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"Seid fruchtbar und mehret euch . . ."

Grund zum Frohlocken sah vor allem die Kirchheimer Frauenliste beim Thema "Personalsituation an Kindergärten". Schließlich hatte sie den heftigen gemeinderätlichen Schlagabtausch selbst angezettelt. Die Hitzigkeit der Debatte mochte überraschen, weniger das Ergebnis: Zunächst bleibt alles beim Alten. Mit der Fortschreibung des Kindergarten-Entwicklungsplanes soll erst mal eine Strategie festgelegt werden.

IRENE STRIFLER

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KIRCHHEIM Stein des Anstoßes war im Frühjahr elterlicher Ärger über die Tatsache gewesen, dass in Lindorf Kindergartengruppen langfristig mit einer genehmigten Überbelegung von 30 Kindern arbeiten müssen bei 1,7 Erzieherinnen pro Gruppe. Im Ratsrund gefordert wurde aus diesem Anlass eine Auflistung aller möglicherweise mit Problemen behafteten Kindergartengruppen. Diesem Auftrag ist die Verwaltung zwischenzeitlich nachgekommen. Sie legte eine Zusammenstellung der Einrichtungen vor, deren Gruppen mehr als 25 Kinder aufweisen oder deren hoher Anteil an Kindern unter vier Jahren Schwierigkeiten vermuten lässt.

Dass Kirchheim im Vergleich zu anderen Kommunen ganz gut dastehe, betonte Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker angesichts der vorgelegten Zahlen. "Bei Fortschreiben des Planes müssen wir uns überlegen, ob wir mit einem höheren Betreuungsschlüssel auf veränderte Anforderungen reagieren oder die maximale Kinderzahl reduzieren" meinte sie: "Das kann kein Schnellschuss sein."

Schließlich geht es beim Thema Kinder auch ums Thema Geld. Um Ungerechtigkeiten im Vergleich der Gruppen und Stadtteile zu vermeiden, empfahl Matt-Heidecker, in Lindorf vorerst alles beim Alten zu belassen. Eine 400-Euro-Kraft, wie sie bei der letzten Diskussion angeregt worden sei, könne nicht im Interesse der Eltern sein. "Das sind 1,8 Stunden am Tag", rechnete Matt-Heidecker das Stundenbudget auf Arbeitstage um.

Marianne Gmelin (SPD) forderte grundsätzlich mehr Flexibilität für die Verwaltung. Bei der nächsten Planfortschreibung solle dann mit mehr Personal oder Gruppenreduzierung reagiert werden. Gmelin beantragte, die 12 000 Euro, die durch die kurzfristig erfolgte Streichung der Lindorfer Vormittagsgruppe nicht mehr benötigt wurden, für Personalbereitstellung in allen problematischen Gruppen zu nutzen. Siegfried Pöschl von der CDU stellte den Antrag, doch gezielt eine 400-Euro-Kraft bis zu den Sommerferien für Lindorf einzustellen, um dort die Situation zu entschärfen. Weiter müsse generell eine Gruppenstärke mit maximal 25 Kindern angestrebt werden.

Die Folgen einer solchen Gruppenreduzierung näher zu untersuchen forderte Ralf Gerber von den Freien Wählern. Er verteidigte die Oberbürgermeisterin gegen den Vorwurf, zu wenig in Kindergärten und Schulen zu investieren. Eine 400-Euro-Kraft einzustellen sei im Hinblick auf den Grundsatz der Gleichbehandlung keine Lösung, "denn dann machen wir ein Fass auf".

Grundsätzlich erfreut über den Lindorfer Kindersegen zeigte sich CIK-Vertreter Wolfgang Schuler und fühlte sich zu einem der bekanntesten Bibelzitate animiert: "Seid fruchtbar und mehret euch." Um den Kindersegen städtischerseits zu unterstützen, sprach er sich für eine Gruppenreduzierung auf 25 aus und gleichzeitig dafür, die Elternbeiträge komplett abzuschaffen.

Dr. Silvia Oberhauser von der Frauenliste freute sich über die Diskussion und die Tendenz zu mehr Flexibilität und konnte dem SPD-Antrag, das nicht benötigte Geld für Kinder insgesamt zu nutzen, Charme abgewinnen. "Mir kommt's so vor, als hätten wir jetzt Geld und suchen ein Problem", meinte dagegen Michael Holz von den Grünen Alternativen und wollte die Reihenfolge umkehren. Zunächst sollten die Kindergärtnerinnen aufzeigen, wo's wirklich fehle. Der Gemeinderat könne die Verwaltung zu flexibler Reaktion legitimieren.

"Mir ist strategisches Vorgehen wichtig", sprach sich Matt-Heidecker dafür aus, die Vorgehensweise bei der Planfortschreibung erneut zu diskutieren. Was die 12 000 Euro betreffe, müsse man erst untersuchen, wo diese sinnvoll einsetzbar seien. Das Plädoyer für strategisches Vorgehen siegte letztlich, nachdem weder der SPD-Antrag auf Verwendung der freigewordenen 12 000 Euro im Kindergartenbereich eine Mehrheit fand noch der CDU-Antrag für die Lindorfer Springkraft. Mit nur zwei Enthaltungen fiel dagegen das Votum für den Antrag der Freien Wähler überzeugend aus: Bei der Fortschreibung des Kindergartenentwicklungsplanes soll nun untersucht werden, welche Kosten entstehen bei der Verbesserung des Betreuungsschlüssels von 1,7 auf 2 Fachkräfte pro Gruppe beziehungsweise bei der Reduzierung der Obergrenze der Gruppenbelegung auf 25 Kinder.