Lokales

Sehenswerte Brücke zwischen Geschichte und Natur

Per Reisebus machten sich vierundzwanzig Mitglieder der VfL Tennisabteilung auf zu einer Reise in die nach der Wiedervereinigung vom Zonenrandgebiet nunmehr in die Mitte Deutschlands gerückte Rhön.

KIRCHHEIM Eine bemerkenswerte Brücke zwischen Geschichte und Natur schlägt die vormalige Grenze zwischen BRD und DDR. Wie eine Perlenschnur erstreckt sich ein bedeutender Teil des jetzt nur noch "Grünen Bandes" mitten durch die Rhön. Jetzt noch mehr ein "Land der offenen Fernen", wie ein Heimatdichter die Rhön bezeichnete.

Anzeige

Allerdings war das mit den "offenen Fernen" an diesem Wochenende mehr ein Wunschtraum, da das Wetter keine allzu weite Sicht zuließ. Dies war kein Stimmungskiller. Weder bezüglich der wirklich sehenswerten Landschaften noch bezüglich der sehr homogenen Truppe, deren gute Laune den Ausflug auch in diesem Jahr zu einem Erfolg werden ließ. Waren doch die meisten Teilnehmer zum ersten Mal in der Rhön, einer einzigartigen Kulturlandschaft, die weltweit ihresgleichen sucht. 1991 wurde sie von der UNESCO als Biosphärenreservat unter besonderen Schutz gestellt. Biosphärenreservate sind Landschaften, in denen die Natur nicht vor dem Menschen geschützt wird, sondern für den Menschen. Und in der Tat ist die Rhön ein überaus menschenfreundliches Land. Hier ist der Mensch noch ein Teil der Natur, die ihn umgibt und nicht ihr Feind.

Heute ist die Rhön das Mittelgebirge in der geografischen Mitte Deutschlands. Jahrhundertelang wurde hier nachhaltig Landwirtschaft betrieben. Daneben findet man aber auch urwüchsige Landstriche oder abgelegene, noch immer ganz und gar unberührte Moore sowie Tier- und Pflanzenarten, die anderswo längst ausgestorben sind. Ein Beispiel ist das Rhönschaf, eine der ältesten und schönsten deutschen Schafrassen, die sich ausgezeichnet für die Beweidung auf der Hochrhön eignet. Diese Landschaft mit ihren attraktiven Ausflugszielen und Sehenswürdigkeiten wie Kreuzberg, Point Alpha, Schwarzes Moor und Wasserkuppe zu sehen und auch zu erwandern, war das Ziel der Tennisfreunde.

Als Erstes wurde der Kreuzberg angesteuert. Gegen die Mittagszeit konnte man die ersten Schritte vom Parkplatz bis zum Franziskanerkloster hinauf noch trockenen Fußes gehen. Doch auf dem Weg vom Kloster und zum 928 m hohen Kreuzberg (höchster Berg der südlichen Rhön) war dann der Schirm als ständiger Begleiter gefragt. Der Kreuzberg gehört noch zur Bayerischen Rhön, er ist mit seinen drei Kreuzen ein Golgatha in Bayern und wird auch der "Heilige Berg der Franken" genannt. Der Würzburger Bischof Julius Echter ließ 1582 ein neues Kreuz auf dem Berg errichten und übertrug dem Franziskanerorden die Betreuung der Kreuzberg-Pilger. Dieser baute zuerst eine Kapelle und später eine Wallfahrtskirche. Wer den Kreuzberg selbst zu Fuß erklimmt, dem scheint die Errichtung einer Brauerei unterhalb des Gipfels durchaus nahe liegend. Zu dieser Überzeugung gelangten auch die Franziskaner im Jahr 1731. Mitunter gab es auch Streitereien zwischen Krug und Kruzifix, doch die Mönche meisterten auch diesen Spagat.

