Lokales

Schwerpunkt: Integration junger Migranten

Der Kreisjugendring Esslingen reagiert auf die gesellschaftlichen Änderungen und die Bedürfnisse der Jugendlichen. Er schließt mit Standortgemeinden Zielvereinbarungen über die Arbeit in den Jugendhäusern ab und bezuschusst Mitgliedsverbände nach inhaltlicher Leistung. Dies geht aus dem Bericht 2006 hervor, der im Jugendhilfeausschuss des Kreistags vorgestellt wurde.

RICHARD UMSTADT

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ESSLINGEN Dem Kreisjugendring Esslingen mit seinen rund 30 Mitgliedsverbänden wurde für das Jahr 2007 im Rahmen der Haushaltsberatungen 1,536 Millionen Euro eingeräumt. Die Budgetvereinbarung sieht vor, dass der KJR einen Bericht vorlegt, der die wichtigsten Entwicklungen aufzeigt. Neu daran sind die Zielvereinbarungen, die mit den jeweiligen Standortgemeinden der Jugendhäuser getroffen werden, wie etwa zwischen dem Jugendhaus Linde und der Stadt Kirchheim.

Dieser Vereinbarung ist zu entnehmen, dass sich die Linde 2007 konzeptionell weiter in Richtung eines Mehrgenerationenzentrums entwickelt. Die Arbeit soll sowohl im Offenen Bereich, bei Schulkooperationen, Veranstaltungen und in der Gemeinwesenarbeit umgesetzt werden. "Das ist ein sehr erfolgreiches Modell", versicherte Kurt Spätling. Es sei ein absoluter Glücksfall gewesen, dass der Seniorentreff in Kirchheim auf der Suche nach einer neuen Bleibe war und im Jugendhaus fündig wurde.

Auch bietet die Linde an der Alleenschule und der Konrad-Widerholt-Schule in Kirchheim freizeitpädagogische Projekte an.

Beibehalten will das Jugendhaus laut Zielvereinbarung auch sein Angebot in Sachen Kulturarbeit. In keiner anderen Jugendeinrichtung im Kreis und in keiner anderen Kulturinstitution Kirchheims werden so viele Bands betreut und jungen Künstlern Auftrittsmöglichkeiten geboten.

Zwei Punkte hob der Geschäftsführer des Kreisjugendrings, Kurt Spätling, hervor: Zum einen werden die KJR-Mitgliedsverbände nicht mehr automatisch mit derzeit jährlich 48 000 Euro bezuschusst, sondern nur noch nach inhaltlichen Leistungen gefördert. Zum anderen will der Kreisjugendring die offene Jugendarbeit weiterentwickeln. Das bedeutet in der Praxis neben Mehrgenerationenhäusern noch mehr Kooperationen mit Schulen. "Offene Jugendarbeit muss zur lokal organisierten ganztägigen Bildung und Betreuung beitragen und dabei auch auf politischer Ebene tätig werden, dass noch mehr in Bildung investiert wird", meinte Kurt Spätling.

Mit einer kreisweiten Kompetenzwerkstatt will der Kreisjugendring dazu beitragen, Jugendlichen bereits vor der siebten Klasse Gelegenheit zu geben, mehr über ihre Interessen, Stärken und beruflichen Fähigkeiten zu erfahren. Was früher in autonomen Jugendhäusern undenkbar war, ist heute unter veränderten gesellschaftlichen Bedingungen durchaus möglich: Das Denkendorfer Jugendhaus bietet einen Benimm-Kurs an, was in Zeiten mangelnder sozialer Kompetenz für junge Menschen oft hilfreich sein kann. Ein anderes interessantes Projekt läuft zwischen dem Kreisjugendring und der Firma Putzmeister: Dort steht für die Lehrlinge im ersten Ausbildungsjahr Erlebnispädagogik auf dem Programm.

Knapp 25 Prozent aller Kinder und Jugendlichen in Baden-Württemberg haben einen Migrationshintergrund. Diese Zahlen spiegeln sich auch bei den Besuchern der Jugendhäuser im Landkreis Esslingen wider. So werden die Angebote der Offenen Jugendarbeit oft sogar vorwiegend von Jugendlichen, deren Eltern Ausländer sind, wahrgenommen. Deshalb bildet die Förderung der Integration junger Ausländer für den KJR einen Schwerpunkt der pädagogischen Arbeit, wobei er dafür eigens Leitlinien entwickelte, die die Hauptamtlichen in den Jugendhäusern verpflichten, die Grundsätze in ihrer alltäglichen Arbeit praktisch umzusetzen. Die Arbeitsleitlinien werden von Jahr zu Jahr aktualisiert.

Die Mitglieder des Jugendhilfeausschusses nahmen den KJR-Bericht lobend zur Kenntnis und begrüßten die Integrationsleitlinien. "Integration ist für uns ein sehr großes Anliegen", sagte SPD-Sprecherin Solveig Hummel. Adelheid Schlegel vom Stadtjugendring Esslingen regte an, die KJR-Mitgliedsverbände ebenfalls in die Diskussion über die Integration einzubeziehen. Professor Dr. Werner Baur unterstützte den Kreisjugendring in seinem Bemühen, eine Diskussions- und Arbeitsgrundlage zu schaffen. "Diese Leitlinien sind differenziert und tiefgreifend. Sie betreffen 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung und nicht nur Migranten". Und für Stefanie Sekler-Dengler waren die Leitlinien "längst überfällig".