Lokales

Schwäbischer Geist in der Flasche

„Schmeck die Teck“: Thomas Rabel vom Owener Berghof gewinnt Hochprozentiges aus heimischer Landschaft

Qualitativ hochwertige Nahrungsmittel aus heimischer Produktion anzubieten und dadurch die Kulturlandschaft am Albtrauf zu erhalten, das ist das Ziel des Vereins „Schmeck die Teck“. Mit zu den Gründungsmitgliedern zählt Thomas Rabel vom Owener Berghof, der sich mit schwäbischen Destillat-Spezialitäten wie dem schwäbischen Whisky einen Namen gemacht hat.

richard umstadt

Owen. Malerisch liegt der Berghof in den Wiesen unterhalb der Bassgeige an der Straße nach Beuren. Pferde galoppieren über die Koppel, am Himmel dreht ein Bussard seine Run­den. Weit schweift der Blick in Richtung Pappelallee und Tiefenbachtal sowie hinüber zu Teck und Gelbem Felsen. Doch allein von der Idylle wird niemand satt. Wer weiß das besser als die Landwirte am Albtrauf zwischen Reußenstein und Hohen­neuffen? Statt sich aber nach Milchquoten zu recken und sich von Großmolkereien unterbuttern zu lassen, halten Thomas und Melanie Rabel lieber Ausschau nach Marktlücken, kreieren Nischenprodukte beziehungsweise schwäbische Spezialitäten und verfeinern ihr Marketingkonzept.

Bereits in der Hofeinfahrt vor dem Parkplatz weist ein alter Brennkessel auf eine der drei tragenden Säulen hin, die dem Berghofbauern die Existenz sichern. Thomas Rabels erster Haupterwerbszweig ist der Obstbau. „Alles, was hier in heimischer Landschaft rund um den Hof wächst.“ Das sind die Äpfel, Birnen, Kirschen, Zwetschgen, Mirabellen und Quitten von rund 1 500 Bäumen. Sie werden entweder als hochwertiges Obst im Hofladen direkt an den Verbraucher verkauft oder zu Fruchtsäften, feinen Gelees und Fruchtaufstrichen verarbeitet, die ebenfalls zum reichhaltigen Spezialitätensortiment des Hofladens gehören. Darüber hinaus ist der Hofladen eine wahre Fundgrube für Liebhaber mehr oder weniger hochprozentiger Erzeugnisse. In den Regalen stehen Edelbrände vom Kirschwasser über das Mirabellenwasser bis hin zu Kräuterschnäpsen, der weit über die Teck hinaus und hinunter bis in die Lowlands am Neckar bekannte schwäbische Whisky im Eichenholzfass aus Weizen und Gerste, dann schwäbischer Calvados, der aus Gründen des Markenschutzes Goldapfel heißen muss, und der Häger-Sherry aus Hagebutten, um nur einige der bekanntesten Spezialitäten aus dem Hause Rabel zu nennen.

Das zweite Standbein, das die Existenz des Hofes sichern hilft, ist die Fleischproduktion. Deshalb setzt Thomas Rabel, der 1994 den landwirtschaftlichen Betrieb von seinem Vater pachtete, auf Mutterkuhhaltung. Jeweils im Frühjahr und Herbst lässt er bei Schmeck-die-Teck-Mitglied Metzgermeister Jochen Ehni in Gutenberg schlachten. Dann gibt es ab Hof auf Vorbestellung Baby-Beef und Jungbullenfleisch und im Hofladen deftige Wurst- und Schinkenspezialitäten.

Und weil aller guten Dinge drei sind, stehen im Offenstall neun Pensionspferde, die auf der Weide „hinterm Haus bis hoch zum Wald“ ihren weiten Auslauf finden.

