung.

Voller Stolz präsentiert Uwe Schutt, Sanitätsreferent, die Neuerwerbung der Bergwacht: das AED-Gerät, ein Automatischer Externer Defibrilator. "Das ist eine tolle Maschine", erklärte Schutt, "sie erhöht bei einem plötzlichen Herztod die Lebenschancen gewaltig." Jedoch schützt die Bergwacht nicht nur die Menschen auf der Schwäbischen Alb, sondern auch die Pflanzenwelt. Die Mitglieder kartieren und katalogisieren die bedrohte Flora und Fauna. Dabei ist ihr größtes Sorgenkind die Orchidee. All ihre intensiven Bemühungen seit der Mitte der 50er-Jahre waren nicht umsonst. Aber nicht nur die Orchidee, sondern auch die eindrucksvolle Silberdistel und die Lilienart Türkenbund sind auf dem Wege der Genesung. Um all diese Pflanzen nachhaltig zu schützen, begibt sich die Bergwacht im Sommer auf Naturschutzstreifen. Ulrich Goerger, ehemaliges Vorstandsmitglied, betont: "Wir sind nicht die Polizei, wir können nur aufklären".

Wie andere Vereine und Verbände auch hat die Bergwacht unter dem mangelnden Interesse der Jugend an ehrenamtlichen Tätigkeiten zu leiden. Grund sieht Frank Himmelein, Bereitschaftsleiter, an dem Überschuss an Freizeitangeboten für Jugendliche und der Konkurrenz zu Sportvereinen. Ferner scheint die zweijährige Ausbildung, die Verpflichtung zur regelmäßigen Teilnahme an Übungen und die Verantwortung auf die Jugend abschreckend zu wirken. Allerdings sieht die Bergwacht nicht tatenlos diesem Verlauf zu und wird für 2005 eine neue Jugendgruppe auf die Beine stellen.

Trotz allem sollte der Tag der offenen Tür nicht nur der Werbung dienen, sondern auch der Kameradschaft innerhalb der Bergwacht. Gepflegt werden auch die Beziehungen zum Roten Kreuz und zur Freiwilligen Feuerwehr, um die Zusammenarbeit und die Freundschaft der verschiedenen Organisationen zu verbessern und zu vertiefen, erklärt Birgit Gröber, Stellvertreterin der Bereitschaftsleitung.