Lokales

Schwäbische Kultrocker und ein virtuoser Bluesbarde

WENDLINGEN Ein Riesenerfolg war auch in diesem Jahr wieder das Samstagskonzert des Wendlinger Zeltspektakels in der Schäferhauserstraße. Neben den Schwäbischen

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HEINZ BÖHLER

Kultrockern von "Grachmusikoff" hinterließ der aus dem Ruhrgebiet stammende Folk- und Bluesbarde Stoppok nach seinem Auftritt eine begeisterte Menge.

"Typisch amerikanisch" nannte der blonde Endvierziger, der die Blues- und Folkrhythmen des nordamerikanischen Kontinents zur musikalischen Illustration seiner im Ruhrpottplatt erzählten Alltagsgeschichten heranzieht, das viersaitige Banjo, auf dem er gegen Ende seines leider viel zu kurzen Auftritts am Samstag noch ein paar Songs zum Besten gab. Damit hatte er ein Prinzip gemeint, nach dem eine große Wirkung mit möglichst wenig Aufwand erzielt werden soll. Sah dann auch erst mal ganz leicht aus, wie er so drauflos zupfte und bei den inzwischen rund 700 Zuhörern auch tatsächlich enorme Wirkungstreffer damit landen konnte. Fragt sich nur, ob die vier Metallstränge jedem so zu Willen klängen, wie unter seinen kundigen Händchen.

Doch die Frage hatte sich den Hobby-Gitarristen im Publikum das ganze Konzert über gestellt und wie so oft, hatte man die Textpointe verpasst, weil man unbedingt rauskriegen wollte, ob Stefan Stoppok seine Klampfe jetzt wohl in D oder E gestimmt hatte (oder hat er doch nur die E-Saite auf D runtergedreht?). Sicher war nur: "Der kann spielen!" Ob Finger- oder Flat-Picking, Sliding oder Doubl-Stop-Technik, der Typ scheint einfach alles drauf zu haben. Und ein paar Texte bekommt man dann doch irgendwie auch mit, in seinem kodderschnäuzigen, durch die Zähne geschnarrten Slang.

Alltagsgeschichten und Kindheitstraumata, Humor und Melancholie prägen seit drei Jahrzehnten die Auftritte der Schwäbischen Kultband "Grachmusikoff" um die oberschwäbischen Zwillinge Georg und Alex Köberlein.

Mit "Blues, Blos and Fun" touren die Schwabenrocker, die auch schon als älteste Boy-Group Deutschlands in die Annalen eingingen, für eine mitreißende Version von "Highway to Hell" kurzerhand die Schulranzen ihrer Kinder requirierend durchs Land und landeten am Samstagabend auch im Wendlinger Spektakelzirkuszelt.

Zweieinhalb Stunden lang brannten die von Hansi Fink an Gitarre und Akkordeon, Rico Stehle am Schlagzeug und Michael Stoll am Bass unterstützten Alt-Rocker aus Tübingen ein Rock-Feuerwerk ab, das sich mit allen Wassern der schwäbischen Folklore, des angehobelten Klamauks und niemals abgeschworenen Überzeugungen gewaschen hatte.

Sogar die wichtigsten Nummern von Schwoißfuaß, der erfolgreichen Schwoba-Rockband der 80er-Jahre, fanden noch ihren Platz im Repertoire der "Grachmusikoffer". Was Wunder, verblüffte doch auch am Samstag die in "neoliberal-verschmutzten Zeiten" immer wieder aufscheinende Aktualität der Hymne schwäbischer Subkultur: "Oiner isch emmer dr Arsch".