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Schwierige Inhalte mit bunter Kreide illustriert

KIRCHHEIM New York, Tokio oder die Biennale in Venedig: Rudolf Steiners Wandtafelzeichnungen können seit Jahren auf eine beachtliche

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FLORIAN STEGMAIER

internationale Rezeption zurückbli-

cken. Bevor die Werke, die zuletzt in Rom zu sehen waren, Richtung Moskau weiterziehen, machen sie bis Sonntag, 6. März, auf Einladung des Kunstvereins Kirchheim in der Städtischen Galerie im Kornhaus Station.

Wenn auch Kirchheim erst noch am Status einer Weltstadt arbeitet, muss es jedoch zumindest in diesem Kontext keine Vergleiche mit diversen Metropolen scheuen, zeigte sich doch kein geringerer als Dr. Walter Kugler, Leiter des Dornacher Rudolf-Steiner-Archivs, in seiner Einführungsrede von der Qualität der Hängung und dem Ambiente der Galerie nachhaltig beeindruckt. In mehr als 5000 Vorträgen widmete sich Rudolf Steiner (1861-1925) einer breiten Palette von Themen: Wissenschaft, Kunst, soziale Frage, Medizin, Päda-gogik, Architektur und Landwirtschaft. Wenn er in diesen stets frei gehaltenen Vorträgen zu begrifflich schwer fassbaren Inhalten vorstieß, griff er gern zu farbigen Kreiden, um seine Gedanken auf einer großen Wandtafel zu illustrieren. Nach dem Vortrag wurden die Zeichnungen gelöscht und waren damit unwiderruflich verloren allerdings nicht alle. Ab Herbst 1919 wurde die Tafel mit schwarzem Papier bespannt, die Zeichnungen fixiert und aufbewahrt. So verfügt das Steiner-Archiv in Dornach heute über 1000 Zeichnungen, in denen Steiners kreative Art zu denken unmittelbar visuell erfassbar wird.

Dem Anspruch verpflichtet, dass eine Galerie vor allem ein lebendiger Ort sein soll, ein Ort der Begegnung und des Austauschs, konzipierte der Kirchheimer Kunstverein ein an den Inhalten der Ausstellung orientiertes Begleitprogramm, das mit der Vernissage, die mit einem Grußwort von Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker eröffnet wurde, seinen Anfang nahm. Die gut 200 Besucher, die zur Ausstellungseröffnung nach Kirchheim gekommen waren, kamen neben der profunden und lebendigen Einführung durch Dr. Walter Kugler auch in den Genuss zweier künstlerischer Uraufführungen, die direkt auf Wandtafelzeichnungen Steiners Bezug nahmen. Gemeinsam mit Sprecherin Maria Livas nahmen Jürgen Schmitt (Klavier und Komposition) und Vera Koppehel (Eurythmie) auf die Zeichnung "Am Anfang war die Wärme" künstlerischen Bezug, die die kosmische Formverwandlung und die Entstehung der vier Elemente thematisiert. Die Zeichnung "Sterne sind Ausdruck der Liebe" hatte den Würzburger Komponisten Jürgen Schmitt, der auch als Live-Elektroniker in Erscheinung tritt, zu einer zweiten Komposition inspiriert, die er als Pianist gemeinsam mit Susanne Pfitsch-ler-Schmitt (Sopran) und Nicole Müller (Harfe) als Abschluss der Vernissage in Kirchheim uraufführte. Auch über die Eröffnung hinaus werden weitere Veranstaltungen die Ausstellung beleben.

Nach der vom Literaturbeirat der Stadt veranstalteten literarisch-musikalischen Soirée mit Dr. Bernhard Moosbauer am Mittwoch, 16. Februar, wird am Freitag, 25. Februar, um 19.30 Uhr Johannes Stüttgen, langjähriger Weggefährte von Joseph Beuys, einen Vortrag in der Galerie halten und dabei selbst an der Wandtafel arbeiten. Tags darauf ist ganz dem Gedanken der sozialen Plastik verpflichtet ein gemeinsames Seminar im Beuys-Raum der Staatsgalerie Stuttgart geplant.

Am Samstag, 5. März, ist um 17.30 Uhr der Buchautor Wolfgang Zumdick zu Gast, der sich auf kreative Art der vielfältigen Steiner-Rezeption nähert. Zum selben Termin wird auch Dr. Walter Kugler durch die Ausstellung führen. Eine weitere Führung und Bildbetrachtung mit dem Maler und Kunstpädagogen Henning Hauke beginnt am Sonntag, 20. Februar, um 14 Uhr.