Thomas Rabel ist ein Selbstvermarkter aus Überzeugung. Deshalb unterstützte er die Idee des Vereins „Schmeck die Teck“ von Anfang an. „Wir können mit unseren kleinparzellierten Flächen hier quantitativ nicht im internationalen Wettbewerb mithalten. Wir können aber qualitativ hochwertige Produkte anbieten, die auf kurzen Wegen zum Verbraucher kommen.“ Nicht durch Obstimporte aus Argentinien, Chile, Südafrika oder Israel lässt sich die heimische Kulturlandschaft am Albtrauf erhalten, sondern vielmehr durch die Pflege der Obstbauern. Die jedoch sind nicht besonders glücklich über das Auf und Ab der Preise. So bedauert der 42-jährige den Preisverfall bei den Äpfeln in diesem Jahr außerordentlich und befürchtet, dass viele Besitzer von Streuobstwiesen sagen „es lohnt sich nicht mehr.“ Für den umtriebigen Landwirt und Direktvermarkter kommt es deshalb darauf an, die Verbraucher für heimische Produkte zu sensibilisieren.

Der Berghofbauer ist niemand, der zu Hause hockt und auf Kundschaft wartet. Stattdessen klappert er gemeinsam mit seiner Frau Verbrauchermessen, Bauern- und Weihnachts­märkte ab, um potenzielle Kunden für die heimischen Erzeugnisse zu gewinnen. Wie zum Beispiel am kommenden Wochenende auf dem Trochtelfinger Adventsmarkt und später auf den Weihnachtsmärkten in Plochingen und Kirchheim. Im September, wenn sich die Sonne wieder flacher und früher gen Westen neigt, beginnt auf dem Berghof die Hauptsaison. „In der kalten Jahreszeit ist Hochprozentiges eher gefragt“, weiß Thomas Rabel. Dann gibt es für ihn und seine Frau viel zu tun, denn auf Weihnachten hin müssen die „Schätze aus dem Eichenfass“ sowie „Feines vom Albtrauf“ in Flaschen, Gläser und Dosen in Geschenkkistchen verpackt werden. „Die Präsentation ist wichtig“, weiß der Direktvermarkter aus Erfahrung. Deshalb gehören zur Marketingkonzeption auch Brennereiführungen, die Thomas Rabel für Gruppen bis zu 40 Personen ganzjährig nach vorheriger Anmeldung anbietet.

Dieses Weihnachtsfest werden auf dem Berghof besonders viele Kerzen brennen. Denn genau vor 50 Jahren, an Heiligabend 1958, sind Thomas Rabels Großeltern Wilhelm und Eugenie Rabel sowie seine Eltern Fritz und Ilse Rabel mit einer Handvoll Kühe vom elterlichen Betrieb in Owen hinauf auf den Berghof umgezogen. So richtig feiern will die Familie das Jubiläum aber erst im nächsten Jahr, wenn in der neuen Brennerei auf dem Hof der erste schwäbische Albdinkel-Whisky in die Flaschen läuft.

Der Verein „Schmeck die Teck“ wurde am 4. April 2001 gegründet und zählt heute über 20 Mitglieder. Vorsitzender ist Klaus Lang aus Ohmden, Geschäftsführerin Anne Rahm aus Köngen. Über sie sind weitere Informationen über den Verein zu erhalten unter der Telefonnummer 0 70 24/86 82 75 oder per Internet unter der Adresse Schmeckdieteck@web.de. Thomas und Melanie Rabel vom Owener Berghof sind unter der Nummer 0 70 21/86 19 61, Fax 0 70 21/8 60 94 78, zu erreichen oder per E-Mail: Berghof-Rabel@t-online.de. Interessenten können sich auch im Internet informieren unter www.berghof-rabel.hoffrisch.de. Der Hofladen hat zu folgenden Zeiten geöffnet: Dienstag bis Donnerstag von 14 bis 18.30 Uhr, Freitag von 10 bis 18.30 Uhr, Samstag von 10 bis 16 Uhr sowie nach Vereinbarung.

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