Lokales

Segensreiche Einrichtung im Sichtschatten

"Wichtige Dinge stehen nicht immer im Mittelpunkt der öffentlichen Wahrnehmung", stellte Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker im Blick auf eine Einrichtung fest, die ohne viel Aufhebens, aber mit entsprechend großem ehrenamtlichen Engagement seit immerhin fünf Jahren schon eine ungemein wertvolle Dienstleistung erbringt, die vielen Menschen mit kleinem Einkommen den Lebensalltag erleichtert.

WOLF-DIETER TRUPPAT

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KIRCHHEIM Die Klientel dieser für viele eher im Sichtschatten operierende Einrichtung weiß es gewiss zu schätzen, dass nicht allzu viel Aufhebens gemacht wird um den Tafelladen in der Osianderstraße 32, der seit immerhin einem halben Jahrzehnt von einem engagierten Mitarbeiterstab am Leben erhalten wird, der zum Teil schon von der Gründungszeit mit größtem Engagement dabei an "Ehrenamtlichkeit" wohl kaum zu überbieten ist. Telefon- und Fahrtkostenentschädigungen sind für die rund zwei Dutzend ehrenamtliche Helferinnen und Helfer des Kirchheimer Tafelladens genauso wenig ein Thema wie irgendwelche anderen finanziellen Vergütungen.

Wer sich im Projekt Tafelladen engagiert, tut das nicht nur freiwillig und voller Überzeugung, sondern vor allem auch gerne. Die immer wieder deutlich spürbare Dankbarkeit der Menschen, denen sie helfen können, ist vielen im TafelladenTeam Lohn genug und stets sich erneuernde Motivation, das ehrenamtliche Engagement weiter zu pflegen.

Dass die Initiatoren der auch durch Spenden der Teckboten-Weihnachtsaktion 1999 / 2000 unterstützten segensreichen Einrichtung sehr viele Gäste der "Geburtstagsfeier" persönlich kannten, war ein wichtiger Indikator des Erfolgs eines Projekts, das unter guten Rahmenbedingungen aus der Taufe gehoben, sich auch heute noch unter deutlich erschwerten Bedingungen behaupten kann. Die an die offizielle Danksagung im Vortragssaal der Kirchheimer Stadtbücherei sich anschließende Einladung zu einem gemeinsamen Abendessen war eine gerne angenommene, aber doch vergleichbar bescheidene Geste für das, was durch ehrenamtliches Engagement auf diesem nicht unbedingt zum Besseren sich wandelnden Sektor immer wieder aufs Neue geleistet wird.

In ihrem Rückblick erinnerte Oberbürgermeisterin Matt-Heidecker an die angesichts freigewordener DRK-Räume im Technischen Zentrum im Jahr 1997 angestellten Überlegungen eines Gemeinschaftsprojekts von Stadt und Deutschem Rotem Kreuz. Das daraus in der Osianderstraße entstandene Projekt "Tafelladen" bezeichnete sie als ein Beispiel dafür, wie eine Kommune, freie Träger der Wohlfahrtspflege beziehungsweise der Kirche gemeinsam mit Wirtschaft und Handel "eine gute Sache auf den Weg bringen und so benachteiligten Mitbürgerinnen und Mitbürgern ihre Lebensbewältigung erleichtern können".

Der im Jahr 2000 als DRK-Kreisgeschäftsführer für die Einrichtung des Tafelladens in verantwortlicher Position tätige Erich Hogen schloss sich dem Dank der Oberbürgermeisterin an die ehrenamtliche Helferschaft an. Er hob ganz besonders hervor, dass das Projekt "Tafelladen" neben der bei der Feierstunde durch Diakon Hug vertretenen katholischen Gesamtkirchengemeinde vor allem auch auf breiter Basis von der Bevölkerung im Verbreitungsgebiet des Teckboten mitgetragen wurde, was ein aus der Weihnachtsaktion 1999 / 2000 resultierender Spendenbetrag von genau 52 682,10 Mark deutlich macht. Gemeinsam mit Mitteln der Stiftung der Kreissparkasse konnte damit eine solide Basis für den Start eines Projekts gelegt werden, das auch im fünften Jahr seines Bestehens nichts an seiner Erforderlichkeit eingebüßt hat im Gegenteil.

Das an den offiziellen Teil sich anschließende Gespräch machte deutlich, wie viele Schwierigkeiten von den ehrenamtlichen Mitarbeitern immer wieder aufs Neue geschultert werden müssen, wie rasch sich bislang höchst erfreuliche Rahmenbedingungen plötzlich umkehren können und wie sehr immer wieder das uneigennützige Engagement der vielen Helferinnen und Helfer gefragt ist und immer wieder auf neue Proben gestellt wird. Dass die räumliche Enge des Tafelladens dem sich verstärkenden Ansturm von auf dieses preisgünstige Lebensmittelangebot angewiesenen Menschen kaum mehr standhalten kann, während in vielen Randbereichen der Stadt geeignete Flächen brachliegen, war den ehrenamtlich Engagierten ein wichtiges Thema. Gerne würden sie der räumlichen Enge im "Körble" entkommen und in eines der vielen leerstehenden Ladengeschäfte umziehen, doch ist ihnen klar, dass ihr berechtigter Wunsch nach besseren Arbeitsbedingungen nicht so schnell verwirklicht werden kann.

Bei aller Zufriedenheit über das Erreichte waren sich Initiatoren und ehrenamtlich Engagierte bei der Feierstunde gleichermaßen einig in der Überzeugung, dass ihre Arbeit wichtiger ist denn je und daher im Interesse der von finanziellen Nöten Betroffenen auch weitaus mehr Unterstützung erfahren sollte, als die bislang schon erfolgreich mit eingebundenen Lebensmittellieferanten und engagiert das Projekt Tafelladen unterstützende Einzelpersonen möglich erscheinen lassen.

INFODer Kirchheimer Tafelladen "'s Körble" in der Osianderstraße 32 ist dienstags, donnerstags und freitags jeweils von 10 bis 12 und 15 bis 17 Uhr geöffnet.

Das dort zu günstigen Preisen unterbreitete Warenangebot stammt von Herstellern und Großhändlern, die ihre Waren entweder kostenlos oder zu günstigen Konditionen zur Verfügung stellen. Dazu gehören beispielsweise Brot und Kuchen des Vortages oder auch übriggebliebene oder zu viel bestellte Lebensmittel. Ansprechpartnerin ist Anjela Zajak, Telefon 0 70 21 / 73 40 06.