Nach der notwendigen Vesper- und Trinkpause fuhr man dann weiter Richtung Rasdorf zur ehemaligen Zonengrenze, wo bereits eine Führung durch das Grenzmuseum und weiter bis zur Gedenkstätte "Point Alpha" vorgebucht war. Point Alpha war der US-Militärstützpunkt und Beobachtungsposten am heißesten Punkt im Kalten Krieg zwischen Rasdorf und Geisa. Das Mahnmal jüngster deutscher Geschichte wurde am 50. Jahrestag des Volksaufstandes vom 17. Juni 1953 eröffnet, gegen das Vergessen sowie zur Mahnung und zum Gedenken.

Nach diesem Exkurs in die Vergangenheit der Teilung Deutschlands, brachte der Bus die Reisegruppe in den Luftkurort Poppenhausen im Naturpark Rhön. Dort war die Übernachtung für beide Tage gebucht. Obwohl alle ihre Teller ordentlich ausgegessen hatten, war der nächste Morgen doch wieder sehr grau. Trotzdem ging es in die Hochrhön zum Schwarzen Moor und auf die Wasserkuppe. Am Schwarzen Moor empfing die Kirchheimer ein kompetenter Führer. Auf den Bohlenwegen durch das Moor informierte er zwei Stunden lang mit vielen Details über das Moor im Allgemeinen sowie über die Tiere und Pflanzen vom Wollgras bis zum sehr unscheinbar auftretenden Fleisch fressenden (Insekten) Sonnentau. Aufgrund der etwas feuchten Wetterlage traf man eine typische Moorlandschafts-Stimmung an. Modrige Nebelschwaden hingen über den grün-braunen Moosen und zwischen den vereinzelt stehenden Birken, Wasser plätscherte und gluckste leise. Im Übrigen erfuhren die Tennisfreunde, dass das Schwarze Moor auf einer Höhe von etwa 800 Meter liegt, dort eine Jahresdurchschnittstemperatur von rund vier Grad herrscht, und dass es dort etwa 150 Nebeltage im Jahr gibt. Das Schwarze Moor, ist über 10 000 Jahre alt und eines der letzten weitgehend unberührten Hochmoore in Mitteleuropa.

Nach einer Einkehr im vor zehn Jahren von einem Bauernhof zu einer rustikalen Wanderraststätte umgebauten Rhönhof, ging es weiter mit dem Bus, mit einem kurzen Stopp an der Fuldaquelle, hinauf zur Wasserkuppe. Auch auf der 950 Meter hoch gelegenen Wasserkuppe gab es eine Nebelsuppe. Nur mühsam konnte auf dem Weg vom Parkplatz Richtung Gipfel das seit 1923 auf der Wasserkuppe aufgestellte Fliegerdenkmal gesichtet werden. Die Wasserkuppe gilt als die Wiege des Segelflugs. Nach der im Jahr 1909 stattgefundenen ersten Internationalen Luftfahrtausstellung in Frankfurt-Main, gründeten Studenten aus Darmstadt eine Flug-Sport-Vereinigung und bauten selbst Hängegleiter. Zwei Jahre später entdeckten sie die Wasserkuppe als Versuchsfeld und stellten 1912 den ersten Streckenweltrekord von 840 Metern in knapp zwei Minuten auf. Ein gemütlicher Abend mit Harmonika und Heimatliedern aus der Rhön beschloss diesen ereignisreichen Tag.

Die Heimreise führte über die historische und traditionsreiche Stadt Fulda. Auch hier brachte eine Stadt- und Schlossführung den Reiseteilnehmern die Stadt näher. Keimzelle der Stadt war das Benediktinerkloster, welches 744 im Auftrag von Bonifatius (ursprünglich Winfried) gegründet wurde. Im Jahre 1019 erhielt die Siedlung, die um das Kloster entstanden war, das Marktrecht und 1160 eine starke Befestigung. Bereits 1157, anlässlich eines Besuches von Kaiser Barbarossa, erhielt der Marktflecken die Stadtrechte. Im 18. Jahrhundert begann eine umfangreiche Bautätigkeit. Aus dieser Zeit stammen die Gebäude, die heute den besonderen Reiz des Barockviertels ausmachen.

ak