Lokales

Seit 1975 Bio regional

Die heimische Kulturlandschaft um die Teck zu erhalten und daraus gesunde, hochwertige Lebensmittel anzubieten, dies hat sich der Verein „Schmeck die Teck“ auf die Fahnen geschrieben. In einer lockeren Serie stellt der Teckbote seine Mitglieder vor. Heute: der Bioland-Hof Andreas Gruel in Owen.

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richard umstadt

Owen. Andreas Gruel erinnert sich noch gut an seine erste Begegnung mit einem anderen Vereinsmitglied, noch lange bevor „Schmeck die Teck“ aus der Taufe gehoben wurde: dem Scholderbeck Bernd Sigel. Just als die Müsli-Welle abflaute und damit auch der Getreideumsatz, kam der Weilheimer gerade vom Drachenfliegen am Hohenneuffen durch Owen gefahren und machte spontan am Gruelschen Hof in der Kirch­heimer Straße halt. Als er seinen Heimweg fortsetzte, hatte er außer seinem Fluggerät auch ein Säckchen Biogetreide an Bord. „Ob wir mit dem wohl groß ins Geschäft kommen werden?“, fragten sich die Gruels damals. Die Antwort ist regional bekannt: Inzwischen bezieht der Scholderbeck sein ganzes Biogetreide von Andreas Gruel, und der wiederum muss noch von anderen Biobauern dazukaufen, um den Bedarf des Biobäckers zu befriedigen.

Deshalb waren sich Andreas ­Gruel, Bernd Sigel und die anderen Mitstreiter im Lokalen Agenda Arbeitskreis L.A.N.D., dem Kürzel für Landschaft, agrarische Nutzung und Direktvermarktung, rasch einig: Die landwirtschaftlichen Betriebe hier am Albtrauf und im Albvorland haben nur eine Überlebenschance, wenn sie regionale Produkte erfolgreich an die Frau, den Mann, bringen. So schlossen sich Landwirte, Müller, Bäcker und Metzger, aber auch interessierte Bürger 2001 zum Verein „Schmeck die Teck“ zusammen und schufen als Wegweiser für die Verbraucher den grünen Kirchheimer Hausberg.

Direktvermarktung war für den Owener Biobauern nichts Neues. Nach der Umstellung des elterlichen Betriebes auf „Bio“ 1975 und Jahren des Erfahrungsammelns mit der etwas anderen, aufwendigeren Wirtschaftsweise, verkauften die Gruels Kartoffeln, Obst und Milch direkt ab Hof. Eine weitere Charge Milch wird an eine kleine Molkerei in Tübingen geliefert, Vieh verkauft Andreas ­Gruel an die Metzgerei Scheu und Weber und das Getreide ging anfangs an einen Esslinger Bäcker und den Teckbeck und danach, wie gesagt, an den Scholderbeck. Bio-Gemüse, das eben­falls im Hofladen in der Kirchheimer Straße angeboten wird, kommt aus einer Behindertenwerkstatt vom Uracher Biolandhof Bleiche.

70 Hektar treibt Andreas Gruel mit Familie, den Eltern und Landwirtschaftspraktikanten um. Davon sind 35 Hektar Acker- und 25 Hektar Grünland in Owen, Dettingen, Nabern und Neuffen – „da ist die Oma her“. Auf zehn Hektar stehen hochstämmige Apfel-, Birnen-, Kirsch-, Mirabellen- und Zwetschgenbäume. Etwa zweieinhalb bis drei Hektar sind dem Kartoffelanbau vorbehalten. 1992 siedelte die Familie den Laufstall für die Kühe in die Owener Spitzwiesen an den Ortsrand aus, vier Jahre danach folgte Andreas Gruel mit Familie und auch das Fahrsilo wurde dort 1996 in Betrieb genommen. In der alten Hofstelle seines Vaters Heinrich in der Kirchheimer Straße befindet sich der Hofladen sowie Getreide-, Kartoffel-, Apfelsaft- und Obstkühllager.

„Unsere Hauptstandbeine sind Getreide-, Kartoffel- und Tafelobstverkauf in der Region“, sagt der Biobauer. Das Regionale kann Andreas Gruel, der auch als Biolandberater arbeitet, gar nicht oft genug betonen. Darin sind sich im Übrigen alle „Schmeck die Teck“-Mitglieder einig: „Regionalität ist sehr wichtig“. Hier scheiden sich die Geister – zum Leidwesen von Gruels Hofladen, dessen Absatz schwächelt, seit im Discounter Bio-Produkte verkauft werden. „Die wenigsten davon sind aus Deutschland, geschweige denn aus der Region“, kritisiert der Owener Biobauer die langen Wege und die geringe Transparenz.

Doch der Verbraucher – im Falle von Andreas ­Gruel der Biokunde – entscheidet. Auch darüber, ob die heimischen Landwirte, egal ob konventionell oder Bio, überleben, und die Landschaft am Albtrauf bleibt, was sie ist: eine Idylle.

Der Verein „Schmeck die Teck“ wurde am 4. April 2001 gegründet und zählt heute rund 20 Mitglieder. Vorsitzender ist Klaus Lang aus Ohmden, Geschäftsführerin Anne Rahm aus Köngen. Über sie sind weitere Informationen über den Verein zu erhalten unter der Telefonnummer 0 70 24/86 82 75 oder per Internet unter der Adresse SchmeckdieTeck@web.de. Infos über den Biolandhof Gruel und den Hofladen sowie Anmeldungen zu Führungen für Schulklassen unter 0 70 21/8 11 58 in der alten Hofstelle, Kirchheimer Straße 87, Owen.