Lokales

Seid Licht und seid Salz!

Komplimente hört jeder gern. Es tut einem gut, wenn einen jemand lobt und dadurch anerkennt, was man geleistet hat. Ein gutes Wort baut auf und ermutigt. Manchmal verpflichtet es auch.

Wenn der andere schon eine gute Meinung von einem hat, dann will man sich natürlich keine Blöße geben und den guten Ruf aufs Spiel setzen. Viele wissen allerdings gar nicht so recht um ihren Wert. Das liegt wohl auch daran, dass wir alle geprägt sind von einer Umwelt, in der vor allem das zählt, was einer kann. Die Leistung wird zum Maßstab dessen, was einer sich leisten kann. Wer Erfolg hat, der bekommt Ansehen, wird geehrt und manchmal auch beneidet. So sieht es zumindest für Außenstehende aus. Dabei muss auch jeder Erfolg mühsam erarbeitet werden.

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Nicht immer aber können wir mit dieser Anerkennung rechnen. Wo der eigene Wert nur an der Leistung gemessen wird, da sind negative Erfahrungen unausweislich und mit ihnen eine immer stärkere Entmutigung. Wie gut tut es da, auf Menschen zu treffen, die tiefer blicken und für die nicht nur die Leistung zählt. Bedingungslose Wertschätzung befreit von Angst und hilft uns, an unsere eigene Würde zu glauben und aus der Kraft zu handeln, die aus diesem Vertrauen kommt.

Wenn es um die Botschaft Jesu geht, dann kommt uns ein wichtiger Umstand zu Hilfe. Wir können seine Botschaft nicht nur hören, wir können sie auch sehen. Die Botschaft Jesu ist über weite Strecken eine Bildersprache. Er greift Bilder aus dem täglichen Leben auf, die wir aus Erfahrung kennen. Jesus macht seine Botschaft sichtbar.

Da hören wir Worte von Jesus an seine Jünger gerichtet aber auch an uns: "Ihr seid das Salz der Erde. Ihr seid das Licht der Welt." Das ist auch das Jahresthema der katholischen Gesamtkirchengemeinde in Kirchheim. Jesus sagt nicht: Ihr sollt Salz und Licht sein er sagt: Ihr seid es! Das sind Komplimente. Jesus hält große Stücke auf jede und jeden, und das sicherlich nicht aus taktischen Gründen. Ihm ist es ernst. Er meint es so, dass wir Licht sind oder Salz.

Beide Bilder laufen im Grunde auf dasselbe hinaus. Das Licht gibt uns Orientierung bei Nacht und lässt uns erkennen, was um uns herum vorgeht. Es ist ebenso wenig Selbstzweck wie das Salz, das für sich allein genommen ziemlich wertlos ist. Es ist praktisch ungenießbar und entfaltet seine würzende und erhaltende Kraft erst dann, wenn es unter die Speisen gemischt wird. So ist es auch mit uns Christen. Man ist nicht für sich allein. Christ ist man immer mit anderen und für sie.

Die Botschaft Jesu hat für die Menschheit unverzichtbare Werte zum Inhalt: die Liebe, die Freiheit, den Dienst am Nächsten, die Bereitschaft zur Vergebung. Jesus hat uns das vorgelebt. Das geht weiter von Generation zu Generation. Gerät die Botschaft Jesu in Vergessenheit, wird sie nicht mehr gelebt, dann geraten auch ihre Werte in Vergessenheit.

Wenn ich das Bild vom Salz der Erde als Ausdruck gelebten Christ-seins betrachte, dann können sie die Welt vor dem Werteverfall bewahren. Diese glaubwürdig gelebte Alternative, mit ihren positiven Auswirkungen auf das Leben, wird interessant für die Menschen.

Genauso ist es mit dem Licht. Wir dürfen nicht Blendlicht sein, sondern Licht, das leuchtet und Wärme ausstrahlt. Wir sind Licht und nicht nur dann, wenn wir uns stark und mächtig fühlen, wenn wir uns auf die Schulter klopfen, weil wir etwas Gutes geleistet haben oder wenn die Zustimmung anderer uns trägt: Wir sind Licht, weil wir eine Lichtquelle haben, an der wir gespeist werden.

Seid Salz! Seid Licht! Würzt und leuchtet anderen! Das ist der Anruf an uns damit andere etwas davon spüren und Hoffnung und Zuversicht haben.

Winfried Hierlemann

Pfarrer an der katholischen

Kirchengemeinde Maria Königin