Lokales

Schwäbisches Moor braucht weiterhin Pflege

Das Projekt "Vernässung des Schopflocher Moors" wird dieser Tage erfolgreich fortgesetzt. Durch das Einziehen von Spundwänden soll die Austrocknung des einzigen Moores der Schwäbischen Alb verhindert werden.

ANJA WEISSINGER

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Dank einiger günstiger Umstände konnte sich in Schopfloch das einzige Hochmoor der Schwäbischen Alb bilden: In einer Art Mulde kann sich Wasser sammeln, während die Vulkanschicht verhindert, dass das Regenwasser sofort abläuft. Im Laufe der Zeit hatte sich somit eine etwa fünf Meter hohe Torfschicht gebildet, in der sich moortypische Tiere und Pflanzen tummelten. Um das Moor wirtschaftlich nutzen zu können, wurden jedoch im 19. Jahrhundert Entwässerungsgräben eingezogen. Der trockene Torf konnte so leichter gestochen und verkauft werden.

Diese Maßnahmen wurden der auf etwa zwei Meter geschrumpften Torfgrube zum Verhängnis. Die natürliche Bewaldung setzte ein und drohte bald, das ganze Moor mit seiner Artenvielfalt zu verschlucken. Deshalb wurde es im Jahre 1942 zum Naturschutzgebiet erklärt. Neben der Betreuung durch die Naturschutzverwaltung des Landes engagierte sich der Schwäbische Albverein von Anfang an für den Erhalt des Moors und konnte bereits 1931 durch den ersten Grundstückserwerb zur Erweiterung des Gebiets beitragen. In den darauffolgenden Jahren erwarb der Albverein immer wieder anliegende Privatgrundstücke. Das Gebiet rund um das Moor sollte so in eine Hand gelangen, um den Weg für Erhaltungsmaßnahmen frei zu machen. Über die kürzliche Schenkung einer angrenzenden Fläche durch die Familie Möck zeigte sich Heinz Dangel, Vorsitzender der Torfmoor-Schopfloch-Stiftung, besonders dankbar.

Die Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen unterstützte die Ziele der Stiftung ganz konkret mit einer Spende von 2 500 Euro. Dem nächsten Grundstückskauf durch den Albverein, der bereits Eigentümer wesentlicher Teile des Naturschutzgebietes ist, steht also nichts mehr im Wege.

Bereits im Jahre 2000 waren größere Eingriffe zum Erhalt des Moores notwendig: Im Rahmen eines Team-Trainings hatten Mitarbeiter der DaimlerChrysler AG die ersten Spundwände eingebaut. Wände aus Holzdielen wurden in den Boden eingebracht und sollten so das Abfließen des Wassers verhindern. Wasserstandsschwankungen und der damit verbundenen Austrocknung sollte so entgegengewirkt werden.

Um das Schopflocher Moor wieder stärker und ganzjährig vernässen zu können, ist jetzt ein weiterer unterirdischer Schutzdamm in einen ehemaligen Entwässerungsgraben eingelassen worden. Um genaue Erkenntnisse über die ideale Lage für die Dämme gewinnen zu können, waren den Bauarbeiten eine Reihe hydrologischer Untersuchungen vorausgegangen. Dabei wurde auch festgestellt, dass die Arbeiten aus dem Jahr 2000 positive Auswirkungen auf die Vegetation im Moor hatten. Der Wasserstand in den damals betroffenen Gebieten hatte sich weitgehend stabilisiert, und typische Pflanzenbestände wie zum Beispiel Torfmoos oder Wollgras hatten sich bereits vergrößert. Durch ständige Vegetationsuntersuchungen und Messungen des Wasserspiegels wird der Zustand des Naturschutzgebietes regelmäßig überwacht.

Ohne ständige Pflege wäre das Moor, das auch für typische Tierarten wie den Nassvogel Bekasine einen wichtigen Lebensraum darstellt, schon längst verloren. Um weitere Projekte zur Rettung der Torfgrube optimal auf die ökologischen Bedürfnisse des Gebiets abstimmen zu können, werden die Reaktionen des Moors auf die verschiedenen Maßnahmen beobachtet. Das 1996 gegründete Naturschutzzentrum Schopflocher Alb hat sich zur Aufgabe gemacht, das Moor auch langfristig vor Austrocknung und Verdunstung zu schützen. Bis das Moor jedoch seine ursprüngliche Gestalt wieder annimmt, wird noch sehr viel Zeit vergehen.

Unter dem Motto "Nur was man kennt, das schützt man" bietet das Naturschutzzentrum Informationsveranstaltungen, Ausstellungen und Führungen an. Nicht nur Schulklassen und Firmen, sondern auch die 20 000 jährlichen Besucher des Zentrums sollen so für den Naturschutz und vor allem für den Schutz des Schopflocher Moors sensibilisiert werden.

Die Bewahrung der ruhigen und natürlichen Atmosphäre der Moorlandschaft steht dabei im Vordergrund.