Lokales

Sektenexpertin protestiert gegen Bambiverleihung

Die SPD-Sektenexpertin protestiert gegen die Bambiverleihung in der Kategorie "Courage" an den Scientologen Tom Cruise. Für Carla Bregenzer kommt die Preisverleihung einem Kniefall vor Scientology gleich. Für die Zukunft fordert sie mehr Sensibilität im Umgang mit der Organisation.

KIRCHHEIM Die sektenpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Carla Bregenzer, hat sich wegen der Verleihung des Bambis an den zur Scientology-Organisation gehörenden US-Schauspieler Tom Cruise mit Protestbriefen an Preis-Stifter Dr. Burda, an ARD-Programmchef Dr. Struve und MDR-Intendant Dr. Reiter gewandt.

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In ihren Briefen drückt die Kirchheimer SPD-Abgeordnete ihr Unverständnis darüber aus, dass die Bambi-Jury Tom Cruise für die Kategorie "Courage" ausgezeichnet hat. "Dass es ausgerechnet der Bambi dieser Kategorie ist, ist so unsäglich wie die Lobhudelei von Laudator Schirrmacher. Diese Bambiverleihung wirkte wie ein Kniefall vor Scientology", sagt Carla Bregenzer. Man habe den Anschein erweckt, als wolle man Scientology entschädigen für laute, aber leider vergebliche Proteste von Kennern des Systems und von Opfern desselben, die sich gegen die Perversion gewandt hatten, die Symbolgestalt des Widerstands gegen Hitler durch einen prominenten und exponierten Repräsentanten von Scientology verkörpern zu lassen. "Welche Courage dazu gehört, einen Film zu drehen und dafür 50 Millionen Dollar Gage zu kassieren, bleibt das Geheimnis der Jury. Mit der Verleihung an Cruise hat die Jury dem Bambi keinen guten Dienst erwiesen", so sagt Carla Bregenzer weiter.

Die Kirchheimer SPD-Abgeordnete zeigte sich auch verärgert über den Umstand, dass Tom Cruise während der Fernsehübertragung der Bambi-Gala so häufig und lange im Bild war wie kein anderer Schauspieler und dass ihm überdies als einzigem Preisträger Raum für eine achtminütige Rede eingeräumt wurde. Außerdem sei über keinen anderen Preisträger ein derart langer Filmzusammenschnitt zu sehen gewesen. Bregenzer wies darauf hin, dass Scientology wie viele deutsche Gerichtsurteile belegten eine auf Gewinnerzielung ausgerichtete Organisation sei, die sich durch menschenverachtende, repressive und ausbeuterische Strukturen auszeichne. Einem Mann wie Tom Cruise, der an hervorgehobener Stelle diese Organisation vertritt, den Bambi zu verleihen, dürfe man getrost als "beispiellose Instinktlosigkeit" bezeichnen, so Bregenzer.

Die Bambi-Jury und die übertragende ARD hätten einen maßgeblichen Beitrag dazu geleistet, Scientology hoffähig zu machen und in ein harmloses Licht zu rücken. Man könne nicht Cruise auszeichnen und denken, damit wäre nicht Scientology gemeint. Man müsse wissen, dass hervorgehobene Scientologen wie Cruise oder Travolta alle ihre beruflichen und PR-Aktivitäten bewusst als Scientologen inszenieren und in den Dienst von Scientology stellen. Dazu seien sie von der Organisation her auch verpflichtet. "Es ist verantwortungslos, dem Vorschub zu leisten. Jeder, der sich mit Scientology befasst, weiß, dass es sich dabei nicht um eine Religionsgemeinschaft handelt, sondern um ein Wirtschaftsunternehmen, das seine einfachen Mitglieder mit Gehirnwäsche-Methoden gefügig macht", sagt die SPD-Sektenexpertin.

Zur Bekräftigung ihres Protestes hat die Abgeordnete ihren Schreiben an die Verantwortlichen Kopien aus Berichten des baden-württembergischen Verfassungsschutzes beigelegt, der Scientology nicht ohne Grund seit vielen Jahren beobachte. "Dieser Bambi-Abend ist leider nicht mehr zurückzuholen. In Zukunft wünsche ich mir aber mehr Sensibilität", so Carla Bregenzer.

pm