Lokales

Schwitzen für blaue Kalkastern und rotflügelige Ödlandschrecken

Schon von weitem sichtbar wiesen lodernde Flammen am Fuß des Grünenbergs in Gutenberg am Samstag den Weg. Zum vierten Mal waren Freiwillige dazu aufgerufen, an einem Landschaftspflegetag im Naturschutzgebiet "Oberes Lenninger Tal" mit anzupacken. Ziel war unter anderem, Biotope zu sichern.

ANKE KIRSAMMER

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LENNINGEN Rund 35 Helfer fanden sich zusammen, um den Südhang oberhalb der alten Römerstraße am Ortsrand von Gutenberg von Gestrüpp und Eschen zu befreien. Bereits im Frühjahr hatten Forstleute Vorarbeit geleistet, indem sie den teils recht stämmigen Bäumen auf dem rund 100 Meter langen und 30 Meter breiten Streifen mit Motorsägen zu Leibe gerückt waren. "Die Eschen sind kaum totzukriegen", erklärte Revierförster Wulf Gatter vor Ort. Deshalb hatten die Waldarbeiter beim Absägen einen Stumpf von einem halben Meter stehengelassen; in der nächsten Vegetationsperiode im kommenden Jahr sollen die neu austreibenden Baumstümpfe dann vollends gekappt werden.

Am Samstag galt es für die Helfer, die Ärmel hochzukrempeln und die kreuz und quer herumliegenden dicken Äste sowie Gestrüpp in die Flammen zu werfen, um die überwucherte ehemalige Heidefläche am Grünenberg nicht völlig dem Wald zu überlassen. "Wenn jetzt nicht gründlich beweidet wird, wächst alles wieder zu", sagte Gatter. Optimal wäre, künftig Ziegenherden einzusetzen. Nur so kann der artenreiche Lebensraum offengehalten und langfristig gesichert werden.

Mobilisieren ließen sich zwar nicht ganz so viele Helfer wie bei früheren Aktionen, doch packten neben Angestellten des Lenninger Bauhofs, Mitarbeitern des Forstamtes und dem CDU-Bundestagsabgeordneten Michel Hennrich wieder Mitglieder der Naturschutz-Volunteers-Gruppen an, außerdem beteiligten sich Mitglieder der örtlichen Freiwilligen Feuerwehr, von Vereinen und Verbänden sowie Bürger aus ganz Lenningen. Beim Blick in die Runde machte Rathauschef Michael Schlecht die "üblichen Verdächtigen" aus Leute, die stets zur Stelle sind, wenn es in der Gemeinde etwas zu tun gibt.

Bereits seit 1996 veranstaltet das Naturschutzzentrum Schopflocher Alb im Rahmen seines Jahresprogramms einen Landschaftspflegetag in einem der betreuten Naturschutzgebiete. Mit zu den Organisatoren am Samstag gehörten die Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege (BNL) Stuttgart, die Gemeinde Lenningen und das Staatliche Forstamt Kirchheim, unter anderem vertreten von Amtsleiter Walter Hegelau. Seit 2001 wurde Jahr für Jahr ein anderer Teil des "Oberen Lenninger Tals" im Rahmen eines Landschaftspflegetags "beackert". Tiefental, Grünenberg, Seeberg/Winterhalde lauteten die bisherigen Einsatzorte. Das "Obere Lenninger Tal" gehört mit einer Größe von 600 Hektar zu den stattlichsten im Regierungsbezirk Stuttgart. Das Areal ist unter Schutz gestellt, um ein zusammenhängendes, naturnahes Talsystem mit verschiedenartigen Lebensräumen und einer Vielzahl seltener und zum Teil stark gefährdeter Tier- und Pflanzenarten zu erhalten. Große Bedeutung kommt dem "Oberen Lenninger Tal" auch auf Grund seiner Felsen, Höhlen und Karstquellen zu.

"Sie haben es sich als Ehrenamtliche zum Anliegen gemacht, umzusetzen was in Verordnungen auf dem Papier steht", hatte Landrat Heinz Eininger während der Begrüßung morgens vor der Gutenberger Schlossberghalle gesagt. "Wir brauchen Sie für den Landschafts- und Naturschutz." Für das kommende Jahr kündigte er einen Arbeitseinsatz am Schopflocher Torfmoor an, dennoch sei es wichtig, dass es auch im "Oberen Lenninger Tal" weitergehe, sonst greife die Verbuschung Platz.

Dass es nicht einfach wird, in Zukunft Leute zu finden, die ausgwiesene Naturschutzgebiete pflegen, machte Michael Schlecht klar und hielt mit seinem Unmut über das Vorgehen von Regierungspräsidium und BNL in Bezug auf das östlich des Ortsrandes von Oberlenningen liegende Tobeltal nicht hinterm Berg. Beabsichtigt ist dort bereits seit Jahren die Ausweisung eines Naturschutzgebietes "Tobeltal mit Mittagsfels und Wielandstein", um die einzigartige Felsformation unter Schutz zu stellen und das Tal in seiner Schönheit zu erhalten, wie es in einer Erklärung des Regierungspräsidiums dazu heißt.

Am Samstag war allerdings erst einmal Muskelkraft gefragt zur Erhaltung des typischen Landschaftsbildes sowie für die Sicherung und Pflege von Biotopen gefährdeter Tier- und Pflanzenarten. "Das ist hier der einzige richtige Südhang mit sehr heißem Mikroklima im Lenninger Tal", betonte Wulf Gatter. Nur wenn es am Grünenberg wieder offene Magerrasenflächen gibt, können sich dort beispielsweise die selten gewordenen rotflügeligen Ödlandschrecken oder Kalkastern ansiedeln.

Wie die vor zwei Jahren gerodete angrenzende Fläche beweist, lassen die nur noch selten zu findenden leuchtend blauen Blumen nicht lange auf sich warten, wenn die Bedingungen stimmen.