Lokales

Sehenswerte Kunst trifft fairen Konsum

Kirchheimer Gymnasiasten präsentieren im Weltladen ihre künstlerische Annäherung an Max Ernst

Eine Entdeckungsreise für alle Sinne verspricht ein Besuch im Kirchheimer Weltladen in den nächsten beiden Wochen. Unter dem Titel „Anders als Andere“ zeigen Schüler des Ludwig-Uhland-Gymnasiums und des Schloss-Gymnasiums dort ihre Annäherung an Max Ernst – Schwerpunktthema im Kunstunterricht des Neigungsfachs „Bildende Kunst“ der Jahrgangsstufe 12.

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MICHAEL KRAFT

Kirchheim. „Kunst hat mit Geschmack nichts zu tun. Kunst ist nicht da, dass man sie schmeckt.“ Das Zitat wird Max Ernst (1891 bis 1976), prominenter deutsch-französischer Künstler des Dadaismus und Surrealismus, zugeschrieben.

Mit Verlaub: Der Künstler irrt. Wäre er bei der Vernissage im Kirchheimer Weltladen dabei gewesen, wäre sein Urteil über den Zusammenhang von Kunst und Geschmack vermutlich anders ausgefallen. Dort verband sich am Freitagabend die eindrucksvolle Ästhetik das Ernstschen Kunstbegriffs mit dem Duft von fair gehandeltem Kaffee aus Kolumbien, aromatischen, sonnengetrockneten Mangos von den Philippinen und dem Geschmack von regional und ökologisch produziertem Birnensekt von der Schwäbischen Alb zu einem Gesamtkunstwerk, einem eindrücklichen Erlebnis für alle Sinne.

Seit etwas mehr als sieben Jahren gibt es den Weltladen, das Fairhandels-Fachgeschäft des Kirchheimer Eine-Welt-Vereins in der Dettinger Straße. Selten aber dürfte man den Weltladen so voll erlebt haben wie an diesem Abend. Die Besucher sorgten bei der Ausstellungseröffnung von „Anders als Andere“ für drangvolle, interessierte, lebendige Enge und das Gefühl, gerade mitten in einer gut besuchten Kunstgalerie zu sein.

„Natur“ ist das eine große Thema, zu dem die Gymnasiasten in den vergangenen Monaten im Kunstunterricht gearbeitet haben, „Konsum und Alltagswirklichkeit“ ist das andere. Ihre Arbeiten präsentieren sie zwei Wochen lang in dem Ladengeschäft in der Dettinger Straße. „Warum gerade im Weltladen?“ Diese Frage stellte Songard Dohrn, Vorsitzende des Kirchheimer Eine-Welt-Vereins, den Gästen und schlug den Bogen von Konsum zu Alltagswirklichkeit gleich selbst: „Wer im Weltladen einkauft, denkt nicht an schnell, viel und billig konsumieren, es geht vielmehr da­rum, durch den Kauf der Waren die Lebens- und Arbeitsbedingungen unserer Produzenten im Süden zu verbessern und sich mit der Problematik weltweiter wirtschaftlicher Ungerechtigkeit auseinanderzusetzen.“ Da passe das Thema der Jugendlichen aus den Kirchheimer Gymnasien ganz wunderbar, befand Songard Dorn und freute sich über das, was die Kunstwerke der Jugend zum Erscheinungsbild des Weltladens in den nächsten beiden Wochen beitragen: „Toll sieht er aus, ein richtiger Hingucker – ich bin begeistert.“

Erläuterndes zu den ausgestellten Kunstwerken steuerte Fabian Meisriemler für alle seine Mitschüler zur Ausstellungseröffnung bei. Im Abklatschverfahren, der sogenannten Monotypie, sind die Landschaftsgemälde entstanden, die jetzt im Weltladen zu sehen sind. Decollagen sind der zweite große Themenbereich, eine künstlerische Technik der 1950er- und 1960er-Jahre, die typisch ist für die Arbeitsweise von Max Ernst. Dabei werden von Passanten bereits zerstörte Plakate aus dem öffentlichen Raum in Streifen und Fetzen abgerissen und als Ausgangsmaterial für die Herstellung von Kunstwerken verwendet. Vor allem diese Decollagen, farbig, ausdrucksstark, bildgewaltig, voller unerwarteter und ungewöhnlicher Assoziationen, dürften in den folgenden beiden Wochen einige besonders interessierte Blicke der Besucher im Weltladen auf sich ziehen.