Lokales

Schwarz-gelbe Plagegeister

Dieser Tage sind besonders viele Wespen unterwegs – Nester sollte man nicht selbst entfernen

Es sirrt und summt derzeit besonders heftig: Wespen kommen sofort angeschwirrt, sobald man sich mit einem Eis in der Hand im Freien niederlässt. Ob es heuer allerdings ein ­außergewöhnlich starkes ­Wespenjahr gibt, daran ­scheiden sich die Geister.

Egal, was man derzeit im Freien genießen möchte: Meist erhält man Besuch von den ungebetenen fliegenden Gästen.Foto: Jean-Luc Ja
Egal, was man derzeit im Freien genießen möchte: Meist erhält man Besuch von den ungebetenen fliegenden Gästen.Foto: Jean-Luc Jacques

Kirchheim. Egal, ob Obstkuchen, Eis, Apfelsaft oder frisch gepflückte Pflaumen: Wer es sich dieser Tage im Freien mit Leckereien gemütlich machen will, erhält meist Besuch von zahlreichen Wespen. Gefühlte 20 der schwarz-gelben Plagegeister schwirren da plötzlich um Kuchen und Früchte und knabbern fröhlich mit. Schnell kann es dann vorbei sein mit dem beschaulichen Kaffeekränzchen im Garten. Denn viele Menschen verfallen in Panik, wenn ihnen die gefährlich anmutenden Tierchen zu nahe kommen.

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Doch gibt es in diesem Sommer tatsächlich mehr Wespen als in den Vorjahren? In dieser Frage scheinen sich auch die Experten aus der Region rund um die Teck uneins zu sein. Während Simon Hummel, Vorsitzender des Bezirksbienenzüchtervereins Kirchheim, von einem Wespenjahr spricht, hat NABU-Vorsitzender Dr.  Wulf Gatter nichts Außergewöhnliches beobachtet. „Es gibt wahnsinnige Wespenjahre. Aber ich habe den Eindruck, dass es in diesem Sommer normal ist“, sagt Wulf Gatter. Zwar sei der warme Frühling günstig für die Wespen gewesen, doch der durchwachsene Sommer habe wieder einen Strich durch die Rechnung gemacht. Zurzeit seien nur deshalb so viele der ungebetenen fliegenden Gäs­te unterwegs, weil die Wespenvölker im August traditionell den Höhepunkt ihrer Entwicklung erleben.

Simon Hummel hingegen sieht das anders: Er geht davon aus, dass es heuer mehr Wespen gibt. Das hänge damit zusammen, dass sie über den ganzen Sommer hinweg eine gute Nahrungsversorgung hatten und noch immer haben. „Wenn genug Waldhonig vorhanden ist, dann gibt es auch viele Wespen.“

Doch Wespenjahr hin oder her – nervig sind die schwarz-gelb leuch­tenden Insekten allemal. Und gefährlich können sie obendrein werden. „Sie sind aber nur dann wirklich aggressiv, wenn sie ihr Nest verteidigen. Ansonsten sind sie nicht böse, sondern nur aufdringlich“, betont Simon Hummel. Er rät dazu, den Tierchen „wenig an Nahrung anzubieten“ und nicht wie wild um sich zu fuchteln und zu wedeln, wenn sie im Sturzflug den Kuchen ansteuern. „Sie stechen, sobald sie gequetscht werden.“

Sollte es dennoch zu einem unschönen Aufeinandertreffen kommen, dann seien zwei Dinge das A  und O: „Bei einem Wespenstich ist es ganz wichtig, Ruhe zu bewahren. Denn Hektik heizt den ganzen Körper auf. Außerdem sollte man die Stichstelle kühlen“, rät Simon Hummel. Kritisch seien Stiche im Rachenbereich. Wenn hier Schwellungen auftreten, sollte man sofort einen Arzt aufsuchen. Eine Schwellung an sich deute aber noch nicht auf eine Allergie hin. Eine solche sei erst dann vorhanden, wenn zum Beispiel starker Schwindel oder Herzrasen auftreten, sich die Haut von den Händen bis zu den Füßen rot verfärbt oder wenn man mit Atemnot zu kämpfen hat. In einer solchen Situation sollte man sofort zum Hörer greifen und einen Arzt rufen.

Und was ist zu tun, wenn sich gleich ein ganzer Wespenschwarm zum Beispiel auf dem Dachboden, am Balkon oder im Rollladenkasten eingenistet hat? „In solchen Fällen werden wir Imker immer wieder angerufen, aber wir sind hier nicht die richtigen Ansprechpartner“, unterstreicht Simon Hummel.

Selbst entfernen sollte man die Nester jedenfalls nicht, denn manche Wespenarten stehen unter Naturschutz. Man kann sich aber an Spezialisten wenden, zum Beispiel Schädlingsbekämpfer. „Wir schauen zuerst, um welche Wespenart es sich handelt“, verdeutlicht der staatlich geprüfte Kirchheimer Schädlingsbekämpfer Stephan Reif. So sei etwa die Rote Wespe geschützt. In unseren Gefilden kämen aber die Deutsche und die Gemeine Wespe am häufigsten vor, fügt Stephan Reif hinzu. „Grundsätzlich sollte man – egal bei welcher Wespenart – die Nester nicht entfernen, wenn es nicht wirklich notwendig ist“, betont der Experte. Sind jedoch Kinder oder Allergiker gefährdet, dann rückt Stephan Reif den Tierchen beispielsweise mit Insektenspray zu Leibe.

Auch die Feuerwehr kann man bei störenden Wespennestern um Hilfe bitten. „Aber im Normalfall ist der Schädlingsbekämpfer zuständig“, betont Roland Schultheiß, Stadtbrandmeister der Freiwilligen Feuerwehr Kirchheim. Nur wenn unmittelbare Gefahr bestehe, zum Beispiel in Schlafzimmern, Kindergärten oder Krankenhäusern, werden die Floriansjünger tätig. „Wir versuchen immer zuerst, das Nest umzusiedeln“, erklärt der Stadtbrandmeister. „Aber das ist meistens recht schwierig.“ Denn die Insekten würden sehr aggressiv werden, wenn man ihrem Nest zu nahe kommt.

Bei der Kirchheimer Wehr hatten sich in diesem Sommer bislang nur wenige Menschen gemeldet, die mit einem Wespennest zu kämpfen hatten, berichtet Roland Schultheiß. Bei Stephan Reif hingegen gingen vor allem im Mai und Juni viele Anfragen ein. „Jetzt lässt es wieder ein bisschen nach, in der Woche haben wir zwischen 10 und 15 Anrufe. Insgesamt ist es aber ein starkes Wespenjahr.“