Lokales

Selbst bestimmtes Leben der älteren Menschen garantiert

Große Hochachtung bekundete die SPD-Landesvorsitzende Ute Vogt bei ihrem Besuch gegenüber dem Verein "Gemeinsam statt einsam". Von der Idee bis zum heutigen Tag sei eine Unmenge an Durchhaltevermögen und Engagement der Mitglieder des Vereins vonnöten gewesen, die nach vier Jahren zähem Ringen ein beeindruckendes Modell zu Stande gebracht hätten.

KIRCHHEIM Das werde zu Recht sicher viele Nachahmer finden, was die 1. Vorsitzende Sybille Mauz im Blick auf die unzähligen Anfragen aus der Region und dem ganzen Land auch bestätigte. "Was mir bei ihrer Wohngemeinschaft besonders gefällt", so Ute Vogt, "ist die Tatsache, dass die alten Menschen trotz ihrer Demenz selbst bestimmt leben können."

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Die SPD-Landesvorsitzende und Staatsekretärin im Innenministerium Ute Vogt machte am achten Tag ihrer Sommertour durch alle Landkreise in Kirchheim Station. Ziel dieser Tour sei es, so Vogt, ehrenamtlich entstandene und getragene Projekte kennen zu lernen. "Es gibt in unserem Land eine Fülle und Vielfalt ehrenamtlichen Engagements, das leider viel zu wenig Würdigung erfährt. Dem Staat werden damit viele Aufgaben abgenommen, die er so niemals leisten könnte, unser Leben in den Städten und Gemeinden erhält dadurch ein menschliches Gesicht", so Ute Vogt.

Im Beisein der Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker, der SPD-Stadträtin Marianne Gmelin, der Geschäftsführerin der Diakonie Ulrike Schmid hatten Ute Vogt und die SPD-Landtagsabgeordnete Carla Bregenzer gemeinsam mit drei Vertreterinnen des Vereins die Wohnung im Eckpunkt besichtigt und sich mit den Bewohnerinnen der Wohngemeinschaft unterhalten.

Im anschließenden Gespräch schilderten neben Sybille Mauz die zweite Vorsitzende Petra Vogel und eine Angehörige, die das Projekt von der ersten Stunde an mit betrieben hat, die Motivation und den steinigen Weg von der Idee bis zur Realisierung. Wiltrud Krimmer resümierte, dass sich dieser Weg auf jeden Fall gelohnt habe und es sei eine Freude, mitanzusehen, wie die Menschen in der Wohngemeinschaft aufblühten.

Die entscheidende Problematik dieses Modells liege in der Zwitterstellung zwischen ambulanter häuslicher Pflege und Heimunterbringung. Die dementen Menschen leben nun mit optimaler Betreuung im Zusammenspiel von Pflege- und Hauswirtschaftsfachkräften der Diakonie und Angehörigen, die regelmäßig in nicht unerheblichem Umfang Dienste leisten. Die Diakonie decke die wesentlichen individuellen Pflege- und hauswirtschaftlichen Leistungen ab, die Angehörigen übernähmen ehrenamtlich im wesentlichen Betreuungs- und Beschäftigungsaufgaben. Petra Vogel wies gleichzeitig darauf hin, dass sie bestrebt seien, Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten aufzunehmen und daher noch einen Platz in der Wohngemeinschaft frei hätten.

Es sei ein Glücksfall, dass der Verein die Wohnung von der evangelischen Gesamtkirchengemeinde habe mieten können, so die Oberbürgermeisterin Angelika Matt-Heidecker, denn diese läge sehr zentral und es gäbe kurze Wege zur Diakonie. Sie sei stolz, dass gerade in Kirchheim ein landesweit einzigartiges Modellprojekt entstanden sei. Mittel aus der Pflegeheimförderung habe es nicht gegeben, aber die Teckboten-Weihnachtsaktion und andere Spenden hätten die finanzielle Grundlage geliefert, das Modell in Angriff zu nehmen.

"Sie haben mit Zähigkeit und Ausdauer ein Modell geschaffen, das nicht nur für die Demenzkranken sondern auch für die Angehörigen ein Meilenstein ist, denn mit dieser Wohngemeinschaft entsteht auch eine Gemeinschaft unter den Pflegenden, die sonst meist sehr allein sind, wenig Hilfe und Verständnis erfahren," würdigte SPD-Landtagsabgeordnete Carla Bregenzer die Besonderheit. "Hier wie in anderen Lebensbereichen müssen wir in Zukunft die Gesetze so gestalten, dass es den Menschen möglich wird, so zu leben, wie sie wollen, wie es für sie richtig ist. Es gibt in unserer Gesellschaft sehr viel mehr Ideenreichtum und Umsetzungsbereitschaft als die Gesetze es bisher zulassen. Der Verein "Gemeinsam statt einsam" und die von ihm getragene Wohngemeinschaft ist ein Zukunftsmodell, äußerte die SPD-Landesvorsitzende voll Überzeugung.

pm