Lokales

Schwaben schleifen schottische Whiskyfässer aus

Schwaben, Schotten, Sparsamkeit, diese Begriffe kann man getrost in einen Topf werfen. Oder noch besser: in ein großes Whiskyfass. Denn mit der Erfindung der Nürtinger Firma IBS spart die William-Grant-Destillerie bei der Aufarbeitung gebrauchter Eichenfässer eine Menge Geld. Der schwäbische Spezialist in Sachen Schleifen und Polieren hat eine Maschine entwickelt, die in wenigen Minuten automatisch drei Millimeter Holz von der Fassinnenwand abraspelt.

ROLAND KURZ

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NÜRTINGEN Eine Urlaubsreise im schottischen Hochland bahnte die Erfindung an, die dem Maschinenbauer Industriebedarf Schietinger (IBS) eine Anerkennung beim Innovationspreis 2007 des Landkreises Esslingen einbrachte. Vertriebsmanager Nikolas Lehrke wunderte sich über seltsame Hügel in Schottland. Bei genauerem Hinschauen entpuppten sich diese als riesige Fasslager. Etwa 300 000 leere, gebrauchte Behälter stapeln sich bei William-Grant (Marke Glennfiddich). Zu viel für die sechs Fassmacher der Firma. Nur wenige junge Leute lernen heute noch den harten Beruf mit sechsjähriger Lehrzeit. Um ein gebrauchtes Fass aufzumöbeln, brauchen die gut bezahlten Profis vier Stunden.

Im Gegensatz zum amerikanischen Maisgebräu Bourbon wird schottischer Whisky nur in gebrauchte Fässer abgefüllt: Wein-, Sherry- oder Bourbontonnen. Der schottische Weizen-Whisky verträgt die vielen Tannine im neuen Holz nicht, erklärt Projektmanager Markus Michalski. Aber er brauche den Farbstoff des Holzes, also muss die verbrauchte Oberfläche aufgerissen werden. Nach dem Abraspeln wird das Whiskyfass innen mit einer Gasflamme "getoastet". Die angekohlte Schicht verleiht dem Scotch intensive Farbe und rauchigen Geschmack.

Für den schottischen Brauer tüftelte der schwäbische Sondermaschinenbauer also an einem automatischen Fass-Schleifer. Den können auch ungelernte Mitarbeiter bedienen. Sie stellen das Fass in die Maschine, wählen auf der Touch-Screen den Fasstyp aus, dann fährt das Werkzeug selbstständig ins Fass hinein und tastet sich zunächst mal bis zum Boden vor. Denn jedes der handgemachten Fässer ist etwas anders geformt. Sind die Rundungen gespeichert, fährt der Rasterkopf in den berechneten Arbeitswinkel an den Dauben entlang. In sechs bis zehn Minuten ist das Fass fertig. Bis zu drei Mal kann es wieder aufgearbeitet werden.

Bei der Verwertung der Holzspäne machen die Schotten ihrem Ruf alle Ehre. Späne und Staub pressen sie zu Holzpellets und verkaufen diese als Grillmaterial. Barbecue mit Whiskyduft. Auch Holzbriketts für den Kachelofen kann man aus dem Raspeln herstellen, die direkt am Fräskopf abgesaugt werden.

Hohe Stückzahlen gibt es bei Sondermaschinen nicht. IBS wird eine zweite Maschine nach Kentucky liefern, um Fässer für die Schotten auszuschleifen. Michalski ist aber sicher, dass mit dem Fass-Schleifer "eine riesige Türe aufgestoßen" wurde. Derzeit experimentiert man im Auftrag des Badischen Weinbauverbandes an der Aufarbeitung von Barriquefässern. Der Verband würde die 170 000 Euro teure Maschine kaufen und seinen Mitgliedern anbieten.