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"Sehen, wo die untere Schmerzgrenze liegt"

Kostengünstiges Bauen mit reduzierten Bauplatzpreisen, so das Konzept der Stadt Weilheim für das Gelände der ehemaligen Geflügelschlachterei auf dem Egelsberg. Ob sich das Projekt realisieren lässt, hängt jedoch wesentlich von den finanziellen Erwartungen des Eigentümers, der Firma Wiesenhof, ab.

ANKE KIRSAMMER

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WEILHEIM "Bei dem Gebiet handelt es sich um keine eins-a-Lage", machte Weilheims Bürgermeister Hermann Bauer in jüngster Gemeinderatssitzung zum wiederholten Mal deutlich. Der Grund: Der in 650 Metern Entfernung vorbeirauschende Verkehr auf der Autobahn ist auf dem ehemaligen Gelände der Geflügelschlachterei auf dem Egelsberg unüberhörbar, gemessen wurden rund 50 Dezibel. Hinzukommt die Belastung durch die Schnellbahntrasse. Damit das Areal als Wohngebiet ausgewiesen werden kann, müssten die Werte nachts um fünf Dezibel niedriger sein. Zu erreichen wäre dies unter anderem durch einen vier Meter hohen Lärmschutzwall auf der Westseite. Trotz dieser Hürden: Verwaltung, Gemeinderat und Anlieger wollen die Chance ergreifen und das bislang gewerblich genutzte Areal am Katzensteigle entsprechend der angrenzenden Bebauung in ein Wohngebiet umwandeln.

Um ein erstes Konzept für eine künftige Nutzung zu bekommen, hatte die Stadt der Landsiedlung Baden-Württemberg einen Untersuchungsauftrag erteilt. Das Papier soll der Verwaltungsspitze nun als Basis für die Verhandlungen mit der Firma Wiesenhof dienen. "Wir müssen sehen, wo die untere Schmerzgrenze liegt", so Hermann Bauer.

Christl Haslimann, Abteilungsleiterin Kommunaldienstleistungen, schickte der Vorstellung der Entwürfe voraus: "Das Gebiet wird sich wohl nicht so einfach vermarkten lassen"; das sei das Ergebnis einer Befragung umliegender Bauträger. Sie zeigte sich aber überzeugt davon, dass bei einer "durchdachten Lösung" unter anderem mit einer nach Süden ausgerichteten Wohnseite der als Doppel- beziehungsweise Reihenhäuser konzipierten Gebäude eine ordentliche Wohnqualität erreicht werden könnte.

Die erste Variante sieht die ausschließliche Umwandlung des bestehenden, 1,8 Hektar großen Gewerbegebiets der Geflügelschlachterei in eine Wohnbaufläche mit flexibel einteilbaren Grundstücken vor. 32 Prozent des Gebiets würden dabei für Verkehrsflächen und einen Lärmschutzwall benötigt. Als Manko dieses Konzepts machte Rathauschef Bauer allerdings die Frage der Wirtschaftlichkeit aus, verschlinge doch der Abbruch der bestehenden Gebäude einen ordentlichen Batzen. Damit sich das Projekt für die Stadt lohnt, müsste sie Hermann Bauer zufolge noch eigene Grundstücke dazugeben. Denkbar wäre entsprechend einer zweiten Variante die Erweiterung des Gebiets um 0,6 Hektar städtischer Fläche im Anschluss an das vorhandene Wohngebiet am Katzensteigle. Zwar wären hier ein weiterer Lärmschutzwall sowie die Änderung der bestehenden Landschaftsschutzgrenze unabdingbar, doch geht die Verwaltung bei den Grundstücken von einem höheren Erlös aus.

Eine noch größere Lösung wäre Variante drei, die neben der Hinzunahme der städtischen Fläche noch eine Erweiterung um einen rund

90 Meter breiten Streifen im Nord-Westen der Geflügelschlachterei vorsieht. Besitzer dieses Geländes ist die WLZ.

Wie die Stadtverwaltung mitteilte, wurden dem Ratsgremium in der anschließenden nichtöffentlichen Sitzung Modellrechnungen vorgestellt. Der Gemeinderat beauftragte die Verwaltung, Erwerbsverhandlungen mit der Firma Wiesenhof aufzunehmen und fällte den Beschluss, für die Umnutzung des Geländes der Geflügelschlachterei keine Haushaltsmittel auszugeben. Käufer der Grundstücke soll deshalb die Landsiedlung sein. Je zur Hälfte würden sich Stadt und Landsiedlung das Risiko der Vermarktung sowie einen möglichen Ertrag teilen.

Ob das Projekt überhaupt weiterverfolgt wird, hängt allerdings wesentlich vom Kaufpreis des Wiesenhof-Geländes ab.